Mit einem öffentlichen Aktionstag auf dem Marktplatz erinnert die Stadt Halle am Dienstag, 21. Juli 2026, an Menschen, die infolge ihres Drogenkonsums gestorben sind. Beratungsstellen, Suchthilfeeinrichtungen und Angebote der Gesundheitsversorgung stellen ihre Arbeit vor und informieren über Risiken, Prävention und Unterstützungsmöglichkeiten.
Die Veranstaltung findet anlässlich des Internationalen Gedenktages für verstorbene drogengebrauchende Menschen statt. Im Mittelpunkt stehen das Gedenken an die Verstorbenen, der Austausch mit Fachkräften und die Frage, wie drogenbedingte Todesfälle künftig verhindert werden können.
Der Eintritt ist frei. Eingeladen sind Betroffene, Angehörige, Fachkräfte und alle interessierten Einwohner.
„Markt der Möglichkeiten“ stellt Hilfsangebote vor
Kern des Aktionstages ist ein sogenannter Markt der Möglichkeiten. Einrichtungen aus den Bereichen Suchthilfe, Beratung, Prävention und Gesundheitsversorgung präsentieren ihre Angebote auf dem Marktplatz.
Besucher können mit Fachkräften ins Gespräch kommen und sich darüber informieren, welche Unterstützung in Halle zur Verfügung steht.
Dabei geht es sowohl um akute Hilfe als auch um langfristige Begleitung. Suchterkrankungen entwickeln sich häufig über einen längeren Zeitraum und betreffen nicht nur die konsumierenden Menschen selbst. Auch Familien, Partner, Freunde und das soziale Umfeld sind oft stark belastet.
Der Aktionstag soll deshalb nicht allein informieren, sondern auch Hemmschwellen abbauen. Viele Betroffene nehmen Hilfsangebote erst spät in Anspruch, weil sie Angst vor Verurteilung, Ausgrenzung oder rechtlichen Konsequenzen haben.
Erinnerung an Menschen hinter den Zahlen
Drogentote werden in der öffentlichen Diskussion häufig nur als Teil einer Statistik wahrgenommen.
Hinter jedem Todesfall steht jedoch ein Mensch mit einer eigenen Lebensgeschichte, Familie, Freunden und persönlichen Erfahrungen. Der Gedenktag soll diesen Menschen Sichtbarkeit geben.
Zugleich bietet die Veranstaltung Angehörigen und Wegbegleitern einen Ort des Erinnerns. Der Verlust durch eine Suchterkrankung ist häufig mit Schuldgefühlen, offenen Fragen und gesellschaftlicher Stigmatisierung verbunden.
Öffentliches Gedenken kann dazu beitragen, das Thema aus der Tabuzone zu holen.
Fachvorträge zu aktuellen Entwicklungen
Neben den Informationsständen sind mehrere kurze Fachvorträge geplant.
Um 14 Uhr beginnt ein Beitrag zum Thema „Drug Checking – Möglichkeiten und Grenzen der Substanzanalyse“.
Beim Drug Checking werden illegal erworbene Substanzen auf ihre Inhaltsstoffe untersucht. Ziel ist es, gefährliche Beimischungen, unerwartet hohe Wirkstoffkonzentrationen oder andere gesundheitliche Risiken zu erkennen.
Die Analyse kann Konsumenten vor besonders gefährlichen Stoffen warnen. Sie verhindert jedoch nicht grundsätzlich die Risiken des Drogenkonsums. Auch untersuchte Substanzen können schwere gesundheitliche Schäden verursachen.
Cannabis und die Folgen der Teillegalisierung
Um 14.15 Uhr folgt ein Vortrag zur Teillegalisierung von Cannabis und zum aktuellen Stand der Umsetzung.
Die öffentliche Debatte über Cannabis bewegt sich zwischen Gesundheitsschutz, Jugendschutz, Strafrecht und der Frage, wie problematischer Konsum frühzeitig erkannt werden kann.
Für Beratungsstellen ergeben sich daraus neue Aufgaben. Einerseits soll sachlich über Risiken informiert werden, andererseits dürfen Menschen mit Konsumproblemen nicht abgeschreckt oder moralisch verurteilt werden.
Gerade Jugendliche und junge Erwachsene benötigen verständliche und glaubwürdige Informationen.
