Die IBA-Terrassen in Großräschen werden mit weiteren rund 2,66 Millionen Euro aus dem Strukturstärkungsgesetz für die Kohleregionen ausgebaut. Brandenburgs Wirtschafts- und Tourismusministerin Martina Klement übergab den Förderbescheid am Dienstag, 21. Juli 2026, gemeinsam mit Sachsens Tourismusministerin Barbara Klepsch und dem Lausitz-Beauftragten Klaus Freytag. Finanziert werden sollen ein Besucherstollen zur Geschichte des Tagebaus Meuro sowie die Gestaltung der angrenzenden Außenanlagen.

Das Vorhaben bildet den dritten Bauabschnitt bei der Weiterentwicklung der früheren Ausstellungs- und Verwaltungsgebäude der Internationalen Bauausstellung Fürst-Pückler-Land. Auf dem Gelände am Großräschener See soll schrittweise ein Campus entstehen, der Tourismus, Bildung, Wissenschaft, Arbeit und Kultur miteinander verbindet.

Was aktuell geschehen ist

Der neue Förderbescheid wurde im Rahmen eines gemeinsamen Besuchs der Lausitzer Seenlandschaft übergeben. Ziel ist es, die touristische Infrastruktur auf der brandenburgischen Seite der länderübergreifenden Seenregion weiterzuentwickeln.

Der geplante Besucherstollen soll unterhalb der Victoriahöhe entstehen. Dabei handelt es sich um eine ehemalige Außenkippe des Tagebaus Meuro. In dem Stollen soll künftig nachvollziehbar werden, wie der Braunkohlenabbau die Region geprägt hat und wie aus dem früheren Bergbaurevier eine Seen- und Tourismuslandschaft entsteht.

Die Förderung umfasst neben dem eigentlichen Stollen auch Arbeiten an den Außenanlagen. Einzelheiten zum Baubeginn und zum vorgesehenen Eröffnungstermin wurden in der Mitteilung zunächst nicht genannt.

Die wichtigsten Fakten

  • Die neue Förderung beträgt rund 2,66 Millionen Euro.
  • Das Geld stammt aus dem Strukturstärkungsgesetz für die Kohleregionen.
  • Gefördert wird der dritte Bauabschnitt der IBA-Terrassen.
  • Vorgesehen sind ein Besucherstollen und neue Außenanlagen.
  • Der Stollen soll die Geschichte des Tagebaus Meuro und den Landschaftswandel vermitteln.
  • Der Förderbescheid wurde am 21. Juli 2026 in Großräschen übergeben.
  • Die IBA-Terrassen werden zu einem gemischt genutzten Campus weiterentwickelt.

Die Übergabe war Teil eines gemeinsamen Termins von Vertretern Brandenburgs und Sachsens. Damit unterstreichen beide Länder, dass das Lausitzer Seenland nicht allein als kommunales Einzelprojekt, sondern als zusammenhängende Tourismusregion entwickelt werden soll.

Der Hintergrund

Die IBA-Terrassen entstanden im Zusammenhang mit der Internationalen Bauausstellung Fürst-Pückler-Land. Sie dokumentierte von 2000 bis 2010 den tiefgreifenden Landschafts- und Strukturwandel in der Lausitz.

Die Gebäude waren ursprünglich vor allem für Ausstellungen und die Verwaltung der Bauausstellung vorgesehen. Nach dem Ende der IBA stellte sich die Frage, wie der Standort langfristig genutzt und erhalten werden kann.

Eine Machbarkeitsstudie kam nach Angaben der Stadt Großräschen zu dem Ergebnis, dass die Terrassen als Symbol des Landschaftswandels und als touristischer Anziehungspunkt von überregionaler Bedeutung sind. Darauf aufbauend wurde ein mehrstufiges Konzept für den Ausbau des Standorts entwickelt.

Zwei Bauabschnitte gingen voraus

Für den ersten Bauabschnitt wurden rund 2,4 beziehungsweise 2,48 Millionen Euro bereitgestellt. Damit entstand ein modernes Besucherzentrum mit Touristinformation, Lagerflächen und öffentlichen Sanitäranlagen.

Im zweiten Abschnitt wurden die drei bestehenden Häuser der IBA-Terrassen grundlegend saniert und für neue Nutzungen vorbereitet. Die Förderung lag nach Angaben des Landes und der Stadt bei rund 11,1 Millionen Euro.

