Zwölf Auszubildende der Stadt Karlsruhe besuchen in dieser Woche die Stadtverwaltung Halle. Gemeinsam mit Auszubildenden aus Sachsen-Anhalt arbeiten sie in verschiedenen Fachbereichen an konkreten Verwaltungsaufgaben. Bürgermeister Egbert Geier begrüßte die Gäste am Dienstag, 21. Juli 2026, im Wappensaal des Stadthauses. Der Austausch findet bereits zum 22. Mal statt.
Auszubildende bearbeiten gemeinsame Aufgaben
Die Gäste aus Baden-Württemberg arbeiten während ihres Aufenthalts jeweils mit einem halleschen Paten zusammen. Dabei lernen sie verschiedene Bereiche der Stadtverwaltung kennen und bearbeiten praktische Aufgaben aus dem kommunalen Arbeitsalltag.
Nach Angaben der Stadt gehören die Teilnehmer zum ersten Ausbildungsjahr. Der Austausch soll ihnen ermöglichen, Abläufe außerhalb der eigenen Verwaltung kennenzulernen und Unterschiede sowie Gemeinsamkeiten bei der Arbeit in beiden Städten zu erkennen.
Bürgermeister Egbert Geier empfing die zwölf Auszubildenden in Vertretung des Oberbürgermeisters. Begleitet werden die Gäste von Nachwuchskräften der Stadt Halle, die während der Woche als Ansprechpartner und Paten zur Verfügung stehen.
Die wichtigsten Fakten
- Zwölf Auszubildende aus Karlsruhe besuchen Halle.
- Der Austausch findet zum 22. Mal statt.
- Die Teilnehmer arbeiten in verschiedenen Fachbereichen der Verwaltung.
- Hallesche Auszubildende übernehmen die Betreuung als Paten.
- Der Gegenbesuch in Karlsruhe ist für November 2026 geplant.
- Die Städtepartnerschaft besteht seit 39 Jahren.
Programm wird von den Auszubildenden organisiert
Die jeweils gastgebenden Auszubildenden stellen das Programm des Austauschs weitgehend selbst zusammen. Neben den Arbeitseinsätzen in der Stadtverwaltung sind mehrere gemeinsame Freizeit- und Bildungsangebote vorgesehen.
Zum Programm in Halle gehören ein Besuch des Planetariums, eine Führung durch die Stadt und ein Termin in der Gedenkstätte Roter Ochse. Die Teilnehmer erhalten dadurch Einblicke in die Geschichte, Kultur und wissenschaftliche Infrastruktur der Saalestadt.
Im November reisen die halleschen Auszubildenden zum Gegenbesuch nach Karlsruhe. Dort übernehmen die Nachwuchskräfte der baden-württembergischen Stadt die Organisation.
Städtepartnerschaft besteht seit 1987
Halle und Karlsruhe begründeten ihre Städtepartnerschaft 1987. Damals lagen die beiden Städte noch auf unterschiedlichen Seiten der innerdeutschen Grenze. Nach der Wiedervereinigung wurden die Kontakte deutlich ausgebaut.
Karlsruhe unterstützte Halle in den ersten Jahren nach 1990 unter anderem beim Aufbau moderner Verwaltungsstrukturen. Daneben entstanden Kooperationen in den Bereichen Kultur, Feuerwehr, Wissenschaft und bürgerschaftlicher Austausch.
Der regelmäßige Austausch der Auszubildenden gehört heute zu den beständigsten praktischen Projekten der Städtepartnerschaft. Während viele kommunale Partnerschaften vor allem aus offiziellen Delegationsreisen bestehen, arbeiten die jungen Teilnehmer in Halle und Karlsruhe unmittelbar miteinander.
Mehr als ein Besuchsprogramm
Für die Auszubildenden bietet der Aufenthalt einen Einblick in eine andere kommunale Verwaltung. Städte unterscheiden sich etwa bei ihren Zuständigkeiten, internen Arbeitsabläufen, technischen Systemen und der Organisation einzelner Fachbereiche.
Die Teilnehmer lernen zugleich, sich für mehrere Tage in einer unbekannten Arbeitsumgebung zurechtzufinden. Sie müssen Aufgaben mit neuen Kollegen abstimmen und Ergebnisse gemeinsam erarbeiten.
Der Austausch dient damit nicht nur der Pflege der Städtepartnerschaft. Er ist zugleich ein Teil der beruflichen Ausbildung und der persönlichen Entwicklung der Nachwuchskräfte.
