Thüringens Minister für Bildung, Wissenschaft und Kultur, Christian Tischner, reist Ende Juli fünf Tage lang durch den Freistaat. Vom 27. bis 31. Juli 2026 besucht er Museen, Gedenkstätten, Schlösser, Künstlerateliers, Einrichtungen der kulturellen Bildung sowie Vereine und Initiativen.

Die sogenannte „KulTour 2026“ soll den direkten Austausch mit den Menschen ermöglichen, die das kulturelle Leben in Thüringen tragen. Im Mittelpunkt stehen dabei nicht nur große Einrichtungen in den Städten, sondern ausdrücklich auch kleinere Kulturorte im ländlichen Raum.

Nach Angaben des Ministeriums will Tischner vor Ort erfahren, welche Herausforderungen die Einrichtungen beschäftigen und welche Impulse daraus für die Kulturpolitik des Landes entstehen können.

Fünf Tage durch alle Regionen Thüringens

Die Reise führt den Minister zu sehr unterschiedlichen Orten. Dazu gehören traditionsreiche Museen, historische Schlösser, Erinnerungsstätten und Werkstätten, in denen regionales Handwerk bis heute gepflegt wird.

Zu den angekündigten Stationen zählen unter anderem:

  • das Bachhaus in Eisenach,
  • die Wasserburg Kapellendorf,
  • Schloss Molsdorf,
  • die KZ-Gedenkstätte Laura,
  • das Deutsch-Deutsche Museum Mödlareuth,
  • eine Glaswerkstatt in Lauscha,
  • das Atelier der Künstlerin Tanja Pohl in Greiz.

Die genaue Reihenfolge und sämtliche Besuchszeiten wurden in der Mitteilung zunächst nicht veröffentlicht.

Kleine Kulturorte sollen stärker sichtbar werden

Ein zentrales Ziel der Reise ist es, kleinere Einrichtungen und ihre Bedürfnisse stärker in den Mittelpunkt zu rücken.

Viele regionale Museen, Gedenkstätten, Werkstätten und Kulturvereine arbeiten mit kleinen Teams. Häufig übernehmen Ehrenamtliche einen erheblichen Teil der Aufgaben. Sie organisieren Ausstellungen, führen Besucher durch Sammlungen, pflegen historische Gebäude und bewahren handwerkliches Wissen.

Diese Arbeit ist für Außenstehende nicht immer sichtbar. Gleichzeitig stehen gerade kleinere Einrichtungen vor besonderen Herausforderungen.

Dazu gehören steigende Betriebskosten, notwendige Sanierungen, fehlender Nachwuchs, begrenzte Öffnungszeiten und die Suche nach ausreichend Personal.

Die KulTour soll deshalb nicht nur Aufmerksamkeit schaffen, sondern auch konkrete Gespräche über die Arbeitsbedingungen vor Ort ermöglichen.

Tischner will mit Kulturschaffenden ins Gespräch kommen

Christian Tischner erklärte, Thüringens Kultur- und Bildungslandschaft sei von großem Wert für das Land.

In regionalen Museen, Gedenkstätten und Werkstätten entstünden Orte der Begegnung, des gemeinsamen Erinnerns und der gesellschaftlichen Beteiligung. Zugleich trügen sie zur regionalen Identität bei.

Der Minister will während der Reise mit hauptamtlichen Mitarbeitern ebenso sprechen wie mit ehrenamtlich Engagierten. Dabei soll es um die alltägliche Arbeit, bestehende Fördermöglichkeiten und künftige kulturpolitische Entscheidungen gehen.

Nach Angaben des Ministeriums sollen aus den Gesprächen auch Anregungen für die weitere Arbeit des Hauses aufgenommen werden.

Besuch in der KZ-Gedenkstätte Laura

Mit der KZ-Gedenkstätte Laura gehört auch ein Ort nationalsozialistischer Verfolgung und Zwangsarbeit zum Reiseprogramm.

Gedenkstätten übernehmen eine besondere Aufgabe. Sie bewahren historische Spuren, dokumentieren die Schicksale der Opfer und vermitteln Wissen an jüngere Generationen.

Ihre Arbeit umfasst neben dem Erhalt der Gebäude und Ausstellungen auch pädagogische Angebote, Führungen und die wissenschaftliche Aufarbeitung.

Gerade kleinere Gedenkstätten sind dabei häufig auf Fördermittel und ehrenamtliche Unterstützung angewiesen. Gleichzeitig steigen die Anforderungen an Bildungsarbeit, Digitalisierung und Barrierefreiheit.