Synthetische Opioide im Mittelpunkt
Um 14.45 Uhr wird über synthetische Opioide und deren gesundheitliche Risiken informiert.
Diese Substanzen können bereits in sehr kleinen Mengen lebensgefährlich sein. Besonders problematisch ist, dass Konsumenten häufig nicht sicher wissen, welche Stoffe oder Konzentrationen tatsächlich enthalten sind.
Synthetische Opioide können die Atmung stark verlangsamen und innerhalb kurzer Zeit zu Bewusstlosigkeit oder Tod führen.
Für Suchthilfe und Rettungsdienste sind schnelle Warnsysteme und verlässliche Informationen über neue Substanzen deshalb von großer Bedeutung.
Auch niedrigschwellige Beratungsangebote können helfen, gefährdete Menschen frühzeitig zu erreichen.
Zahlen, Erfahrungen und Gespräche mit Betroffenen
Um 15 Uhr stehen Zahlen und Fakten zu Suchterkrankungen sowie ein Gespräch mit Betroffenen auf dem Programm.
Persönliche Berichte können verdeutlichen, wie unterschiedlich Wege in eine Abhängigkeit verlaufen. Ebenso verschieden sind die Voraussetzungen für einen Ausstieg oder einen kontrollierteren Umgang mit Risiken.
Suchterkrankungen lassen sich nicht auf mangelnde Disziplin oder persönliche Schwäche reduzieren. Psychische Belastungen, soziale Probleme, Armut, Wohnungsverlust, Gewalterfahrungen und gesundheitliche Erkrankungen können den Konsum beeinflussen.
Gleichzeitig braucht jede erfolgreiche Unterstützung die Bereitschaft des Betroffenen, Hilfe anzunehmen. Diese Bereitschaft kann jedoch nur wachsen, wenn Angebote erreichbar und vertrauenswürdig sind.
Aids-Hilfe schildert ihre Erfahrungen
Um 16 Uhr folgt ein Beitrag zum aktuellen Stand aus Sicht der Aids-Hilfe Halle.
Aids-Hilfen beschäftigen sich nicht nur mit HIV und sexuell übertragbaren Infektionen. Sie sind vielerorts auch in der Drogenhilfe, Prävention und Gesundheitsberatung aktiv.
Besonders beim intravenösen Drogenkonsum bestehen Risiken durch gemeinsam benutzte Spritzen und unzureichend hygienische Bedingungen.
Saubere Konsumutensilien, medizinische Beratung und Tests können Infektionen verhindern. Gleichzeitig ermöglichen solche Angebote einen ersten Kontakt zu Menschen, die andere Hilfssysteme kaum noch erreichen.
Entstigmatisierung als wichtiges Ziel
Die Stadt Halle will mit dem Aktionstag Vorurteile gegenüber Menschen mit Suchterkrankungen abbauen.
Stigmatisierung kann dazu führen, dass Betroffene ihre Probleme verbergen, medizinische Hilfe meiden oder Beratungsangebote nicht nutzen.
Auch Angehörige erleben häufig Ausgrenzung. Sie müssen sich nicht selten gegen den Vorwurf verteidigen, nicht ausreichend geholfen oder das Verhalten des Betroffenen unterstützt zu haben.
Suchterkrankungen sind komplex. Sie benötigen medizinische, psychologische und soziale Unterstützung.
Entstigmatisierung bedeutet dabei nicht, die Folgen des Drogenkonsums zu verharmlosen. Vielmehr geht es darum, Betroffene als Menschen wahrzunehmen und ihnen den Zugang zu Hilfe zu ermöglichen.
Hilfsangebote müssen erreichbar bleiben
Ein wirksames Hilfesystem benötigt unterschiedliche Zugänge.
Nicht jeder Betroffene beginnt sofort eine Entzugstherapie. Manche benötigen zunächst medizinische Versorgung, eine sichere Unterkunft, Beratung oder Unterstützung bei Behördenangelegenheiten.
Niedrigschwellige Angebote können den ersten Kontakt ermöglichen. Sie akzeptieren, dass Veränderungen häufig schrittweise erfolgen.
Beratungsstellen, Streetwork, medizinische Einrichtungen, Selbsthilfegruppen und stationäre Therapieangebote übernehmen dabei unterschiedliche Aufgaben.
Entscheidend ist, dass Betroffene nicht zwischen Zuständigkeiten verloren gehen.
