Die Hansestadt Gardelegen setzt ihr kommunales Programm zur Gewinnung von Lehrkräften fort. Bereits zum neunten Mal können sich Lehramtsstudierende für das sogenannte Gardelehrer-Stipendium bewerben. Die ausgewählten Studierenden erhalten monatlich 300 Euro und sollen nach ihrer Ausbildung an Schulen in der Einheitsgemeinde arbeiten.

Bewerbungsschluss ist der 15. September 2026. Unterstützt wird das Programm vom Bildungsministerium Sachsen-Anhalt. Ziel ist es, angehende Lehrer frühzeitig an Gardelegen und die umliegenden Ortsteile zu binden und die Unterrichtsversorgung langfristig zu verbessern.

Monatlich 300 Euro bis zum Referendariat

Das Stipendium richtet sich an Lehramtsstudierende, die bereit sind, sich nach Abschluss des Studiums beruflich an die Einheitsgemeinde Hansestadt Gardelegen zu binden.

Die Förderung beginnt grundsätzlich ab dem ersten Semester und läuft bis zum Eintritt in das Referendariat. Pro Monat werden 300 Euro gezahlt.

Damit kann die Unterstützung über mehrere Studienjahre hinweg erfolgen. Zugleich erhalten die Studierenden frühzeitig einen festen Ansprechpartner in der Region und eine berufliche Perspektive nach dem Studium.

Die genauen Bedingungen ergeben sich aus der Förderrichtlinie des Programms. Diese ist auf der Internetseite des Gardelehrer-Projekts abrufbar.

Bewerbung bis zum 15. September möglich

Interessierte müssen ihre Unterlagen bis zum 15. September 2026 bei der Hansestadt Gardelegen einreichen.

Gefordert werden:

  • ein Lebenslauf,
  • ein Motivationsschreiben,
  • eine aktuelle Immatrikulationsbescheinigung,
  • Nachweise über bisherige Studienleistungen,
  • Nachweise über zusätzliche Qualifikationen und Praxiserfahrungen.

Die Bewerbung kann postalisch an die Hansestadt Gardelegen, Stabsstelle Politische Gremien, Rudolf-Breitscheid-Straße 3, 39638 Gardelegen, geschickt werden.

Alternativ können die Unterlagen im PDF-Format per E-Mail an info@gardelegen.de übermittelt werden.

Das Auswahlverfahren besteht aus zwei Stufen. Nach der Prüfung der schriftlichen Unterlagen werden geeignete Bewerber zu einem persönlichen Gespräch eingeladen.

Zehn Stipendiaten haben Studium bereits abgeschlossen

Nach Angaben des Bildungsministeriums haben zehn frühere Gardelehrer-Stipendiaten ihr Studium inzwischen abgeschlossen. Vier von ihnen befinden sich derzeit im Referendariat.

Absolventen und Referendare arbeiten unter anderem an der Sekundarschule „Am Drömling“ in Mieste, an der Wander-Grundschule, an den Grundschulen in Letzlingen und Jävenitz, an Förderschulen sowie an der Sekundarschule „Karl Marx“.

Eine der ersten Stipendiatinnen aus dem Jahr 2018 leitet inzwischen eine Schule in einer benachbarten Kommune.

Derzeit werden fünf Lehramtsstudierende über das Programm gefördert.

Stadt will frühzeitig Kontakt zu Studierenden halten

Gardelegens Bürgermeisterin Mandy Schumacher sieht einen wesentlichen Vorteil darin, dass die Stadt bereits während des Studiums Kontakt zu den späteren Lehrkräften hält.

Die Studierenden lernen die Region, mögliche Schulen und Ansprechpartner frühzeitig kennen. Im Gegenzug erhält die Kommune größere Planungssicherheit bei der Besetzung künftiger Stellen.

Gerade in ländlichen Regionen entscheiden sich junge Fachkräfte häufig nicht allein nach dem Arbeitsplatz. Auch Wohnmöglichkeiten, soziale Kontakte, Erreichbarkeit und persönliche Bindungen spielen eine Rolle.

Ein Stipendium kann deshalb nicht nur finanziell helfen. Es kann auch dazu beitragen, dass angehende Lehrer die Region bereits vor dem Berufseinstieg als möglichen Lebensmittelpunkt kennenlernen.

Lehrkräftemangel betrifft besonders ländliche Regionen

Viele Schulen in Sachsen-Anhalt stehen vor der Aufgabe, frei werdende Stellen neu zu besetzen. Das ist besonders außerhalb der großen Städte schwierig.

In ländlich geprägten Gebieten gibt es weniger Bewerber, obwohl dort ebenso verlässlicher Unterricht und qualifizierte Fachlehrer benötigt werden. Lange Wege, kleinere Kollegien und begrenzte Wohnungs- oder Freizeitangebote können die Personalgewinnung zusätzlich erschweren.

