In Berlin sind im Jahr 2025 insgesamt 300 mit Drogen assoziierte Todesfälle registriert worden. Damit ist auch die Zahl der Todesfälle gemessen an der Einwohnerzahl leicht gestiegen. Während 2024 noch 7,6 Todesfälle je 100.000 Einwohner verzeichnet wurden, waren es 2025 nach Angaben der Gesundheitsverwaltung 7,7.

Anlässlich des Internationalen Gedenktages für verstorbene Drogengebrauchende macht der Berliner Senat auf die anhaltend hohe Zahl vermeidbarer Todesfälle aufmerksam. Prävention, Suchthilfe, medizinische Versorgung und Maßnahmen zur Schadensminderung sollen weiter ausgebaut und enger miteinander verbunden werden.

Gesundheitssenatorin Ina Czyborra erklärte, jeder mit Drogen assoziierte Todesfall sei einer zu viel. Der Zugang zu illegalen Substanzen sei gleichzeitig leichter geworden. Ziel der Berliner Gesundheitspolitik sei es deshalb, gefährdete Menschen frühzeitig zu erreichen und Leben zu retten.

Todesfälle steigen trotz wachsender Hilfsangebote

Die Zahl von 300 Todesfällen zeigt, dass Drogenkonsum in Berlin weiterhin erhebliche gesundheitliche und soziale Folgen hat.

Dabei handelt es sich nicht ausschließlich um Todesfälle durch eine unmittelbare Überdosierung. Der Begriff „mit Drogen assoziierte Todesfälle“ kann auch Fälle umfassen, bei denen langfristige gesundheitliche Folgen, Mischkonsum oder Begleiterkrankungen eine Rolle spielen.

Hinter jedem Fall steht ein Mensch mit einer individuellen Geschichte. Viele Betroffene leben bereits seit Jahren mit gesundheitlichen, psychischen oder sozialen Belastungen.

Wohnungslosigkeit, Armut, Einsamkeit, psychische Erkrankungen oder fehlende medizinische Versorgung können die Risiken zusätzlich erhöhen.

Leichterer Zugang zu illegalen Substanzen

Nach Einschätzung der Berliner Gesundheitsverwaltung hat sich die Verfügbarkeit von Drogen verändert.

Substanzen gelangen aus internationalen Anbaugebieten und Produktionsstätten ebenso in die Hauptstadt wie aus illegalen Laboren in Deutschland und den angrenzenden Regionen.

Gleichzeitig verändert sich die Zusammensetzung der auf dem Schwarzmarkt angebotenen Mittel. Konsumenten wissen häufig nicht, welche Wirkstoffe tatsächlich enthalten sind oder wie hoch deren Konzentration ist.

Diese Unsicherheit erhöht insbesondere bei Mischkonsum und hochpotenten synthetischen Stoffen die Gefahr schwerer Vergiftungen.

Berlin setzt auf niedrigschwellige Suchthilfe

Nicht alle Menschen mit einer Suchterkrankung können oder wollen ihren Konsum unmittelbar beenden.

Der Senat verfolgt deshalb einen Ansatz, der Abstinenz nicht zur Voraussetzung für jede Form von Unterstützung macht. Niedrigschwellige Angebote sollen Betroffene auch dann erreichen, wenn sie noch keine Therapie beginnen möchten.

Ziel ist es zunächst, akute Gesundheitsgefahren zu verringern, Überdosierungen zu verhindern und einen Kontakt zum Hilfesystem herzustellen.

Zu den Maßnahmen gehören:

  • Beratungsstellen,
  • aufsuchende Sozialarbeit,
  • Drogenkonsumräume,
  • Drug Checking,
  • medizinische Versorgung,
  • Naloxon-Schulungen,
  • Vermittlung in Entzug und Therapie,
  • psychosoziale Hilfen.

Diese Angebote sollen ineinandergreifen und Betroffenen unterschiedliche Wege in weiterführende Unterstützung eröffnen.

Drug Checking soll Risiken sichtbar machen

Ein wichtiger Bestandteil der Berliner Strategie ist das Drug Checking.

Dabei können Konsumenten Substanzen auf ihre Zusammensetzung und Wirkstoffkonzentration untersuchen lassen. Die Analyse kann zeigen, ob unerwartete oder besonders gefährliche Stoffe enthalten sind.

Drug Checking macht den Konsum nicht risikofrei. Es kann jedoch dazu beitragen, Vergiftungen durch unbekannte Inhaltsstoffe oder außergewöhnlich hohe Dosierungen zu vermeiden.

Zusätzlich entstehen durch die Untersuchungen Erkenntnisse über Veränderungen auf dem illegalen Drogenmarkt.

Werden neue oder besonders gefährliche Substanzen entdeckt, können Beratungsstellen und Behörden Warnungen veröffentlichen.

Beratung gehört zur Analyse

Drug Checking besteht nicht nur aus einer Laboruntersuchung.

