Mit einem symbolischen Spatenstich hat in Eisenach der Erweiterungsbau des Staatlichen Berufsschulzentrums „Heinrich Ehrhardt“ begonnen. Die bislang auf die Standorte Palmental, Nordplatz und Siebenborn verteilten Bereiche sollen künftig an einem gemeinsamen Campus im Palmental gebündelt werden.

Die geplanten Gesamtkosten liegen nach Angaben des Thüringer Infrastrukturministeriums bei knapp 28 Millionen Euro. Der Freistaat beabsichtigt, sechs Millionen Euro aus seinem Schulbauinvestitionsprogramm beizusteuern.

Von dem Vorhaben sollen rund 1.400 Schülerinnen und Schüler sowie die Beschäftigten des Berufsschulzentrums profitieren.

Drei Standorte werden im Palmental vereint

Die beiden bisherigen Standorte Nordplatz und Siebenborn sollen vollständig in den Standort Palmental integriert werden.

Damit erhält das Berufsschulzentrum einen zentralen Campus, auf dem die unterschiedlichen Ausbildungsrichtungen und Schulformen zusammengeführt werden. Die Planungen sehen vor, das gesamte Raumprogramm in den vorhandenen Gebäuden sowie in einem neuen Erweiterungsbau unterzubringen. Für das Projekt wurden rund 8.500 Quadratmeter Bruttogrundfläche betrachtet.

Der gemeinsame Standort soll organisatorische Abläufe vereinfachen, Wege verkürzen und eine gemeinsame Nutzung von Fachräumen, Werkstätten und technischer Infrastruktur ermöglichen.

Knapp 28 Millionen Euro für das Bauprojekt

Der Wartburgkreis investiert nach derzeitigem Stand knapp 28 Millionen Euro in die Erweiterung und Zusammenführung der Berufsschule.

Das Vorhaben gehört damit zu den größten aktuellen Schulbauprojekten der Region. Bereits in früheren Planungen war der Ausbau des Standorts Palmental als umfangreiches und langfristiges Investitionsprojekt des Wartburgkreises beschrieben worden.

Der Freistaat Thüringen will davon sechs Millionen Euro aus dem Schulbauinvestitionsprogramm übernehmen. Den verbleibenden Anteil müssen der Schulträger und gegebenenfalls weitere Fördergeber finanzieren.

Rund 1.400 Schüler sollen profitieren

Nach Angaben von Minister Steffen Schütz soll der neue Campus künftig für rund 1.400 Schülerinnen und Schüler sowie das Kollegium zentral erreichbar sein.

Mit der Zusammenführung sollen Unterricht, Verwaltung und praktische Ausbildung stärker an einem Ort gebündelt werden. Das kann insbesondere bei Bildungsgängen von Vorteil sein, die unterschiedliche Werkstätten, Labore oder Fachkabinette benötigen.

Auch schulübergreifende Veranstaltungen und die Zusammenarbeit zwischen den verschiedenen Ausbildungsbereichen können dadurch erleichtert werden.

Breites Ausbildungsangebot in Eisenach

Das Staatliche Berufsschulzentrum bietet ein berufliches Gymnasium und zahlreiche berufliche Bildungsgänge an.

Am Standort Palmental werden bereits das Berufliche Gymnasium, die Berufsfachschule, das Berufsvorbereitungsjahr sowie gewerblich-technische und wirtschaftliche Berufe unterrichtet.

Zum gesamten Angebot des Berufsschulzentrums gehören außerdem Ausbildungen in den Bereichen:

  • Wirtschaft, Verwaltung und Handel,
  • gewerblich-technische Berufe,
  • medizinische Berufe,
  • Pflege und Soziales,
  • Fahrzeuglackierung,
  • Beschichtungstechnik.

Die Konzentration an einem Standort soll ermöglichen, die dafür benötigten Fachräume und Werkstätten effizienter zu nutzen.

Berufliche Bildung als gleichwertige Perspektive

Minister Steffen Schütz hob beim Spatenstich die Bedeutung der beruflichen Bildung hervor. Eisenach sei mit seiner Industriegeschichte ein besonders geeigneter Standort, um zu zeigen, dass Ausbildungsberufe einem Studium nicht nachstehen müssten.

Gerade die Industrie- und Automobilregion rund um Eisenach ist auf gut ausgebildete Fachkräfte in technischen, handwerklichen und kaufmännischen Berufen angewiesen.

Ein moderner Berufsschulcampus kann deshalb nicht nur die Unterrichtsbedingungen verbessern, sondern auch die Attraktivität dualer Ausbildungen steigern.

Moderne Fachräume für technische Berufe

Berufsschulen benötigen eine andere Ausstattung als allgemeinbildende Schulen.

Neben gewöhnlichen Unterrichtsräumen sind unter anderem Werkstätten, Labore, Computerräume, technische Übungsanlagen und besondere Sicherheitsvorkehrungen erforderlich.

Der Erweiterungsbau bietet die Möglichkeit, solche Räume an aktuelle Ausbildungsordnungen und technische Entwicklungen anzupassen.

Das ist gerade bei Berufen wichtig, deren Arbeitswelt sich durch Digitalisierung, Elektromobilität, Automatisierung und neue Produktionsverfahren schnell verändert.

Zusammenführung erleichtert Organisation

Der Betrieb mehrerer Schulstandorte verursacht zusätzlichen Aufwand.