Deutsch-deutsche Geschichte in Mödlareuth

Ein weiterer Halt ist das Deutsch-Deutsche Museum Mödlareuth. Der Ort wurde während der deutschen Teilung durch die innerdeutsche Grenze getrennt und gilt bis heute als wichtiges Beispiel für die unmittelbaren Auswirkungen der deutschen Nachkriegsgeschichte.

Das Museum vermittelt die Geschichte von Grenze, Überwachung und dem Leben der Einwohner auf beiden Seiten.

Der Besuch verbindet damit Kulturpolitik und politische Bildung. Erinnerungsorte wie Mödlareuth zeigen, wie regionale Geschichte mit gesamtdeutschen Entwicklungen verbunden ist.

Sie spielen auch deshalb eine wichtige Rolle, weil die Zahl der Menschen abnimmt, die die deutsche Teilung aus eigener Erfahrung kennen.

Glasbläserworkshop in Lauscha

In Lauscha will der Minister an einem Glasbläserworkshop teilnehmen.

Die Stadt ist eng mit der Geschichte des Glasbläserhandwerks verbunden. Schauwerkstätten und Handwerksbetriebe halten die traditionellen Techniken lebendig und geben sie an jüngere Generationen weiter.

Solche Einrichtungen sind zugleich Kulturort, Arbeitsplatz und touristisches Angebot. Ihre Zukunft hängt davon ab, ob genügend Fachkräfte gewonnen werden und sich wirtschaftlich tragfähige Strukturen erhalten lassen.

Der praktische Workshop soll nach Angaben des Ministeriums einen unmittelbaren Einblick in die Arbeit der Glasgestalter ermöglichen.

Siebdruck mit Künstlerin Tanja Pohl

Auch zeitgenössische Kunst ist Teil des Programms. In Greiz besucht Tischner die Künstlerin Tanja Pohl.

Gemeinsam sollen dort Siebdrucke gestaltet werden. Der Besuch soll zeigen, wie Künstlerinnen und Künstler außerhalb großer Kulturzentren arbeiten und welche Bedingungen sie für ihre Tätigkeit benötigen.

Freischaffende Künstler stehen häufig vor anderen Herausforderungen als öffentlich finanzierte Museen oder Theater. Dazu gehören unsichere Einnahmen, hohe Atelierkosten, fehlende Ausstellungsräume und begrenzte Fördermöglichkeiten.

Der direkte Austausch kann dazu beitragen, diese Perspektive stärker in kulturpolitische Entscheidungen einzubeziehen.

Kultur im ländlichen Raum

Thüringens Kulturlandschaft wird nicht allein durch große Theater, Museen und Stiftungen in Erfurt, Weimar, Jena oder anderen Städten geprägt.

In zahlreichen kleineren Orten gibt es Heimatmuseen, Schlösser, Künstlerhäuser, Traditionswerkstätten, Vereine und Gedenkstätten. Sie schaffen Kulturangebote dort, wo größere Einrichtungen weit entfernt sind.

Für den ländlichen Raum besitzen solche Orte häufig eine besondere Bedeutung. Sie dienen nicht nur als Ausstellungshaus, sondern auch als Treffpunkt für Vereine, Schulen, Familien und Veranstaltungen.

Dadurch erfüllen sie gleichzeitig kulturelle, soziale und bildungspolitische Aufgaben.

Ehrenamt trägt zahlreiche Einrichtungen

Viele kleinere Kulturorte könnten ohne ehrenamtliches Engagement nicht dauerhaft betrieben werden.

Ehrenamtliche übernehmen Führungen, organisieren Veranstaltungen, kümmern sich um Sammlungen oder unterstützen bei Reparaturen und der Pflege von Außenanlagen.

Dieses Engagement stößt jedoch an Grenzen. In vielen Vereinen wird es schwieriger, jüngere Mitglieder zu gewinnen. Aufgaben verteilen sich dadurch auf immer weniger Menschen.

Hinzu kommen steigende Anforderungen an Buchhaltung, Datenschutz, Förderanträge, Sicherheit und den fachgerechten Umgang mit Sammlungsgegenständen.

Eine zentrale Frage der Kulturpolitik lautet deshalb, wie das Ehrenamt unterstützt werden kann, ohne es durch zusätzliche Bürokratie zu belasten.

Historische Gebäude verursachen hohe Kosten

Viele Kulturstätten befinden sich in denkmalgeschützten Gebäuden. Dazu zählen Schlösser, Burgen, ehemalige Industrieanlagen, Klöster und historische Wohnhäuser.

Diese Gebäude prägen das Erscheinungsbild der Regionen, verursachen aber häufig erhebliche Unterhaltskosten.

Dächer, Fassaden, Heizungsanlagen, Brandschutz und Barrierefreiheit müssen regelmäßig modernisiert werden. Gleichzeitig dürfen historische Bauteile nicht beliebig verändert werden.