Kommunen konkurrieren um qualifizierten Nachwuchs
Städte und Landkreise müssen zunehmend geeignete Bewerber für Verwaltungsberufe gewinnen. Neben klassischen Verwaltungsfachangestellten werden unter anderem Nachwuchskräfte für IT, Sozialwesen, Bauverwaltung und technische Berufe gesucht.
Praktische Zusatzangebote können die Attraktivität einer kommunalen Ausbildung erhöhen. Dazu gehören Exkursionen, Austauschprogramme und Einsätze außerhalb des eigenen Fachbereichs.
Halle hatte bereits in früheren Ausbildungskampagnen mit Entwicklungsmöglichkeiten, Teamarbeit, Heimatnähe und unterschiedlichen Berufsbildern innerhalb der Stadtverwaltung geworben. Die Verwaltung bildet in mehreren Berufen und dualen Studiengängen aus.
Bedeutung für ostdeutsche Verwaltungen
Ostdeutsche Kommunen stehen vielerorts vor einem personellen Generationenwechsel. Erfahrene Mitarbeiter scheiden aus dem Dienst aus, während gleichzeitig Aufgaben in Bereichen wie Digitalisierung, Bauen, Soziales und öffentliche Sicherheit zunehmen.
Die Ausbildung eigener Nachwuchskräfte besitzt daher eine unmittelbare Bedeutung für die Arbeitsfähigkeit der Verwaltungen. Austauschprogramme lösen den Fachkräftebedarf nicht allein, können aber die Ausbildung abwechslungsreicher gestalten und die Bindung an den öffentlichen Dienst stärken.
Für Halle bietet die Zusammenarbeit mit Karlsruhe zudem die Möglichkeit, Erfahrungen aus einer westdeutschen Großstadt in die eigene Ausbildung einzubeziehen. Gleichzeitig lernen die Gäste die Verwaltungsarbeit und die strukturellen Bedingungen einer ostdeutschen Großstadt kennen.
Zusammenarbeit über Ländergrenzen hinweg
Halle und Karlsruhe unterscheiden sich in Größe, regionaler Lage und Verwaltungsstruktur. Beide Städte bearbeiten jedoch vergleichbare kommunale Aufgaben: von Bürgerdiensten und Stadtplanung bis zu Kultur, Sozialleistungen und öffentlicher Infrastruktur.
Der Austausch schafft eine Ebene, auf der Nachwuchskräfte Arbeitsweisen vergleichen können, ohne dass die Begegnung auf Leitungsebenen beschränkt bleibt. Die Auszubildenden erleben, wie Entscheidungen vorbereitet, Akten bearbeitet und kommunale Dienstleistungen organisiert werden.
Nach Angaben der Stadt soll das Programm sowohl die Partnerschaft stärken als auch das Verständnis für die Arbeitsweisen beider Verwaltungen fördern.
Wie es weitergeht
Die Karlsruher Gäste bleiben im Verlauf dieser Woche in Halle und setzen ihre Arbeit in den zugeteilten Fachbereichen fort. Zusätzlich nehmen sie an den geplanten Besichtigungen und gemeinsamen Veranstaltungen teil.
Im November folgt der Gegenbesuch der halleschen Auszubildenden in Karlsruhe. Dann wechseln Gastgeber- und Besucherrolle. Die Karlsruher Nachwuchskräfte organisieren das dortige Arbeits- und Freizeitprogramm.
Mit der 22. Auflage gehört der Azubi-Austausch zu den langfristig etablierten Bestandteilen der Städtepartnerschaft. 2027 jährt sich die Verbindung zwischen Halle und Karlsruhe zum 40. Mal.
Der Austausch bringt zwölf Karlsruher Auszubildende mit Nachwuchskräften der Stadt Halle zusammen. Im Mittelpunkt stehen gemeinsame Aufgaben in der Verwaltung, Einblicke in unterschiedliche Arbeitsweisen und die selbstständige Organisation des Besuchsprogramms.
Das seit 22 Jahren bestehende Projekt verbindet kommunale Ausbildung mit einer Städtepartnerschaft, die noch vor der deutschen Wiedervereinigung begründet wurde. Der Gegenbesuch der halleschen Auszubildenden ist für November 2026 vorgesehen.
Quellen
- Stadt Halle (Saale): „Azubi-Austausch: Bürgermeister begrüßt Auszubildende aus Karlsruhe“, veröffentlicht am 21. Juli 2026.
- Stadt Halle (Saale): Dokumentation der Städtepartnerschaften und Städtefreundschaften, Stand 2022 bis 2026.
- Amtsblatt der Stadt Halle (Saale): Informationen zur kommunalen Ausbildung und zu den Ausbildungsberufen der Stadt.