Die Abgabe und Auswertung der Probe ist mit einem Beratungsgespräch verbunden. Dabei können Konsummuster, gesundheitliche Risiken und Möglichkeiten zur Verringerung von Schäden angesprochen werden.

Für manche Betroffene ist dies der erste direkte Kontakt zu einer Suchthilfeeinrichtung.

Gerade Menschen, die klassische Beratungsstellen bislang meiden, können auf diesem Weg erreicht werden.

Naloxon kann bei Überdosierungen Leben retten

Berlin baut außerdem die Versorgung mit Naloxon aus.

Naloxon ist ein Medikament, das die Wirkung von Opioiden für kurze Zeit aufheben kann. Bei einer Überdosierung kann es die Atmung wiederherstellen und wertvolle Zeit bis zum Eintreffen des Rettungsdienstes schaffen.

Im Rahmen eines Modellprojekts sollen mehr gefährdete Menschen, Angehörige und Personen aus dem unmittelbaren Umfeld Zugang zu dem Notfallmedikament erhalten.

Entscheidend ist dabei nicht nur die Ausgabe des Präparats. Die Beteiligten müssen auch erkennen können, wann eine Opioidüberdosierung vorliegt und wie Naloxon richtig angewendet wird.

Der Notruf bleibt trotz des Einsatzes von Naloxon notwendig, da die Wirkung des Medikaments kürzer anhalten kann als die des konsumierten Opioids.

Drogenkonsumräume werden weiterentwickelt

Auch die Drogenkonsumräume spielen in der Berliner Strategie eine zentrale Rolle.

In diesen Einrichtungen können mitgebrachte Substanzen unter hygienischeren Bedingungen und unter Aufsicht konsumiert werden. Fachkräfte können bei medizinischen Notfällen sofort eingreifen.

Zudem erhalten Nutzer Zugang zu Beratung, Wundversorgung, Infektionsschutz und weiterführenden Hilfen.

Berlin hat nach Angaben der Gesundheitsverwaltung die Drogenkonsumraumverordnung überarbeitet. Dadurch sollen Zugänge erleichtert und bestehende Nutzungsbarrieren reduziert werden.

Kein Ersatz für Behandlung

Drogenkonsumräume lösen eine Suchterkrankung nicht. Sie können jedoch Todesfälle verhindern und gesundheitliche Schäden verringern.

Gleichzeitig schaffen sie Kontaktmöglichkeiten zu Menschen, die von regulären medizinischen oder sozialen Angeboten kaum noch erreicht werden.

Aus diesem Kontakt kann später die Vermittlung in eine Substitutionsbehandlung, einen Entzug, eine Therapie oder eine Wohnhilfe entstehen.

Der niedrigschwellige Ansatz versteht sich damit nicht als Gegensatz zur Behandlung, sondern als mögliche Brücke dorthin.

Sorge vor synthetischen Opioiden

Besondere Aufmerksamkeit richtet Berlin auf hochpotente synthetische Opioide.

Diese Stoffe können bereits in äußerst kleinen Mengen schwere Atemdepressionen und tödliche Überdosierungen verursachen. Gefährlich wird es vor allem dann, wenn sie anderen Substanzen beigemischt werden, ohne dass die Konsumenten davon wissen.

Der Senat hat deshalb einen Runden Tisch zu synthetischen Opioiden eingerichtet.

Daran beteiligt sind Akteure aus:

  • Suchthilfe,
  • Gesundheitswesen,
  • Rettungsdienst,
  • Wissenschaft,
  • Sicherheitsbehörden.

Ziel ist es, neue Gefahren frühzeitig zu erkennen, Informationen auszutauschen und geeignete Maßnahmen abzustimmen.

Frühwarnsysteme sollen schneller reagieren

Berlin baut seine Monitoring- und Frühwarnstrukturen weiter aus.

Daten aus Drug Checking, Rettungsdiensten, Kliniken, Beratungsstellen und Sicherheitsbehörden können Hinweise auf neue Substanzen oder ungewöhnliche Häufungen von Überdosierungen liefern.

Je schneller solche Entwicklungen erkannt werden, desto früher können Warnungen verbreitet und Hilfsangebote angepasst werden.

Die Hauptstadt beteiligt sich außerdem am bundesweiten Projekt „so-par“. Die Abkürzung steht für „Synthetic Opioids – Prepare and Respond“.

Das Projekt soll Behörden und Hilfesysteme darauf vorbereiten, dass hochpotente synthetische Opioide künftig eine größere Rolle auf dem deutschen Drogenmarkt spielen könnten.

Internationale Entwicklungen im Blick

In mehreren Ländern haben synthetische Opioide bereits zu einem massiven Anstieg tödlicher Überdosierungen geführt.

Berlin will vermeiden, auf eine vergleichbare Entwicklung erst dann zu reagieren, wenn sich die Substanzen bereits weit verbreitet haben.

Dazu gehört neben der Beobachtung des Marktes auch die Vorbereitung von Rettungsdiensten, Kliniken und Suchthilfeeinrichtungen.