Vorgesehen beziehungsweise umgesetzt wurden unter anderem:

  • ein gastronomischer Bereich,
  • ein Coworking-Angebot,
  • Gruppen- und Seminarräume,
  • moderne Tagungsflächen,
  • eine gläserne Energiewerkstatt,
  • eine Energiezentrale zur Nutzung erneuerbarer Energien.

Die Stadt hatte 2023 für diesen Abschnitt zunächst einen Bescheid über rund elf Millionen Euro erhalten. Das damalige Nutzungskonzept sah eine enge Verbindung der einzelnen Gebäude und ihrer Funktionen vor.

Bergbaugeschichte soll unter Tage erlebbar werden

Der neue Besucherstollen soll die Vergangenheit des Standorts räumlich und pädagogisch vermitteln. Besucher sollen nicht nur Texte und Ausstellungsobjekte betrachten, sondern einen Eindruck davon erhalten, wie Bergbau, Abraumbewegung und spätere Rekultivierung die Landschaft verändert haben.

Der Tagebau Meuro wurde bis Ende der 1990er Jahre betrieben. Aus dem ehemaligen Abbaugebiet entstand durch Flutung der Großräschener See. Die Bergbaufolgelandschaft gehört heute zum Lausitzer Seenland und wird schrittweise für Tourismus, Wassersport und Naherholung erschlossen.

Die Verbindung zwischen dem früheren Tagebau und dem heutigen See ist am Standort besonders deutlich: Von den IBA-Terrassen reicht der Blick über eine Landschaft, die innerhalb weniger Jahrzehnte vollständig umgestaltet wurde.

Warum das Thema gerade jetzt wichtig ist

Die Lausitz befindet sich durch den politisch beschlossenen Ausstieg aus der Braunkohleverstromung erneut in einem tiefgreifenden wirtschaftlichen Wandel. Fördermittel sollen neue Arbeitsplätze, Infrastruktur und wirtschaftliche Perspektiven schaffen.

Tourismus ist dabei ein Baustein unter mehreren. Er kann Industriearbeitsplätze nicht vollständig ersetzen, bietet jedoch Chancen für Beherbergungsbetriebe, Gastronomie, Freizeitwirtschaft, Kulturangebote, Bauunternehmen und regionale Dienstleister.

Entscheidend ist, dass geförderte Anlagen nicht nur gebaut, sondern anschließend dauerhaft betrieben und mit ausreichend Besuchern ausgelastet werden. Für die IBA-Terrassen bedeutet dies, dass die einzelnen Nutzungen zu einem wirtschaftlich und organisatorisch tragfähigen Gesamtstandort verbunden werden müssen.

Was die Entwicklung für Großräschen bedeutet

Für Großräschen ist der Standort an den IBA-Terrassen ein wesentlicher Teil der Stadtentwicklung. Die Stadt hat sich vom früheren Tagebauort zu einer Seestadt entwickelt, deren touristische Ausrichtung eng mit dem Großräschener See verbunden ist.

Das neue Besucherzentrum, die sanierten IBA-Gebäude und der geplante Stollen können mehrere Funktionen erfüllen:

  • Ausgangspunkt für Ausflüge in das Lausitzer Seenland,
  • Bildungsort zur Bergbau- und Transformationsgeschichte,
  • Veranstaltungs- und Tagungsstandort,
  • Arbeitsplatz für touristische und kreative Dienstleistungen,
  • Treffpunkt für Einwohner, Gäste und Unternehmen.

Ein zusätzlicher Anziehungspunkt kann die Aufenthaltsdauer von Besuchern verlängern. Davon könnten auch örtliche Gaststätten, Unterkünfte, Einzelhändler und Freizeitangebote profitieren.

Die ostdeutsche Besonderheit

Der Wandel des Lausitzer Seenlands ist unmittelbar mit der ostdeutschen Industriegeschichte verbunden. Der Braunkohlenabbau schuf über Jahrzehnte Arbeitsplätze und Energie, verursachte zugleich aber erhebliche Eingriffe in Landschaften, Gewässer und Siedlungsstrukturen.

Mit dem Ende zahlreicher Tagebaue begann nach 1990 eine der größten Landschaftsumgestaltungen Europas. Restlöcher wurden geflutet, Ufer gesichert, Verkehrswege verlegt und touristische Anlagen neu gebaut.

Der geplante Besucherstollen greift diese Besonderheit auf. Er soll nicht nur für ein Freizeitangebot stehen, sondern die Entstehungsgeschichte der neuen Landschaft erklären. Damit kann der Standort auch sichtbar machen, welche technischen, finanziellen und gesellschaftlichen Leistungen hinter der heutigen Seenlandschaft stehen.

