Mecklenburg-Vorpommern hat einen neuen Meilenstein bei der Anerkennung ehrenamtlicher Arbeit erreicht. Seit Einführung der landesweiten Ehrenamtskarte im Jahr 2020 wurden inzwischen 15.000 Exemplare ausgegeben. Die Jubiläumskarte ging an Mario Kuntzsch aus Hinrichshagen in der Mecklenburgischen Seenplatte.
Kuntzsch gehört zu einer zehnköpfigen Gruppe, die sich seit vielen Jahren um die Pflege und Gestaltung des örtlichen Dorfplatzes samt Radlerrast kümmert. Nominiert wurde er durch die Bürgermeisterin des Ortes.
Sozialministerin Stefanie Drese bezeichnete die Ausgabe der 15.000. Karte als sichtbares Zeichen für den großen Einsatz vieler Menschen im Land.
Engagement für Dorfplatz und Radlerrast
Mario Kuntzsch und seine Mitstreiter sorgen dafür, dass der Dorfmittelpunkt gepflegt bleibt und Einwohner sowie durchreisende Radfahrer einen ansprechenden Rastplatz vorfinden.
Das Beispiel zeigt, dass ehrenamtliche Arbeit nicht ausschließlich in großen Vereinen oder Hilfsorganisationen stattfindet. Auch die regelmäßige Pflege gemeinschaftlich genutzter Flächen trägt zur Lebensqualität eines Ortes bei.
Gerade in kleinen Gemeinden übernehmen Einwohner häufig Aufgaben, die ohne ihren freiwilligen Einsatz kaum oder nur eingeschränkt erledigt werden könnten. Sie kümmern sich um Treffpunkte, organisieren Veranstaltungen, pflegen Grünanlagen oder halten kulturelle und soziale Angebote am Leben.
Karte steht für besonderes Engagement
Die Ehrenamtskarte Mecklenburg-Vorpommern wurde im August 2020 eingeführt. Sie ist ein gemeinsames Anerkennungsangebot des Landes und der Stiftung für Ehrenamt und bürgerschaftliches Engagement. Karteninhaber erhalten bei zahlreichen teilnehmenden Einrichtungen und Unternehmen Vergünstigungen.
Nach Ansicht von Sozialministerin Drese steht jede ausgegebene Karte für einen Menschen, der sich dauerhaft und in besonderem Umfang für andere einsetzt.
Das Spektrum reicht von Sport- und Kulturvereinen über soziale Treffpunkte bis zu Freiwilligen Feuerwehren. Viele dieser Angebote könnten ohne ehrenamtliche Helfer nicht aufrechterhalten werden.
Anerkennung soll im Alltag spürbar sein
Mit der Ehrenamtskarte will das Land freiwilliges Engagement nicht nur durch Urkunden oder öffentliche Worte würdigen. Die Anerkennung soll auch im Alltag einen konkreten Nutzen haben.
Akzeptanzstellen gewähren Karteninhabern beispielsweise Ermäßigungen bei Freizeit-, Kultur- und Bildungsangeboten oder besondere Konditionen bei Dienstleistungen. Welche Vergünstigungen verfügbar sind, unterscheidet sich je nach Region und teilnehmendem Partner.
Das Netzwerk soll nach Angaben des Landes weiter ausgebaut werden. Je mehr Einrichtungen, Kommunen und Unternehmen teilnehmen, desto attraktiver wird die Karte für die ausgezeichneten Ehrenamtlichen.
Vom Dorfverein bis zur Feuerwehr
Ehrenamtliches Engagement erfüllt in Mecklenburg-Vorpommern zahlreiche Aufgaben.
In dünn besiedelten Regionen organisieren Freiwillige nicht nur Sport, Kultur und Feste. Sie sichern teilweise auch Brandschutz, Katastrophenhilfe, Jugendarbeit und soziale Unterstützung.
Andere kümmern sich um Dorfplätze, Wanderwege, Heimatstuben, Kirchen, Tierheime oder Nachbarschaftsangebote. Gerade in kleineren Orten entstehen dadurch Räume, an denen Menschen zusammenkommen und Gemeinschaft erleben können.
Die Arbeit von Mario Kuntzsch und seiner Gruppe steht beispielhaft für diese Form des örtlichen Engagements. Die Wirkung zeigt sich unmittelbar vor der eigenen Haustür.
Ehrenamt stärkt den ländlichen Raum
In Mecklenburg-Vorpommern leben viele Menschen außerhalb größerer Städte. Dort können Vereine und Bürgerinitiativen eine besondere Bedeutung für den Zusammenhalt erhalten.