Lehrkräfte müssen gegebenenfalls zwischen Gebäuden wechseln, Ausstattung kann nicht immer gemeinsam genutzt werden und Verwaltungsabläufe verteilen sich auf mehrere Adressen.

Ein gemeinsamer Campus kann diese Strukturen vereinfachen. Gleichzeitig entstehen neue Anforderungen an Verkehrswege, Pausenflächen, Mensaangebote, Parkplätze und den öffentlichen Nahverkehr.

Die zentrale Lage muss deshalb so erschlossen werden, dass Schüler aus Eisenach und dem umliegenden Wartburgkreis den Standort zuverlässig erreichen können.

Ausbildungsstandort für den Wartburgkreis

Das Berufsschulzentrum ist nicht nur für Eisenach von Bedeutung.

Viele Auszubildende kommen aus dem Wartburgkreis und teilweise aus angrenzenden Regionen. Sie absolvieren ihre praktische Ausbildung in Betrieben und besuchen für den theoretischen Teil das Berufsschulzentrum.

Die Bundesagentur für Arbeit führt die Einrichtung am Palmental als Berufsschulstandort und Ansprechpartner für Auszubildende und Eltern.

Eine leistungsfähige Berufsschule ist damit ein wichtiger Bestandteil der regionalen Wirtschafts- und Fachkräftepolitik.

Investition soll Unternehmen unterstützen

Unternehmen benötigen Berufsschulen, die fachlich und technisch mit den betrieblichen Anforderungen Schritt halten.

Fehlen geeignete Unterrichtsräume oder moderne Anlagen, kann dies die Qualität und Attraktivität einer Ausbildung beeinträchtigen.

Der neue Campus soll deshalb auch mittelbar den Ausbildungsbetrieben helfen. Je besser schulischer und praktischer Teil aufeinander abgestimmt sind, desto eher können junge Menschen gezielt auf ihren Beruf vorbereitet werden.

Besonders kleine und mittlere Unternehmen sind darauf angewiesen, dass die Berufsschule bestimmte theoretische und technische Ausbildungsinhalte übernimmt.

Neubau und Bestand sollen zusammenspielen

Nach den veröffentlichten Planungsunterlagen soll nicht der gesamte Schulstandort neu errichtet werden.

Vorgesehen ist vielmehr eine Kombination aus bestehenden Gebäuden und einem Erweiterungsbau. Das vollständige Raumprogramm soll auf diese Bereiche verteilt werden.

Damit muss die Planung sicherstellen, dass alte und neue Gebäudeteile funktional zusammenpassen. Dazu gehören barrierefreie Verbindungen, kurze Wege, einheitliche technische Systeme und ausreichender Brandschutz.

Auch der laufende Schulbetrieb muss während der Bauzeit berücksichtigt werden.

Bauablauf muss Unterricht ermöglichen

Große Schulbauprojekte stellen den Schulträger vor organisatorische Herausforderungen.

Lärm, Baustellenverkehr und gesperrte Flächen dürfen den Unterricht möglichst wenig beeinträchtigen. Gleichzeitig müssen Sicherheitsbereiche klar von Schulwegen und Pausenflächen getrennt bleiben.

Je nach Bauabschnitt können vorübergehende Raumänderungen oder Einschränkungen notwendig werden.

Ein genauer Termin für die Fertigstellung wurde in der vorliegenden Mitteilung nicht genannt.

Vertreter aus Politik und Region beim Spatenstich

Am symbolischen Baustart nahmen neben Minister Steffen Schütz auch Eisenachs Oberbürgermeister Christoph Ihling, der Bundestagsabgeordnete und Parlamentarische Staatssekretär Christian Hirte, Landrat Michael Brodführer sowie die Landtagsabgeordnete Ulrike Jary teil.

Hinzu kamen Vertreter der Schule, Planer, Architekten und Bauunternehmen. Den musikalischen Rahmen gestalteten die Suhltalmusikanten.

Der Spatenstich markiert den sichtbaren Beginn der Bauphase. Die eigentliche Bedeutung des Projekts wird sich jedoch an Kostenentwicklung, Baufortschritt und den späteren Bedingungen für Schüler und Lehrkräfte messen lassen.

Die wichtigsten Angaben

Projekt: Erweiterung des Staatlichen Berufsschulzentrums „Heinrich Ehrhardt“
Standort: Palmental in Eisenach
Bisherige Standorte: Palmental, Nordplatz und Siebenborn
Künftige Struktur: gemeinsamer Berufsschulcampus
Geplante Gesamtkosten: knapp 28 Millionen Euro
Beabsichtigte Landesförderung: sechs Millionen Euro
Schülerzahl: rund 1.400
Schulträger: Wartburgkreis

Mit dem Erweiterungsbau am Palmental entsteht in Eisenach ein gemeinsamer Campus für das Berufsschulzentrum „Heinrich Ehrhardt“.

Die Zusammenführung der bislang drei Standorte soll Wege verkürzen, moderne Fachräume schaffen und die Organisation der beruflichen Bildung erleichtern. Für knapp 28 Millionen Euro entsteht damit eine wichtige Investition in Ausbildung und regionale Fachkräftesicherung.

Entscheidend wird sein, dass das Projekt im vorgesehenen Kostenrahmen umgesetzt wird und der Schulbetrieb während der Bauphase möglichst reibungslos weiterlaufen kann.