Die länderübergreifende Lage ist ein weiterer besonderer Faktor. Das Lausitzer Seenland erstreckt sich über Brandenburg und Sachsen. Seen, Radwege, Wasserstraßen und touristische Angebote lassen sich deshalb nur sinnvoll entwickeln, wenn beide Länder und die beteiligten Kommunen zusammenarbeiten.

Wirtschaftliche Chancen und offene Fragen

Das Projekt soll neue Besucher anziehen und die IBA-Terrassen als zentralen Anlaufpunkt stärken. Belastbare Angaben zu erwarteten Besucherzahlen, künftigen Einnahmen oder laufenden Betriebskosten wurden bei der Förderübergabe jedoch nicht veröffentlicht.

Offen sind unter anderem:

  • der genaue Zeitplan für Planung und Bau,
  • der künftige Betreiber des Besucherstollens,
  • die dauerhaften Personal- und Unterhaltungskosten,
  • mögliche Eintrittspreise,
  • die inhaltliche Gestaltung der Ausstellung,
  • die Einbindung regionaler Museen, Schulen und Bergbauvereine.

Für die langfristige Wirkung wird außerdem entscheidend sein, wie der Standort an Radwege, Schiffsverkehr, öffentlichen Nahverkehr und weitere Ausflugsziele angebunden wird.

Der Großräschener See ist inzwischen touristisch nutzbar und Teil der wachsenden Wasserlandschaft. Die Touristinformation an den IBA-Terrassen dient bereits heute als Anlaufpunkt für Tages- und Mehrtagesgäste.

Positionen

Brandenburgs Wirtschaftsministerin Martina Klement bezeichnete das Lausitzer Seenland als eine der spannendsten Tourismusregionen Deutschlands. Die IBA-Terrassen zeigten, wie sich industrielles Erbe in neue touristische und wirtschaftliche Perspektiven überführen lasse.

Sachsens Tourismusministerin Barbara Klepsch verwies auf die länderübergreifende Bedeutung der Region. Brandenburg und Sachsen entwickeln das Seenland gemeinsam, obwohl Zuständigkeiten, Förderprogramme und kommunale Interessen über zwei Länder verteilt sind.

Die Aussagen der Ministerinnen beschreiben die politischen Ziele der Förderung. Ob der Besucherstollen die erwartete touristische Wirkung erreicht, wird sich erst nach Fertigstellung und im späteren Betrieb beurteilen lassen.

Wie es weitergeht

Mit dem Förderbescheid kann die Stadt beziehungsweise der zuständige Projektträger die Planungen für den dritten Bauabschnitt fortsetzen. Dazu gehören die technische Ausarbeitung, Genehmigungen, Ausschreibungen und die spätere Vergabe der Bauleistungen.

Parallel laufen die Arbeiten und Nutzungsvorbereitungen in den bereits geförderten Gebäuden weiter. Der Standort soll schrittweise als Campus entwickelt werden und nicht nur aus einem einzelnen Besucherangebot bestehen.

Ein konkreter Termin für die Fertigstellung des Besucherstollens wurde am 21. Juli 2026 noch nicht bekannt gegeben.

Mit weiteren 2,66 Millionen Euro erhält der Ausbau der IBA-Terrassen in Großräschen einen dritten Baustein. Der geplante Besucherstollen soll die Geschichte des Tagebaus Meuro und die Entstehung des Lausitzer Seenlands verständlich machen.

Das Projekt verbindet Tourismus, Bildung und Industriekultur mit der wirtschaftlichen Neuorientierung der Lausitz. Nach bereits umfangreichen Investitionen in Besucherzentrum, Gebäude und Energietechnik kommt es nun darauf an, den Standort dauerhaft zu nutzen, regional zu vernetzen und wirtschaftlich tragfähig zu betreiben.

Quellen

  • Ministerium für Wirtschaft, Arbeit, Energie und Klimaschutz des Landes Brandenburg: Termin und Pressemitteilung zur Übergabe des Zuwendungsbescheids für die IBA-Terrassen, veröffentlicht am 21. Juli 2026.
  • Stadt Großräschen: „Fördermittel für Großräschen“, veröffentlicht am 11. September 2023.
  • Tourismusverband Lausitzer Seenland: Informationen zur Touristinformation Großräschen und zu den IBA-Terrassen, abgerufen am 21. Juli 2026.
  • Übermittelte Pressemitteilung zur Förderung des dritten Bauabschnitts, datiert auf den 21. Juli 2026.