Wo Geschäfte, Gaststätten oder öffentliche Einrichtungen fehlen, werden Dorfplätze, Vereinshäuser und gemeinsam organisierte Veranstaltungen zu wichtigen Treffpunkten.
Ein gepflegter Dorfmittelpunkt ist deshalb mehr als eine optische Aufwertung. Er kann Begegnungen ermöglichen, Besucher willkommen heißen und die Identifikation mit dem Heimatort stärken.
Auch Radlerrasten spielen in touristisch geprägten Regionen eine Rolle. Sie bieten Ausflüglern einen Platz für Pausen und können dazu beitragen, kleinere Orte entlang von Routen sichtbarer zu machen.
Land plant digitales Engagementportal
Neben der Ehrenamtskarte will Mecklenburg-Vorpommern künftig auch die Vermittlung zwischen interessierten Helfern, Vereinen und Verbänden erleichtern.
Dafür wird nach Angaben des Sozialministeriums ein digitales Engagementportal aufgebaut. Es soll Menschen, die sich einbringen möchten, mit Organisationen zusammenführen, die Unterstützung benötigen.
Bereits heute stehen in verschiedenen Regionen MitMachZentralen und Freiwilligenagenturen als Ansprechpartner zur Verfügung. Über die offizielle Plattform der Ehrenamtskarte können Interessierte zudem Informationen zu Antragstellung und regionalen Ansprechpartnern abrufen.
Vereine suchen dringend Nachwuchs
Viele Vereine und Initiativen stehen vor der Herausforderung, neue Mitglieder und Helfer zu gewinnen.
Ein Teil der langjährig Engagierten erreicht das Rentenalter oder kann bestimmte Aufgaben nicht mehr im bisherigen Umfang übernehmen. Gleichzeitig scheuen jüngere Menschen teilweise dauerhafte Ämter mit umfangreichen Verpflichtungen.
Digitale Vermittlungsangebote könnten dabei helfen, auch zeitlich begrenzte oder projektbezogene Tätigkeiten bekannter zu machen. Nicht jeder Interessierte möchte sofort einen Vorstandsposten übernehmen. Viele wären jedoch bereit, bei einzelnen Veranstaltungen, Reparaturen oder sozialen Aktionen zu helfen.
Anerkennung allein löst nicht alle Probleme
Die Ehrenamtskarte ist ein sichtbares Zeichen der Wertschätzung. Sie kann jedoch strukturelle Probleme des Ehrenamts nicht allein lösen.
Vereine benötigen bezahlbare Räume, verlässliche Förderbedingungen und möglichst einfache Antragsverfahren. Ehrenamtliche berichten zudem häufig über zunehmende Bürokratie, Haftungsfragen und Schwierigkeiten bei der Nachfolge für verantwortliche Ämter.
Auch Fahrtkosten, Versicherungen und die Vereinbarkeit mit Beruf und Familie können darüber entscheiden, ob sich Menschen langfristig engagieren.
Neben öffentlicher Anerkennung braucht es deshalb Bedingungen, unter denen freiwillige Arbeit dauerhaft möglich bleibt.
15.000 Karten seit dem Jahr 2020
Die Zahl von 15.000 ausgegebenen Karten zeigt, wie viele Menschen die Voraussetzungen für eine besondere Würdigung ihres Engagements erfüllen.
Gleichzeitig bildet sie nur einen Teil des gesamten Ehrenamts in Mecklenburg-Vorpommern ab. Viele Helfer besitzen keine Karte oder engagieren sich in einem Umfang, der nicht unter die jeweiligen Zugangsvoraussetzungen fällt.
Die Ehrenamtskarte ist daher weniger eine vollständige Statistik als ein Symbol für die Vielfalt freiwilliger Arbeit im Land.
Die 15.000. Ehrenamtskarte Mecklenburg-Vorpommerns geht an Mario Kuntzsch aus Hinrichshagen. Gemeinsam mit neun weiteren Engagierten pflegt und gestaltet er seit Jahren den Dorfplatz samt Radlerrast.
Das Beispiel macht deutlich, wie wichtig freiwillige Arbeit gerade in kleineren Orten ist. Ehrenamt schafft Treffpunkte, erhält Angebote und stärkt den Zusammenhalt.
Mit Vergünstigungen, regionalen Anlaufstellen und einem geplanten digitalen Engagementportal will das Land diese Arbeit stärker würdigen und neue Helfer gewinnen. Entscheidend bleibt jedoch, dass Vereine und Initiativen neben Anerkennung auch verlässliche praktische Unterstützung erhalten.
Quelle
Ministerium für Soziales, Gesundheit und Sport Mecklenburg-Vorpommern: Mitteilung „Meilenstein für die Ehrenamtskarte MV: 15.000ste Karte geht an die Seenplatte“, Juli 2026.