Drogenpolitik zwischen Prävention und konkreter Hilfe
Die Verhinderung drogenbedingter Todesfälle erfordert mehr als Warnungen vor Drogen.
Prävention muss frühzeitig ansetzen und Kinder sowie Jugendliche altersgerecht über Risiken informieren. Gleichzeitig braucht es Angebote für Menschen, die bereits abhängig sind.
Dazu gehören medizinische Behandlung, psychosoziale Beratung, Substitution, Wohnhilfen und Unterstützung bei der Rückkehr in ein geregeltes Leben.
Auch Polizei, Ordnungsbehörden und Justiz spielen eine Rolle. Repression allein kann eine Suchterkrankung jedoch nicht behandeln.
Der Aktionstag in Halle setzt deshalb auf Aufklärung, Begegnung und die Zusammenarbeit verschiedener Einrichtungen.
Organisation durch mehrere Partner
Veranstalter des Aktionstages ist die Stadt Halle.
Die Vorbereitung erfolgte gemeinsam durch die Koordinatorin des Präventionsrates, das SCHIRM-Projekt und die Drogenberatungsstelle drobs Halle.
Diese Zusammenarbeit soll verschiedene Perspektiven zusammenbringen. Kommunale Verwaltung, Suchthilfe und soziale Arbeit erleben häufig unterschiedliche Seiten der Problematik.
Durch gemeinsame Veranstaltungen können Angebote besser vernetzt und Lücken im Hilfesystem sichtbarer gemacht werden.
Öffentlicher Raum als Ort der Aufklärung
Mit dem Marktplatz hat die Stadt bewusst einen zentralen und gut erreichbaren Veranstaltungsort gewählt.
Das Thema Suchterkrankung wird damit nicht in einen geschlossenen Fachraum verlegt, sondern in die Mitte der Stadtgesellschaft getragen.
Passanten können stehen bleiben, Informationsmaterial mitnehmen oder spontan ein Gespräch beginnen.
Diese Sichtbarkeit kann helfen, Berührungsängste abzubauen. Gleichzeitig muss die Privatsphäre von Betroffenen geschützt bleiben. Niemand sollte öffentlich als suchtkrank erkennbar gemacht oder zu persönlichen Aussagen gedrängt werden.
Bedeutung für Angehörige
Angehörige spielen in der Suchthilfe eine wichtige Rolle, benötigen jedoch häufig selbst Unterstützung.
Sie erleben Rückfälle, finanzielle Probleme, Konflikte und gesundheitliche Krisen. Viele schwanken zwischen dem Wunsch zu helfen und der Notwendigkeit, eigene Grenzen zu setzen.
Beratungsstellen können Angehörigen helfen, mit dieser Belastung umzugehen und Unterstützungsverhalten von ungewollter Mitwirkung an der Abhängigkeit zu unterscheiden.
Der Gedenktag bietet auch ihnen die Möglichkeit, sich zu informieren und mit Fachleuten in Kontakt zu treten.
Halle verbindet das Gedenken an verstorbene Drogenabhängige mit konkreter Information über bestehende Hilfsangebote.
Auf dem Marktplatz stellen sich Einrichtungen aus Suchthilfe, Beratung und Gesundheitsversorgung vor. Fachvorträge behandeln Drug Checking, Cannabis, synthetische Opioide und aktuelle Entwicklungen bei Suchterkrankungen.
Ziel ist es, Wissen zu vermitteln, Vorurteile abzubauen und weitere drogenbedingte Todesfälle zu verhindern.
Der kostenfreie Aktionstag am 21. Juli 2026 macht zugleich deutlich: Suchterkrankungen sind kein Randthema. Sie betreffen Menschen, Familien und die gesamte Stadtgesellschaft.
Veranstaltungsinformationen
Termin: Dienstag, 21. Juli 2026
Ort: Marktplatz Halle (Saale)
Eintritt: kostenfrei
Veranstalter: Stadt Halle (Saale)
Mitwirkende: Präventionsrat, SCHIRM-Projekt, drobs Halle sowie weitere Einrichtungen aus Suchthilfe und Gesundheitsversorgung
Quelle
Stadt Halle (Saale): Mitteilung zum Aktionstag anlässlich des Internationalen Gedenktages für verstorbene drogengebrauchende Menschen, veröffentlicht im Juli 2026.