Der Berliner Bezirk Spandau will seine Ernährungsstrategie „Spandau isst gut und gesund“ weiterentwickeln. Das Bezirksamt hat beschlossen, die bisherigen Maßnahmen fortzuführen und gemeinsam mit Kitas, Schulen, Familienzentren, sozialen Einrichtungen und weiteren Partnern neue Ziele bis Ende 2029 festzulegen.

Spandau gehört zu den Modellbezirken der Berliner Ernährungsstrategie. Der Bezirk soll damit erproben, wie gesunde, nachhaltige und bezahlbare Ernährung stärker im Alltag von Kindern, Familien und älteren Menschen verankert werden kann.

Hoher Handlungsbedarf bei Kindern und Erwachsenen

Nach Angaben des Bezirksamtes sind 14,5 Prozent der Kinder bei der Einschulungsuntersuchung übergewichtig. Bei den Erwachsenen betrifft dies inzwischen mehr als die Hälfte.

Auch die Zahngesundheit bereitet Sorgen. Bei 16,6 Prozent der Dreijährigen wurde behandlungsbedürftige Karies festgestellt.

Die Zahlen zeigen nach Einschätzung des Bezirks, dass Ernährung, Bewegung, Bildung und soziale Lage eng miteinander verbunden sind. Familien mit geringem Einkommen haben häufig weniger Möglichkeiten, regelmäßig frische und ausgewogene Lebensmittel zu kaufen oder entsprechende Angebote wahrzunehmen.

Bezirksstadträtin Tanja Franzke betonte, gesunde Ernährung dürfe nicht vom Geldbeutel, der sozialen Herkunft oder dem Wohnort abhängen. Ziel sei es, die Bedingungen für gesundes Aufwachsen, Leben und Älterwerden in Spandau zu verbessern.

Angebote sollen näher an den Alltag der Menschen rücken

Die Ernährungsstrategie setzt deshalb nicht allein auf Informationsbroschüren oder einzelne Veranstaltungen. Gesunde Ernährung soll dort vermittelt und praktisch umgesetzt werden, wo Menschen ihren Alltag verbringen.

Dazu gehören insbesondere:

  • Kindertagesstätten,
  • Schulen,
  • Familien- und Stadtteilzentren,
  • soziale Einrichtungen,
  • Einrichtungen des Gesundheitswesens,
  • kommunale Beratungsstellen.

Die beteiligten Einrichtungen sollen bestehende Angebote besser miteinander verknüpfen und neue Projekte entwickeln.

Ernährungscoaches unterstützen Einrichtungen

Ein zentraler Bestandteil der bisherigen Arbeit sind Ernährungscoaches des Vereins Restlos Glücklich. Sie unterstützen Kitas, Schulen und andere Einrichtungen dabei, gesundes und nachhaltiges Essen dauerhaft in den Alltag einzubauen.

Dabei geht es nicht nur um einzelne Kochaktionen. Die Einrichtungen sollen ihre Abläufe, Speiseangebote und Bildungsarbeit langfristig weiterentwickeln.

Mögliche Themen sind der Umgang mit Lebensmitteln, ausgewogene Mahlzeiten, Lebensmittelverschwendung und die Frage, wie Kinder früh an unterschiedliche Geschmäcker und frische Produkte herangeführt werden können.

Die Coaches sollen zugleich Mitarbeitende unterstützen, damit gesundheitsfördernde Ernährung nicht allein von einzelnen engagierten Personen abhängt.

Verwaltung und lokale Initiativen arbeiten zusammen

Die Strategie verbindet verschiedene Fachbereiche des Bezirksamtes mit Gesundheitsdiensten, Bildungseinrichtungen und lokalen Initiativen.

Damit soll verhindert werden, dass ähnliche Projekte nebeneinander arbeiten, ohne voneinander zu wissen. Angebote können gemeinsam geplant, Erfahrungen ausgetauscht und Zielgruppen gezielter erreicht werden.

Gerade in einem großen und sozial unterschiedlich geprägten Bezirk wie Spandau sind lokale Lösungen wichtig. Die Voraussetzungen unterscheiden sich zwischen dicht bebauten Quartieren, Großsiedlungen und eher kleinstädtisch oder ländlich geprägten Ortsteilen.

Spandau übernimmt Rolle als Modellbezirk

Spandau zählt zu den Bezirken, die die Berliner Ernährungsstrategie praktisch erproben und weiterentwickeln.

Justiz- und Verbraucherschutzsenatorin Felor Badenberg bezeichnete Spandau als ersten Berliner Bezirk, der seine eigene Ernährungsstrategie fortschreibt. Der Bezirk übernehme damit eine Vorreiterrolle.

Das Land Berlin unterstützt die Bezirke dabei, eigene Ansätze zu entwickeln, bestehende Angebote zu vernetzen und erfolgreiche Projekte auszubauen.

Die übergeordnete Berliner Strategie verfolgt das Ziel, allen Einwohnern den Zugang zu einer gesundheitsfördernden Ernährung zu erleichtern.

