Das Land Sachsen-Anhalt unterstützt den Ausbau der Barrierefreiheit beim Musikfestival „Rocken am Brocken“ in Elend mit 50.000 Euro. Der stellvertretende Ministerpräsident und Wissenschaftsminister Prof. Dr. Armin Willingmann übergab den Förderbescheid am Montag an Festivalorganisator Markus Blanke. Die 20. Ausgabe des Festivals findet vom 30. Juli bis 1. August 2026 statt.
Mit dem Geld sollen bestehende inklusive Angebote erweitert und neue Maßnahmen umgesetzt werden. Der Veranstalter beteiligt sich mit 5.000 Euro Eigenmitteln an dem Projekt. Ziel ist es, Menschen mit unterschiedlichen Einschränkungen eine möglichst selbstständige Teilnahme am Festival zu ermöglichen.
Barrierearme Wege und Rollstuhltribünen geplant
Zu den vorgesehenen Maßnahmen gehören barrierearme Wege über das Festivalgelände, Rollstuhltribünen vor den Bühnen und ein bühnennaher Campingbereich. Zusätzlich sollen barrierefreie Sanitäranlagen zur Verfügung stehen.
Menschen mit Mobilitätseinschränkungen sollen außerdem einen Hilfsmittelservice nutzen können. Dieser richtet sich insbesondere an Rollstuhlnutzer, die während des Festivals technische Unterstützung oder kleinere Reparaturen benötigen.
Auch die Zugänglichkeit der Konzerte selbst soll verbessert werden. Geplant sind visuell und in Deutscher Gebärdensprache begleitete Auftritte, sogenannte Deaf Performances. Ergänzend soll bei Bedarf Gebärdensprachdolmetschung angeboten werden.
Begleitpersonen erhalten freien Eintritt
Menschen mit einem Schwerbehindertenausweis können unabhängig vom eingetragenen Merkzeichen eine Begleitperson kostenfrei mit auf das Festival nehmen.
Darüber hinaus sind Workshops zur Lebensrealität gehörloser Menschen und zu sogenannten Festivalgebärden vorgesehen. Auch das Festivalteam soll durch Fortbildungen besser auf die Bedürfnisse von Menschen mit Behinderungen vorbereitet werden.
Die Förderung dient damit nicht nur dem Ausbau sichtbarer Infrastruktur. Sie soll zugleich die Abläufe, Kommunikation und Betreuung auf dem Gelände verbessern.
Festival feiert 20-jähriges Bestehen
„Rocken am Brocken“ wird 2026 zum 20. Mal veranstaltet. Das Festival zieht nach Angaben des Landes jährlich mehr als 6.000 Besucher nach Elend im Harz.
Was heute zu den etablierten Musikveranstaltungen Sachsen-Anhalts gehört, begann als studentische Idee. Markus Blanke stellte Willingmann das Konzept vor rund 20 Jahren erstmals vor. Willingmann war damals Rektor der Hochschule Harz.
Die ursprüngliche Idee, das Festival auf dem Hochschulgelände zu veranstalten, ließ sich nicht umsetzen. Das Konzept wurde dennoch weiterverfolgt und fand schließlich in Elend einen dauerhaften Standort.
Von der Studentenidee zum etablierten Festival
Willingmann erinnerte bei der Übergabe des Förderbescheids an die Anfänge des Festivals. Aus seiner Sicht zeigt die Entwicklung, wie aus einer zunächst kleinen Idee eine überregional bekannte Veranstaltung entstehen kann.
Der Festivalstandort Elend liegt im Oberharz am Brocken und gehört zur Stadt Oberharz am Brocken im Landkreis Harz. Das Festival bringt während der Veranstaltung mehrere Tausend Gäste in einen vergleichsweise kleinen Ort.
Für Beherbergungsbetriebe, Gastronomie, Handel und touristische Anbieter in der Umgebung kann die Veranstaltung zusätzliche Nachfrage schaffen. Gleichzeitig müssen Anreise, Sicherheit, Versorgung und Verkehrsführung jedes Jahr neu organisiert werden.
Inklusion als Teil des Festivalkonzepts
„Rocken am Brocken“ versteht sich nach Angaben der Organisatoren nicht ausschließlich als Musikveranstaltung. Auch Nachhaltigkeit, Vielfalt und gesellschaftliche Begegnung gehören zum Konzept.
Die nun geförderten Maßnahmen bauen auf bereits begonnenen Angeboten auf. Barrierefreiheit soll nicht auf einzelne Bereiche beschränkt bleiben, sondern möglichst viele Teile des Festivalbesuchs umfassen.
Dazu gehören die Anreise und Bewegung auf dem Gelände ebenso wie der Zugang zu Bühnen, Campingflächen, Sanitäranlagen und Informationen.
Für gehörlose Menschen ist besonders wichtig, dass Musikauftritte nicht nur akustisch vermittelt werden. Gebärdensprachliche und visuelle Begleitung kann dabei helfen, Rhythmus, Texte und Bühneninhalte zugänglicher zu machen.
