Altenburg ist als erste Kommune für das bundesweite Beratungsprojekt „Schwammstadt-Beratung“ ausgewählt worden. Von Juli bis Oktober 2026 soll die Stadt kostenfreie Unterstützung bei der Entwicklung konkreter Maßnahmen zur wassersensiblen Stadtentwicklung erhalten. Untersucht werden unter anderem Möglichkeiten zur Entsiegelung, zur besseren Nutzung von Regenwasser und zum Ausbau grüner und wasserbezogener Infrastruktur.
Finanziert wird die Beratung vollständig durch das Bundesministerium der Finanzen. Die Stadt muss dafür keine eigenen Beratungskosten tragen. Durchgeführt wird das Projekt von der PD – Berater der öffentlichen Hand GmbH.
Was aktuell geschehen ist
Die Stadt Altenburg nimmt als Pilotkommune an einem neuen bundesweiten Beratungsangebot teil. Im Mittelpunkt steht die Frage, wie aus bereits vorhandenen Ideen umsetzbare Investitionsprojekte entstehen können.
Gemeinsam mit der Stadtverwaltung sollen geeignete Schwammstadt-Maßnahmen identifiziert und anschließend technisch, wirtschaftlich und finanziell bewertet werden. Das Ziel besteht nicht allein darin, allgemeine Konzepte zu erarbeiten. Einzelne Vorhaben sollen so weit vorbereitet werden, dass sie später als Grundlage für kommunale Investitionsentscheidungen oder Förderanträge dienen können.
Die Beratung beginnt im Juli und soll bis Oktober 2026 laufen. Neben den Ergebnissen für Altenburg ist ein praxisorientierter Leitfaden vorgesehen, der später auch anderen Kommunen zur Verfügung gestellt werden kann.
Die wichtigsten Fakten
- Altenburg ist die erste Kommune im bundesweiten Projekt „Schwammstadt-Beratung“.
- Das Beratungsprojekt läuft von Juli bis Oktober 2026.
- Die Kosten übernimmt vollständig das Bundesministerium der Finanzen.
- Die Beratung führt die PD – Berater der öffentlichen Hand GmbH durch.
- Untersucht werden Umsetzbarkeit, Wirtschaftlichkeit und Finanzierung konkreter Maßnahmen.
- Mögliche Themen sind Regenwassermanagement, Entsiegelung und grün-blaue Infrastruktur.
- Die Ergebnisse sollen Investitionsentscheidungen und Förderanträge vorbereiten.
- Aus dem Pilotprojekt soll ein Leitfaden für weitere Kommunen entstehen.
Das Angebot richtet sich nach Angaben der Stadt besonders an kleinere und finanzschwache ostdeutsche Kommunen, die bereits erste Schritte zur Anpassung an Klimafolgen unternommen haben, bei der konkreten Umsetzung aber zusätzliche Unterstützung benötigen.
Was eine Schwammstadt ausmacht
Das Prinzip der Schwammstadt sieht vor, Niederschlagswasser möglichst dort aufzunehmen, zu speichern und zu nutzen, wo es fällt. Regen soll nicht ausschließlich über versiegelte Straßen, Kanäle und Rohrsysteme schnell aus der Stadt abgeleitet werden.
Stattdessen können Grünflächen, Mulden, bepflanzte Dächer, entsiegelte Höfe, durchlässige Bodenbeläge und unterirdische Speicher Wasser vorübergehend aufnehmen. Bei Trockenheit steht ein Teil davon für Pflanzen und Stadtbäume zur Verfügung.
Dadurch sollen mehrere Probleme gleichzeitig gemildert werden. Bei Starkregen kann eine dezentrale Speicherung die Kanalisation entlasten. In Hitzeperioden tragen Pflanzen und verdunstendes Wasser zur Abkühlung bei. Während längerer Trockenphasen kann zurückgehaltenes Regenwasser helfen, Grünflächen zu versorgen.
Mögliche Maßnahmen für Altenburg
Welche konkreten Projekte in Altenburg beraten werden, steht am Beginn des Verfahrens noch nicht abschließend fest. Die Stadt nennt mehrere grundsätzlich denkbare Bereiche:
- Entsiegelung befestigter Flächen,
- Verbesserung der Regenwasserbewirtschaftung,
- Schaffung zusätzlicher Grünflächen,
- Anlegen von Versickerungsmulden,
- Speicherung und Nutzung von Niederschlagswasser,
- Aufwertung von Baumscheiben,
- Verbindung von Grünflächen und Wasseranlagen,
- Anpassung öffentlicher Plätze an Starkregen und Hitze.
