Nach dem umstrittenen Einlass zu einem Abiturball im Görlitzer L2 Club haben betroffene Jugendliche und Clubbetreiber Robert Schulze gemeinsam mit Oberbürgermeister Octavian Ursu über den Vorfall gesprochen. Schulze äußerte nach Angaben der Stadt sein Bedauern über die von den Jugendlichen geschilderten diskriminierenden und beleidigenden Äußerungen des Sicherheitspersonals. Er entschuldigte sich und kündigte eine interne Aufarbeitung, Konsequenzen und zusätzliche Schulungen an.
Dem gemeinsamen Termin waren getrennte Gespräche des Oberbürgermeisters mit den Jugendlichen und dem Betreiber vorausgegangen. Ursu hatte beide Seiten anschließend in sein Büro eingeladen, um die unterschiedlichen Darstellungen zusammenzuführen und über Maßnahmen zur Vermeidung vergleichbarer Vorfälle zu sprechen.
Jugendliche schildern Zurückweisung am Clubeingang
Ausgangspunkt war ein Abiturball im L2 Club. Nach Darstellung der Jugendlichen erhielten mehrere Freunde keinen Zutritt, obwohl ihre Namen auf der Gästeliste der Veranstaltung standen. Die Betroffenen führen die Zurückweisung auf ihr äußeres Erscheinungsbild zurück.
Im Gespräch machten die Jugendlichen deutlich, dass das Aussehen eines Gastes nicht darüber entscheiden dürfe, ob er an einer Feier teilnehmen kann. Entscheidend müsse sein, ob die Person eingeladen sei und die für alle Besucher geltenden Regeln einhalte.
Regionale Medien berichteten zuvor, dass acht dunkelhäutige Gäste am Eingang abgewiesen worden seien. Dabei sollen nach Aussagen von Beteiligten auch diskriminierende und beleidigende Äußerungen gefallen sein. Mindestens eine Anzeige sei erstattet worden. Die strafrechtliche Bewertung ist nicht Gegenstand der städtischen Mitteilung und bleibt den zuständigen Ermittlungsbehörden vorbehalten.
Betreiber kündigt Konsequenzen und Schulungen an
Clubbetreiber Robert Schulze äußerte im gemeinsamen Gespräch sein Bedauern über die von den Jugendlichen beschriebenen Äußerungen des Sicherheitspersonals. Nach Angaben der Stadt entschuldigte er sich bei den Betroffenen.
Schulze sagte zu, den Vorfall mit den Mitarbeitern aufzuarbeiten und daraus personelle oder organisatorische Konsequenzen zu ziehen. Darüber hinaus sollen zusätzliche Schulungen stattfinden.
Welche Mitarbeiter an dem Abend konkret beteiligt waren, welche Maßnahmen ergriffen werden und wann die Schulungen beginnen, geht aus der Mitteilung nicht hervor.
In einer früheren Stellungnahme hatte der Betreiber zurückgewiesen, dass im Club eine allgemeine Anweisung oder Praxis bestehe, Menschen aufgrund ihrer Herkunft, Hautfarbe oder Nationalität abzuweisen. Der aktuelle Gesprächstermin befasste sich vor allem mit den konkreten Erfahrungen der Jugendlichen und den daraus folgenden organisatorischen Konsequenzen.
Klare Einlassregeln sollen Sicherheit verbessern
Oberbürgermeister Octavian Ursu erklärte nach dem Gespräch, die Verantwortlichen seien mit der Situation offenbar überfordert gewesen. Der Vorfall habe den zweiten Teil des Abiturballs überschattet.
Aus Sicht des Oberbürgermeisters müssen die Einlassregeln bei geschlossenen Veranstaltungen eindeutiger festgelegt werden. Bei einem Abiturball mit Gästeliste müsse für das Sicherheitspersonal klar sein, dass die aufgeführten Personen Zutritt erhalten und weitere Gäste nur nach den zuvor vereinbarten Regeln eingelassen werden.