Kleine Träger können solche Investitionen meist nicht aus eigenen Einnahmen finanzieren. Sie sind auf kommunale Unterstützung sowie Förderprogramme von Land, Bund oder Stiftungen angewiesen.

Kulturelle Bildung als Teil der Reise

Die KulTour umfasst auch Einrichtungen der kulturellen Bildung.

Dort erhalten Kinder, Jugendliche und Erwachsene Zugang zu Musik, Kunst, Geschichte, Theater und traditionellem Handwerk. Solche Angebote ergänzen den regulären Schulunterricht und ermöglichen eigene praktische Erfahrungen.

Kulturelle Bildung kann besonders dort wichtig sein, wo Familien nur eingeschränkten Zugang zu Theatern, Konzerten oder Museen haben.

Damit entsprechende Angebote nicht nur in größeren Städten verfügbar sind, benötigen regionale Einrichtungen verlässliche Partner, Personal und Finanzierung.

Kulturorte als Räume für Begegnung

Tischner betonte, dass persönliche Begegnungsorte in einer zunehmend digitalen und individualisierten Gesellschaft an Bedeutung gewinnen.

Museen, Werkstätten und Kulturvereine bringen Menschen zusammen, die sich sonst möglicherweise nicht treffen würden. Sie ermöglichen Gespräche über Geschichte, Herkunft, gesellschaftliche Veränderungen und regionale Zukunftsfragen.

Solche Orte können damit auch zum gesellschaftlichen Zusammenhalt beitragen.

Dieser Anspruch setzt jedoch voraus, dass Einrichtungen offen, gut erreichbar und finanziell handlungsfähig bleiben. Dazu gehören barrierefreie Zugänge, familienfreundliche Angebote und Eintrittspreise, die unterschiedliche Bevölkerungsgruppen nicht ausschließen.

Kulturförderung muss Stadt und Land berücksichtigen

Die Reise macht zugleich einen grundsätzlichen Konflikt der Kulturpolitik sichtbar.

Große Einrichtungen benötigen erhebliche Mittel, weil sie professionelle Ensembles, Sammlungen, Gebäude und umfangreiche Programme finanzieren. Gleichzeitig dürfen kleinere Kulturorte nicht übersehen werden, die mit vergleichsweise geringen Beträgen wichtige Arbeit in den Regionen leisten.

Eine ausgewogene Förderung muss deshalb unterschiedliche Strukturen berücksichtigen. Ein ehrenamtlich betriebenes Regionalmuseum kann nicht nach denselben Maßstäben bewertet werden wie ein großes staatliches Museum.

Entscheidend ist, welche Bedeutung eine Einrichtung für ihren Ort, ihre Region und die Vermittlung von Geschichte und Kultur besitzt.

Vom Besuch müssen konkrete Ergebnisse bleiben

Eine fünftägige Reise kann Aufmerksamkeit schaffen und den direkten Austausch verbessern. Entscheidend wird aber sein, welche politischen Schlussfolgerungen daraus entstehen.

Kultureinrichtungen benötigen vor allem verlässliche Förderbedingungen, überschaubare Antragsverfahren und langfristige Planungssicherheit.

Auch die Zusammenarbeit zwischen Land, Landkreisen und Kommunen spielt eine wichtige Rolle. Viele Kulturorte können nur erhalten werden, wenn mehrere Ebenen Verantwortung übernehmen.

Die auf der KulTour angesprochenen Probleme sollten deshalb dokumentiert und anschließend transparent ausgewertet werden.

Die wichtigsten Angaben

Tour: KulTour 2026
Zeitraum: 27. bis 31. Juli 2026
Teilnehmer: Kulturminister Christian Tischner
Region: gesamter Freistaat Thüringen
Besuchte Einrichtungen: Museen, Gedenkstätten, Schlösser, Werkstätten, Ateliers und Kulturinitiativen
Schwerpunkte: ländlicher Raum, Ehrenamt, Erinnerungskultur, kulturelle Bildung und zeitgenössische Kunst

Mit seiner KulTour will Christian Tischner die kulturelle Vielfalt Thüringens vor Ort erleben und die Anliegen kleinerer Einrichtungen aufnehmen.

Die Reise verbindet bekannte Kulturorte wie das Bachhaus Eisenach mit regionalen Museen, Gedenkstätten, Künstlerateliers und traditionellen Werkstätten. Besonders das ehrenamtliche Engagement und die kulturelle Arbeit im ländlichen Raum sollen stärker sichtbar werden.

Der Erfolg der Tour wird sich jedoch nicht allein an den besuchten Stationen messen lassen. Entscheidend ist, ob aus den Gesprächen konkrete Verbesserungen für Förderung, Planungssicherheit und den Erhalt regionaler Kulturorte entstehen.