Nicht jede Maßnahme eignet sich für jeden Standort. Bodenbeschaffenheit, Leitungen, Denkmalschutz, Eigentumsverhältnisse, Gefälle und Unterhaltungskosten müssen jeweils berücksichtigt werden.
Der Hintergrund
Viele Kommunen verfügen inzwischen über Klimaanpassungsstrategien oder erste Projektideen. Zwischen einer grundsätzlichen Planung und dem tatsächlichen Baubeginn bestehen jedoch häufig erhebliche Hürden.
Neben fehlendem Fachpersonal erschweren komplizierte Förderbedingungen, begrenzte Planungskapazitäten und hohe Anforderungen an Wirtschaftlichkeitsuntersuchungen die Umsetzung. Eine Darstellung des Bundesfinanzministeriums zum Abbau kommunaler Investitionshemmnisse verweist darauf, dass Fördermöglichkeiten trotz grundsätzlicher Eignung teilweise nicht genutzt werden, weil Verfahren und Voraussetzungen für öffentliche Antragsteller zu komplex sind.
Genau an diesem Punkt soll das Altenburger Pilotprojekt ansetzen. Die Beratung soll vorhandene Ansätze bewerten, Finanzierungsmöglichkeiten prüfen und die Verwaltung bei der Vorbereitung belastbarer Entscheidungen unterstützen.
Die PD bezeichnet sich als Inhouse-Beratung der öffentlichen Hand und begleitet öffentliche Auftraggeber unter anderem bei nachhaltigen Raum-, Flächen- und Infrastrukturkonzepten.
Warum das Thema gerade jetzt wichtig ist
Städte müssen ihre Infrastruktur zunehmend auf längere Trockenphasen, hohe Temperaturen und örtlichen Starkregen vorbereiten. Besonders dicht bebaute Bereiche mit einem hohen Anteil versiegelter Flächen können Regenwasser nur begrenzt aufnehmen.
Gleichzeitig sind Umbauten im Bestand oft aufwendig. Unter Straßen und Plätzen verlaufen Leitungen, historische Stadtbereiche unterliegen gestalterischen Vorgaben und kommunale Flächen erfüllen bereits andere Funktionen.
Deshalb entscheidet nicht nur die grundsätzliche Idee über den Erfolg. Maßnahmen müssen technisch machbar, dauerhaft unterhaltbar und finanzierbar sein. Die Beratung soll diese Fragen frühzeitig zusammenführen.
Was das Projekt für Altenburg bedeutet
Altenburg erhält mit der Auswahl als Pilotkommune Zugang zu fachlicher Beratung, ohne dafür eigene Haushaltsmittel einsetzen zu müssen. Für eine Kommune mit begrenzten finanziellen und personellen Spielräumen ist dies ein wesentlicher Bestandteil des Projekts.
Die Stadt kann damit mögliche Vorhaben genauer untersuchen lassen, bevor sie größere Planungs- oder Bauaufträge vergibt. Dies kann verhindern, dass Projekte begonnen werden, deren Finanzierung, Folgekosten oder technische Voraussetzungen nicht ausreichend geklärt sind.
Zugleich bietet das Verfahren die Möglichkeit, Maßnahmen aus verschiedenen Bereichen miteinander zu verbinden. Eine Straßensanierung könnte beispielsweise mit Entsiegelung, zusätzlichen Bäumen und einer neuen Regenwasserführung kombiniert werden.
Nutzen für Bürger und Stadtquartiere
Gut geplante Schwammstadt-Maßnahmen können sich unmittelbar auf Wohnquartiere und öffentliche Räume auswirken. Zusätzliche Bäume und Grünflächen schaffen Schatten. Versickerungsfähige Böden können Wasser aufnehmen, das andernfalls in die Kanalisation oder auf tiefer gelegene Grundstücke fließt.
Auch Schulen, Kindertagesstätten, Innenhöfe, Parkplätze und öffentliche Plätze kommen als Standorte infrage. Entscheidend ist, welche Flächen sich nach der Untersuchung tatsächlich eignen und wo ein angemessenes Verhältnis zwischen Kosten und Nutzen erreicht werden kann.
Das Projekt bedeutet jedoch noch nicht, dass bereits konkrete Bauvorhaben beschlossen oder finanziert sind. Die Beratung dient zunächst der Vorbereitung.
Die ostdeutsche Besonderheit
Das Pilotprojekt richtet sich ausdrücklich an kleinere, finanzschwache Kommunen in Ostdeutschland. Viele dieser Städte verfügen über einen hohen Bestand älterer Straßen, Plätze, Kanäle und öffentlicher Gebäude. Gleichzeitig sind ihre Investitionsmöglichkeiten begrenzt.