Eine klare Gästeliste allein ersetzt allerdings nicht die Verantwortung des Veranstalters und des eingesetzten Sicherheitspersonals. Einlassentscheidungen müssen nachvollziehbar, einheitlich und frei von Diskriminierung getroffen werden. Bei möglichen Sicherheitsbedenken sind konkrete Verhaltensweisen zu bewerten, nicht Herkunft oder Aussehen.
Ursu: Herkunft und Aussehen dürfen nicht entscheiden
Oberbürgermeister Ursu machte deutlich, dass beleidigende und diskriminierende Äußerungen in Görlitz nicht akzeptiert werden dürften.
„Vorfälle dieser Art dürfen nicht mehr vorkommen und es darf keine Zweifel daran geben, dass diskriminierende und beleidigende Äußerungen in Görlitz keinen Platz haben“, erklärte Ursu nach Angaben der Stadt.
Über die Teilnahme an einer Feier dürften nicht Herkunft oder Aussehen entscheiden, sondern die Einhaltung der allgemein geltenden Regeln des Zusammenlebens.
Was bislang geklärt ist
Nach dem gemeinsamen Gespräch stehen mehrere Ergebnisse fest:
- Der Clubbetreiber hat gegenüber den Jugendlichen Bedauern geäußert und sich entschuldigt.
- Der Vorfall soll intern mit dem Sicherheitspersonal aufgearbeitet werden.
- Der Betreiber hat Konsequenzen angekündigt.
- Für Mitarbeiter sollen zusätzliche Schulungen organisiert werden.
- Einlassregeln bei Veranstaltungen mit Gästelisten sollen eindeutiger geregelt werden.
- Die Jugendlichen konnten ihre Darstellung unmittelbar gegenüber Betreiber und Oberbürgermeister erläutern.
Nicht öffentlich bekannt ist bislang, welche konkreten Konsequenzen der Betreiber zieht. Auch über mögliche Ergebnisse strafrechtlicher Ermittlungen liegen keine abschließenden Angaben vor.
Verantwortung liegt bei Veranstalter und Sicherheitsdienst
Clubs und Veranstalter dürfen Einlassregeln aufstellen, etwa zu Eintrittskarten, Gästelisten, Alter, Alkoholisierung oder aggressivem Verhalten. Diese Regeln müssen jedoch für alle Besucher nachvollziehbar und gleich angewandt werden.
Bei geschlossenen Veranstaltungen wie Abiturfeiern ist eine vorher abgestimmte Gästeliste ein wichtiges Instrument. Sie legt fest, wer eingeladen ist, und kann Konflikte an der Tür vermeiden. Voraussetzung ist, dass Veranstalter, Abiturjahrgang, Betreiber und Sicherheitsdienst dieselben Informationen erhalten.
Der Görlitzer Fall zeigt, wie schnell Unklarheiten beim Einlass einen gesamten Veranstaltungsabend überschatten können. Gerade bei einer Abschlussfeier, die für Schüler und Familien einen besonderen Stellenwert besitzt, müssen Zuständigkeiten vorab eindeutig geregelt sein.
Schulungen müssen praktische Situationen behandeln
Die vom Betreiber angekündigten Schulungen können nur dann Wirkung entfalten, wenn sie den tatsächlichen Arbeitsalltag des Sicherheitspersonals einbeziehen.
Dazu gehören unter anderem:
- der Umgang mit Gästelisten und Einladungen,
- sachliche Kommunikation bei verweigertem Zutritt,
- einheitliche Kriterien für Einlassentscheidungen,
- der Umgang mit Konflikten und Provokationen,
- die Vermeidung pauschaler Zuschreibungen,
- die Dokumentation strittiger Situationen,
- klare Ansprechpartner beim Veranstalter.
Neben Schulungen braucht es eindeutige Anweisungen der Clubleitung. Mitarbeiter müssen wissen, wann sie selbst entscheiden dürfen und wann die Veranstaltungsleitung hinzugezogen werden muss.