Gardelegen reagiert darauf mit einem eigenen kommunalen Instrument. Obwohl die Einstellung von Lehrkräften grundsätzlich Aufgabe des Landes ist, versucht die Stadt, zusätzliche Anreize für den Standort zu schaffen.

Die Kommune verbindet dabei finanzielle Förderung mit persönlicher Begleitung und einer klaren beruflichen Perspektive.

Bildungsministerium unterstützt das Modell

Bildungsminister Jan Riedel würdigte das Gardelehrer-Stipendium als Beispiel für die Zusammenarbeit zwischen Kommune und Land.

Aus Sicht des Ministeriums schafft das Programm frühzeitig Perspektiven für Lehramtsstudierende und erleichtert die Gewinnung motivierter Lehrkräfte für Schulen in der Region.

Auch die Landtagsabgeordnete Sandra Hietel-Heuer bezeichnete das Projekt als Erfolgsgeschichte für die Einheitsgemeinde. In Zusammenarbeit mit dem Landesschulamt habe die Unterrichtsversorgung in mehreren Fällen verbessert werden können.

Die Entscheidung über spätere Einstellungen und konkrete Einsatzorte bleibt dennoch von freien Stellen, schulischem Bedarf und den rechtlichen Vorgaben des Landes abhängig.

Warum das Modell für andere Kommunen interessant ist

Das Gardelehrer-Programm zeigt, wie Kommunen trotz begrenzter eigener Zuständigkeiten bei der Fachkräftegewinnung aktiv werden können.

Ein solches Stipendium ersetzt keine ausreichende Zahl von Studienplätzen und keine landesweite Personalplanung. Es kann aber helfen, Studierende frühzeitig für bestimmte Regionen zu interessieren.

Besonders wirksam ist das Modell, wenn mehrere Voraussetzungen zusammenkommen:

  • verlässliche Betreuung während des Studiums,
  • Kontakte zu Schulen und Kollegien,
  • Praktikums- und Hospitationsmöglichkeiten,
  • eine realistische Aussicht auf spätere Beschäftigung,
  • Unterstützung bei der Suche nach Wohnung und sozialem Anschluss.

Für kleinere Städte und ländliche Gemeinden kann diese persönliche Begleitung ein Vorteil gegenüber anonymen Bewerbungsverfahren sein.

Bindung an die Region muss verlässlich geregelt sein

Die finanzielle Förderung ist mit der Erwartung verbunden, dass die Stipendiaten später in der Einheitsgemeinde tätig werden.

Solche Bindungsmodelle benötigen klare Regeln. Studierende müssen wissen, wie lange sie sich verpflichten, welche Schulen infrage kommen und was geschieht, wenn aus persönlichen oder fachlichen Gründen keine passende Stelle angeboten werden kann.

Auch mögliche Rückzahlungen bei einem vorzeitigen Ausstieg müssen transparent geregelt sein. Diese Einzelheiten sind in der Förderrichtlinie festgelegt und sollten vor einer Bewerbung sorgfältig geprüft werden.

Unterrichtsversorgung bleibt Gemeinschaftsaufgabe

Das Stipendium kann einzelne offene Stellen besetzen helfen. Die grundsätzliche Unterrichtsversorgung hängt jedoch von mehreren Faktoren ab.

Dazu gehören die Zahl der Lehramtsabsolventen, die Verteilung auf unterschiedliche Fächer, attraktive Arbeitsbedingungen, ausreichende Schulgebäude und eine verlässliche Personalplanung des Landes.

Besonders gefragt sind häufig Lehrkräfte in naturwissenschaftlichen und technischen Fächern sowie für Förder- und Sekundarschulen.

Kommunale Programme können diese strukturellen Herausforderungen nicht allein lösen. Sie können aber dazu beitragen, dass vorhandene Absolventen gezielt in Regionen kommen, in denen sie besonders dringend benötigt werden.

Die wichtigsten Angaben im Überblick

Programm: Gardelehrer-Stipendium
Bewerbungsschluss: 15. September 2026
Förderung: 300 Euro monatlich
Förderzeitraum: ab dem ersten Semester bis zum Eintritt ins Referendariat
Derzeit Geförderte: fünf Lehramtsstudierende
Bisherige Studienabschlüsse: zehn
Bewerbung: schriftlich oder als PDF per E-Mail
Kontaktadresse: info@gardelegen.de

Das Gardelehrer-Stipendium geht in seine neunte Runde. Gardelegen unterstützt Lehramtsstudierende mit monatlich 300 Euro und verbindet die Förderung mit einer späteren beruflichen Perspektive in der Einheitsgemeinde.

Zehn Stipendiaten haben ihr Studium bereits abgeschlossen, mehrere arbeiten oder absolvieren ihr Referendariat an Schulen der Region. Damit zeigt das Programm konkrete Ergebnisse.

Für Gardelegen bleibt es ein Baustein zur Sicherung des Unterrichts. Entscheidend wird sein, ob weiterhin genügend Studierende gewonnen und nach ihrer Ausbildung dauerhaft in der Altmark gehalten werden können.