Hinzu kommen personelle Engpässe in Bauämtern und Fachverwaltungen. Förderprogramme können zwar Geld bereitstellen, verlangen aber häufig umfangreiche Planungen, Kostenberechnungen und Nachweise, bevor ein Antrag Aussicht auf Erfolg hat.
Für solche Kommunen ist nicht nur die Höhe einer Förderung entscheidend. Sie benötigen Unterstützung dabei, Projekte überhaupt förderfähig und entscheidungsreif zu machen.
Altenburg übernimmt damit eine doppelte Rolle. Die Stadt soll eigene Maßnahmen vorbereiten und zugleich Erfahrungen sammeln, die später in einen Leitfaden für andere Kommunen einfließen.
Wirtschaftlichkeit und Folgekosten werden geprüft
Bei Schwammstadt-Projekten entstehen nicht nur einmalige Baukosten. Grünanlagen müssen gepflegt, Abläufe gereinigt, Speicher gewartet und Versickerungsflächen dauerhaft freigehalten werden.
Die Beratung soll deshalb auch die Wirtschaftlichkeit und die späteren Betriebskosten betrachten. Eine Maßnahme, die mit hohen Fördermitteln gebaut werden kann, ist für eine Kommune nicht automatisch dauerhaft tragfähig.
Geprüft werden sollen außerdem mögliche Förder- und Finanzierungswege. Dabei ist zu unterscheiden zwischen der aktuellen Beratung, die der Bund vollständig bezahlt, und späteren Investitionen. Für Bauprojekte müssten gesonderte Finanzierungsentscheidungen getroffen und gegebenenfalls Förderanträge gestellt werden.
Positionen und offene Fragen
Die Stadtverwaltung sieht in der Teilnahme eine Möglichkeit, ihre bisherigen Bemühungen zur Klimafolgenanpassung weiterzuentwickeln. Die Beratung soll helfen, aus allgemeinen Zielen konkrete Projekte zu formen.
Noch offen sind unter anderem:
- welche Flächen und Stadtquartiere untersucht werden,
- wie viele Einzelmaßnahmen ausgewählt werden,
- welche Investitionssummen erforderlich wären,
- welche Förderprogramme infrage kommen,
- wann erste Projekte umgesetzt werden könnten,
- welche Eigenanteile die Stadt später tragen müsste.
Auch der für andere Kommunen vorgesehene Leitfaden liegt erst nach Abschluss des Pilotverfahrens vor. Seine praktische Aussagekraft wird davon abhängen, wie konkret die Erfahrungen aus Altenburg auf andere Städte übertragbar sind.
Wie es weitergeht
Bis Oktober sollen Stadtverwaltung und Beratungsgesellschaft geeignete Maßnahmen auswählen und bewerten. Dazu dürften vorhandene Planungen, mögliche Standorte, Investitionskosten und Finanzierungswege untersucht werden.
Anschließend muss die Stadt entscheiden, welche Vorschläge weiterverfolgt werden. Abhängig vom Ergebnis können vertiefende Planungen, kommunale Beschlüsse und Förderanträge erforderlich werden.
Ein unmittelbarer Baubeginn ist mit der Auswahl als Pilotkommune nicht verbunden. Das Projekt soll zunächst die Grundlagen dafür schaffen, dass spätere Investitionen fachlich und finanziell besser vorbereitet werden können.
Altenburg erhält als erste Pilotkommune eine vollständig vom Bund finanzierte Schwammstadt-Beratung. Von Juli bis Oktober sollen konkrete Maßnahmen gegen Starkregen, Hitze und Trockenheit identifiziert und bis zur möglichen Investitions- oder Förderentscheidung weiterentwickelt werden.
Für die Stadt liegt der wesentliche Nutzen in der Verbindung aus technischer Prüfung, Wirtschaftlichkeitsbetrachtung und Förderberatung. Welche Projekte tatsächlich umgesetzt werden, entscheidet sich erst nach Abschluss der Untersuchung.
Quellen
- Stadtverwaltung Altenburg: „Pilotprojekt: Wie kann Altenburg zur Schwammstadt werden?“, Pressemitteilung vom 15. Juli 2026.
- Bundesministerium der Finanzen: Informationen zum Abbau von Investitionshemmnissen und zur Unterstützung kommunaler Investitionen.
- PD – Berater der öffentlichen Hand GmbH: Informationen zur Beratung bei nachhaltigen Bau-, Flächen- und Infrastrukturprojekten, abgerufen am 21. Juli 2026.