Gesunde Ernährung bleibt auch eine soziale Frage

Der Zugang zu gesunden Lebensmitteln ist nicht in allen Haushalten gleich.

Frisches Obst, Gemüse, hochwertige Grundnahrungsmittel und eine abwechslungsreiche Ernährung können das Haushaltsbudget stärker belasten als stark verarbeitete oder besonders günstige Lebensmittel.

Hinzu kommen Zeitmangel, fehlende Kochmöglichkeiten, mangelnde Ernährungskenntnisse oder Sprachbarrieren.

Eine kommunale Ernährungsstrategie kann die Preisentwicklung im Lebensmittelhandel nicht verändern. Sie kann jedoch dafür sorgen, dass Beratung, Bildungsangebote und praktische Unterstützung leichter erreichbar sind.

Besonders wichtig ist dabei, Angebote nicht belehrend zu gestalten. Familien benötigen Lösungen, die sich mit ihrem Alltag, ihrem Einkommen und ihren kulturellen Gewohnheiten vereinbaren lassen.

Kitas und Schulen haben besondere Bedeutung

Kinder verbringen einen großen Teil ihres Tages in Kitas und Schulen. Die dort angebotenen Mahlzeiten prägen deshalb nicht nur die tägliche Versorgung, sondern auch langfristige Gewohnheiten.

Ein ausgewogenes Angebot kann Kindern Lebensmittel näherbringen, die zu Hause möglicherweise seltener auf dem Tisch stehen.

Gleichzeitig sind Einrichtungen mit steigenden Lebensmittelpreisen, Personalmangel und unterschiedlichen Qualitätsstandards konfrontiert.

Die Ernährungsstrategie muss daher berücksichtigen, dass gesunde Verpflegung auch finanziert, zubereitet und organisatorisch abgesichert werden muss.

Zahngesundheit soll stärker berücksichtigt werden

Der hohe Anteil behandlungsbedürftiger Karies bei Dreijährigen zeigt, dass Ernährung und Zahngesundheit früh zusammengedacht werden müssen.

Zuckerhaltige Getränke und Lebensmittel können bereits im Kleinkindalter erhebliche Schäden verursachen. Gleichzeitig benötigen Eltern verständliche Informationen zur Zahnpflege und zu Vorsorgeuntersuchungen.

Kitas, Familienzentren, Kinderärzte und Zahnärzte können hierbei enger zusammenarbeiten.

Die Strategie bietet die Möglichkeit, bestehende Präventionsangebote stärker miteinander zu verbinden und Familien frühzeitig zu erreichen.

Fortschreibung soll noch 2026 beginnen

Die inhaltliche Überarbeitung der Ernährungsstrategie ist für 2026 vorgesehen.

Gemeinsam mit den beteiligten Fachbereichen und Partnern sollen die bisherigen Maßnahmen ausgewertet und neue Ziele für die kommenden Jahre formuliert werden.

Der neue Handlungsrahmen soll bis Ende 2029 reichen. Dabei sollen aktuelle gesundheitliche und soziale Herausforderungen ebenso berücksichtigt werden wie Erfahrungen aus den bisherigen Projekten.

Noch nicht veröffentlicht wurde, welche zusätzlichen Maßnahmen konkret geplant sind und welche finanziellen Mittel dafür zur Verfügung stehen.

Erfolg muss messbar werden

Damit die Strategie mehr als eine Sammlung guter Absichten bleibt, müssen Ziele und Ergebnisse nachvollziehbar überprüft werden.

Dazu gehören beispielsweise:

  • die Zahl beteiligter Einrichtungen,
  • die Reichweite von Beratungsangeboten,
  • Verbesserungen bei der Verpflegung,
  • die Teilnahme von Familien,
  • langfristige Entwicklungen bei Übergewicht und Zahngesundheit.

Gesundheitliche Veränderungen lassen sich allerdings nicht innerhalb weniger Monate erreichen. Viele Faktoren wirken zusammen, darunter Einkommen, Bildung, Wohnumfeld, Bewegung und medizinische Versorgung.

Die Auswertung sollte deshalb sowohl kurzfristige Projektergebnisse als auch langfristige Gesundheitsdaten berücksichtigen.

Spandau führt seine Ernährungsstrategie fort und will die bisherigen Projekte bis Ende 2029 weiterentwickeln.

Der Bezirk reagiert damit auf konkrete gesundheitliche Probleme: 14,5 Prozent der Kinder sind bei der Einschulung übergewichtig, mehr als die Hälfte der Erwachsenen ebenfalls. Bei 16,6 Prozent der Dreijährigen wurde behandlungsbedürftige Karies festgestellt.

Kitas, Schulen, Familienzentren, Verwaltung und lokale Initiativen sollen künftig noch enger zusammenarbeiten. Entscheidend wird sein, ob gesunde Ernährung tatsächlich leichter zugänglich wird und die Angebote auch Familien erreichen, die bislang nur selten von Präventionsprogrammen profitieren.