Herausforderungen auf einem Festivalgelände
Die Umsetzung barrierefreier Angebote ist bei Open-Air-Veranstaltungen besonders anspruchsvoll. Unebene Böden, Witterung, große Entfernungen und wechselnde Besucherströme können den Zugang erschweren.
Temporäre Veranstaltungsflächen verfügen zudem nicht immer über feste Wege, Aufzüge oder dauerhaft installierte Sanitäranlagen. Viele Lösungen müssen deshalb für wenige Festivaltage aufgebaut, geprüft und anschließend wieder entfernt werden.
Barrierearme Wege benötigen ausreichend feste Oberflächen. Rollstuhltribünen müssen so platziert werden, dass Besucher freie Sicht auf die Bühne haben und das Gelände im Notfall sicher verlassen können.
Auch Campingbereiche stellen besondere Anforderungen. Kurze Wege zu Bühnen und Sanitäranlagen können für Menschen mit Mobilitätseinschränkungen entscheidend sein.
Bedeutung für Kulturveranstaltungen in Sachsen-Anhalt
Die Förderung betrifft zunächst ein einzelnes Festival. Die dort gewonnenen Erfahrungen können jedoch auch für andere Veranstalter in Sachsen-Anhalt von Interesse sein.
Viele Kulturangebote finden in historischen Gebäuden, auf Marktplätzen, Burgen oder Freiflächen statt. Nicht alle Orte lassen sich vollständig barrierefrei gestalten. Dennoch können Veranstalter durch frühzeitige Planung zahlreiche Hindernisse verringern.
Dazu gehören verständliche Informationen vor dem Besuch, geeignete Park- und Anreisemöglichkeiten, barrierearme Wege, erreichbare Sanitäranlagen und geschultes Personal.
Gerade im ländlichen Raum ist die Umsetzung oft schwieriger als in großen Städten. Wege sind länger, der öffentliche Nahverkehr ist schwächer ausgebaut und spezialisierte Dienstleister stehen nicht überall kurzfristig zur Verfügung.
Festival stärkt den Kulturstandort Harz
„Rocken am Brocken“ verbindet Musik, Tourismus und regionale Wirtschaft. Die Veranstaltung bringt junge Besucher in den Harz und erhöht die Aufmerksamkeit für den Festivalort Elend.
Der Landkreis Harz ist vor allem für Naturtourismus, Wandern und Wintersport bekannt. Ein etabliertes Musikfestival erweitert dieses Profil um ein kulturelles Angebot, das eine andere Zielgruppe anspricht.
Die 20. Ausgabe zeigt zugleich, dass das Festival langfristig in der Region verankert ist. Entscheidend für die weitere Entwicklung bleibt, ob Organisation, Finanzierung und Infrastruktur auch bei steigenden Anforderungen tragfähig bleiben.
Öffentliche Förderung und Eigenanteil
Die Landesförderung beträgt 50.000 Euro. Weitere 5.000 Euro bringt der Veranstalter selbst auf.
Damit umfasst das geförderte Vorhaben ein Gesamtvolumen von mindestens 55.000 Euro. Welche Kosten auf die einzelnen Maßnahmen entfallen, wurde in der Mitteilung des Landes nicht näher aufgeschlüsselt.
Öffentliche Kulturförderung ist regelmäßig mit der Frage verbunden, welchen Nutzen ein Projekt für die Allgemeinheit besitzt. Im vorliegenden Fall fließt das Geld gezielt in Maßnahmen, die Menschen mit Behinderungen den Zugang zu einer etablierten Veranstaltung erleichtern sollen.
Die Förderung dient damit weniger dem allgemeinen Festivalbetrieb als dem Ausbau eines konkreten gesellschaftlichen Angebots.
Wie es weitergeht
Bis zum Festivalbeginn bleiben den Organisatoren rund zehn Tage, um die angekündigten Maßnahmen vorzubereiten und auf dem Gelände umzusetzen.
Vom 30. Juli bis 1. August werden mehrere Tausend Besucher in Elend erwartet. Dann wird sich zeigen, wie die neuen Angebote im praktischen Festivalbetrieb funktionieren.
Nach der Veranstaltung dürfte insbesondere ausgewertet werden, wie stark Rollstuhltribünen, Gebärdensprachangebote, Hilfsmittelservice und barrierearme Campingmöglichkeiten genutzt wurden.
Diese Erfahrungen können in die Planung künftiger Ausgaben einfließen und anderen Veranstaltern als Orientierung dienen.
Sachsen-Anhalt unterstützt die 20. Ausgabe von „Rocken am Brocken“ mit 50.000 Euro für zusätzliche barrierefreie Angebote. Der Veranstalter ergänzt die Förderung mit 5.000 Euro Eigenmitteln.
Geplant sind unter anderem barrierearme Wege, Rollstuhltribünen, barrierefreie Sanitäranlagen, ein bühnennaher Campingbereich und gebärdensprachlich begleitete Konzerte.
Damit wird ein seit zwei Jahrzehnten bestehendes Musikfestival im Harz gezielt für Besucher geöffnet, die auf besondere Unterstützung angewiesen sind. Die praktische Umsetzung bei der Veranstaltung vom 30. Juli bis 1. August wird zeigen, welche Angebote sich dauerhaft bewähren.