Bedeutung für Görlitz
Der Vorfall betrifft nicht nur eine private Feier. Clubs, Gaststätten und Veranstaltungsorte sind Teil des gesellschaftlichen Lebens einer Stadt. Jugendliche und junge Erwachsene müssen dort darauf vertrauen können, dass Regeln transparent gelten und Konflikte professionell gelöst werden.
Görlitz ist zugleich Grenzstadt und Europastadt. Menschen unterschiedlicher Herkunft gehören zum Alltag der Stadt. Damit besitzt der sachliche Umgang mit Diskriminierung eine besondere Bedeutung für das Zusammenleben, für das Stadtbild und für die Außenwirkung von Görlitz.
Die Stadt selbst betreibt den L2 Club nicht und kann daher keine internen Personalentscheidungen treffen. Der Oberbürgermeister hat jedoch seine vermittelnde Rolle genutzt und beide Seiten an einen Tisch gebracht.
Positionen und offene Fragen
Die Jugendlichen halten daran fest, dass eingeladene Freunde aufgrund ihres Aussehens zurückgewiesen worden seien. Der Betreiber entschuldigte sich nach Angaben der Stadt für die geschilderten Äußerungen des Sicherheitspersonals und kündigte eine Aufarbeitung an.
Offen bleibt, wie der Club den genauen Ablauf bewertet, welche einzelnen Mitarbeiter beteiligt waren und welche Konsequenzen folgen. Ebenfalls ungeklärt ist, wie künftige Veranstaltungen organisatorisch vorbereitet werden, damit Gästelisten und Zuständigkeiten eindeutig sind.
Die Entschuldigung und das gemeinsame Gespräch beenden daher nicht automatisch alle offenen Fragen. Sie schaffen aber eine Grundlage, auf der konkrete Veränderungen überprüft werden können.
Wie es weitergeht
Der Betreiber will den Vorfall intern auswerten und Schulungen organisieren. Die Wirksamkeit dieser Maßnahmen wird davon abhängen, ob Einlassregeln verbindlich festgeschrieben und gegenüber allen Mitarbeitern durchgesetzt werden.
Für künftige Abiturfeiern und andere geschlossene Veranstaltungen empfiehlt sich eine klare Abstimmung zwischen Veranstalter und Club. Dazu gehören eine abschließende Gästeliste, benannte Ansprechpartner, ein Verfahren für strittige Einlasssituationen und dokumentierte Sicherheitsregeln.
Ob weitere Gespräche zwischen den Beteiligten stattfinden, teilte die Stadt zunächst nicht mit.
Das gemeinsame Gespräch im Görlitzer Rathaus hat erstmals Jugendliche, Clubbetreiber und Stadtspitze zusammengebracht. Robert Schulze entschuldigte sich für die von den Betroffenen geschilderten diskriminierenden und beleidigenden Äußerungen des Sicherheitspersonals und kündigte Konsequenzen sowie Schulungen an.
Für künftige Veranstaltungen sollen die Regeln am Eingang eindeutiger werden. Entscheidend ist nun, dass aus der Aufarbeitung konkrete und überprüfbare Maßnahmen entstehen. Einlassentscheidungen müssen sich am Verhalten und an transparenten Veranstaltungsregeln orientieren – nicht an Herkunft oder äußerem Erscheinungsbild.
Quellen
- Stadt Görlitz: „Gespräch zwischen Jugendlichen und Betreiber des L2 Clubs bei Oberbürgermeister Octavian Ursu“, Pressemitteilung vom Juli 2026.
- Sächsische Zeitung: Berichterstattung über die Zurückweisung mehrerer Gäste beim Abiturball und die Reaktionen von Betroffenen, Betreiber und Oberbürgermeister, veröffentlicht im Juli 2026.
- L2 Club Görlitz: Öffentliche Stellungnahme des Betreibers zum Vorfall, Juli 2026.