Naloxonbestände, Warnwege und Schulungen müssen im Ernstfall schnell ausgeweitet werden können.

Prävention muss früher beginnen

Neben der Hilfe für bereits konsumierende Menschen bleibt Prävention ein zentraler Bestandteil der Strategie.

Kinder, Jugendliche und junge Erwachsene sollen frühzeitig und glaubwürdig über gesundheitliche Risiken informiert werden.

Reine Abschreckung erreicht dabei häufig nur einen begrenzten Teil der Zielgruppe. Prävention muss realistisch über Wirkungen, Risiken, Mischkonsum und psychische Folgen aufklären.

Ebenso wichtig ist es, Ursachen problematischen Konsums zu berücksichtigen.

Dazu gehören unter anderem:

  • psychische Belastungen,
  • fehlende Zukunftsperspektiven,
  • Gewalterfahrungen,
  • soziale Isolation,
  • Schulprobleme,
  • Obdachlosigkeit,
  • familiäre Konflikte.

Eine nachhaltige Drogenprävention ist deshalb immer auch Sozial-, Jugend-, Bildungs- und Gesundheitspolitik.

Suchthilfe steht unter hohem Druck

Die steigende Zahl drogenassoziierter Todesfälle erhöht den Druck auf die Berliner Hilfesysteme.

Beratungsstellen müssen mit sehr unterschiedlichen Zielgruppen arbeiten. Einige Betroffene benötigen kurzfristig medizinische Hilfe, andere eine langfristige Therapie oder Unterstützung bei Wohnungssuche, Schulden und Behördenangelegenheiten.

Fachkräfte müssen zudem auf neue Substanzen und veränderte Konsummuster reagieren.

Das erfordert ausreichend Personal, stabile Finanzierungen und eine gute Zusammenarbeit zwischen Senat, Bezirken, freien Trägern und medizinischen Einrichtungen.

Projektbezogene oder kurzfristige Förderungen erschweren dagegen den Aufbau dauerhafter Strukturen.

Hilfe darf nicht an Zuständigkeiten scheitern

Menschen mit Suchterkrankungen haben häufig mehrere Probleme gleichzeitig.

Neben der Abhängigkeit bestehen teilweise psychische Erkrankungen, körperliche Beschwerden, Wohnungslosigkeit oder ungeklärte Leistungsansprüche.

Werden diese Themen getrennt voneinander bearbeitet, drohen Betroffene zwischen verschiedenen Einrichtungen verloren zu gehen.

Der von Berlin angekündigte ganzheitliche Ansatz muss deshalb auch in der Praxis für verbindliche Übergänge zwischen Suchthilfe, Psychiatrie, Sozialdiensten und medizinischer Versorgung sorgen.

Gedenktag erinnert an persönliche Schicksale

Der Internationale Gedenktag für verstorbene Drogengebrauchende ist nicht nur ein gesundheitspolitischer Anlass.

Er erinnert an Menschen, deren Leben häufig von Krankheit, Ausgrenzung und langjährigen Belastungen geprägt war.

Auch Angehörige und Freunde leiden unter dem Verlust. Viele erleben zusätzlich gesellschaftliche Vorwürfe oder Schuldzuweisungen.

Öffentliches Gedenken kann helfen, Suchterkrankungen aus der Tabuzone zu holen und die Betroffenen nicht auf ihren Konsum zu reduzieren.

Entstigmatisierung bedeutet dabei nicht, Drogenkonsum zu verharmlosen. Sie soll vielmehr verhindern, dass Menschen aus Angst vor Ausgrenzung notwendige Hilfe meiden.

Mit 300 registrierten Fällen blieb die Zahl der mit Drogen assoziierten Todesfälle in Berlin auch 2025 auf einem alarmierenden Niveau. Bezogen auf die Einwohnerzahl stieg die Quote von 7,6 auf 7,7 Todesfälle je 100.000 Menschen.

Der Senat setzt auf ein Bündel aus Prävention, Beratung, Behandlung und Schadensminderung. Drug Checking, Naloxon, Drogenkonsumräume und neue Frühwarnstrukturen sollen Betroffene früher erreichen und tödliche Überdosierungen verhindern.

Besondere Aufmerksamkeit gilt synthetischen Opioiden, deren hohe Wirkstärke das Risiko dramatisch erhöhen kann.

Ob die Maßnahmen die Zahl der Todesfälle senken, wird davon abhängen, ob Hilfsangebote ausreichend finanziert, leicht erreichbar und dauerhaft miteinander vernetzt werden. Hinter jeder Zahl steht ein Mensch, der möglicherweise hätte erreicht und gerettet werden können.

Quelle

Senatsverwaltung für Wissenschaft, Gesundheit und Pflege Berlin: Mitteilung zum Internationalen Gedenktag für verstorbene Drogengebrauchende 2026 und zu den mit Drogen assoziierten Todesfällen in Berlin.