Sachsen-Anhalt will seinen Schutz vor Hochwasser und Starkregen weiter ausbauen. Umweltminister Armin Willingmann besucht deshalb vom 22. bis 24. Juli 2026 insgesamt zehn Hochwasserschutzprojekte in vier Landkreisen. Unter dem Titel „Sachsen-Anhalt wasserfest“ stehen Schöpfwerke, sanierte Deiche, Flutpolder und mobile Schutzsysteme im Mittelpunkt der dreitägigen Sommertour.

Die Reise führt den Minister in die Landkreise Wittenberg, Anhalt-Bitterfeld und Stendal sowie in den Salzlandkreis. Gemeinsam mit dem Landesbetrieb für Hochwasserschutz und Wasserwirtschaft will sich Willingmann über den Stand wichtiger Bauvorhaben und bereits abgeschlossener Maßnahmen informieren.

Nach Angaben des Umweltministeriums hat Sachsen-Anhalt seit den schweren Hochwassern der Jahre 2002 und 2013 mehr als 1,5 Milliarden Euro in moderne Deiche, Flutpolder, Schöpfwerke und weitere Schutzanlagen investiert.

Hochwassergefahr besteht auch im Sommer

Warme und trockene Wochen dürfen nach Einschätzung des Landes nicht darüber hinwegtäuschen, dass gerade in den Sommermonaten schwere Hochwasserereignisse möglich sind.

Starkregen, lang anhaltende Niederschläge oder Gewitter können Flüsse innerhalb kurzer Zeit anschwellen lassen. Hinzu kommt, dass aus benachbarten Bundesländern und Einzugsgebieten große Wassermengen über Elbe, Saale und weitere Flüsse nach Sachsen-Anhalt gelangen können.

Die sogenannten Jahrhundertfluten von 2002 und 2013 haben weite Teile des Landes getroffen. Deiche brachen, Ortschaften wurden evakuiert und zahlreiche Gebäude, Straßen und landwirtschaftliche Flächen beschädigt.

Auch die Flutkatastrophe im Ahrtal im Juli 2021 zeigte, wie schnell Starkregen und Hochwasser zu einer existenziellen Gefahr für ganze Regionen werden können.

Land setzt auf verschiedene Schutzmaßnahmen

Moderner Hochwasserschutz besteht nicht allein aus höheren oder stärkeren Deichen. Sachsen-Anhalt verfolgt mehrere Ansätze gleichzeitig.

Dazu gehören:

  • die Sanierung und Verstärkung bestehender Deiche,
  • der Bau von Flutpoldern,
  • die Rückverlegung von Deichen,
  • neue und modernisierte Schöpfwerke,
  • mobile Hochwasserschutzelemente,
  • leistungsfähige Wasserwehren,
  • die Sanierung von Wehren und Entwässerungsanlagen.

Flutpolder und zurückverlegte Deiche sollen Flüssen bei hohen Wasserständen zusätzliche Überschwemmungsflächen geben. Dadurch kann der Druck auf Deiche und dicht besiedelte Bereiche sinken.

Schöpfwerke wiederum werden benötigt, um Wasser aus tiefer liegenden Flächen abzupumpen, wenn ein natürlicher Abfluss wegen hoher Flusspegel nicht mehr möglich ist.

Auftakt am neuen Schöpfwerk Gorsdorf

Die Sommertour beginnt am Mittwoch, 22. Juli, im Landkreis Wittenberg. Um 11 Uhr steht die Besichtigung des neuen Schöpfwerks Gorsdorf an der Schwarzen Elster auf dem Programm.

Das Schöpfwerk ist Bestandteil des regionalen Entwässerungs- und Hochwasserschutzsystems. Solche Anlagen helfen, Wasser aus rückwärtigen Flächen kontrolliert abzuleiten und Überschwemmungen zu vermeiden.

Anschließend will sich der Minister bei einem Gespräch in Bad Schmiedeberg über geplante Flutpolderprojekte im Landkreis Wittenberg informieren.

Grundsteinlegung für den Flutpolder Rösa

Um 14.30 Uhr folgt die Grundsteinlegung für das Einlaufbauwerk des Flutpolders Rösa im Landkreis Anhalt-Bitterfeld.

Ein Flutpolder ist eine gezielt nutzbare Rückhaltefläche. Bei besonders hohen Wasserständen kann Wasser kontrolliert in das Gebiet geleitet und dort vorübergehend gespeichert werden.

Dadurch soll die Hochwasserwelle abgeschwächt werden. Unterhalb liegende Ortschaften und Deichabschnitte können so entlastet werden.

Das Einlaufbauwerk entscheidet darüber, wann und in welchem Umfang Wasser in den Polder gelangt. Es zählt damit zu den zentralen technischen Bestandteilen der Anlage.

Saaledeiche und Schöpfwerk Breitenhagen

Der zweite Tourtag beginnt am Donnerstag, 23. Juli, um 10 Uhr mit einer Besichtigung des Schöpfwerks Breitenhagen und sanierter Saaledeiche.

Breitenhagen gehört heute zur Stadt Barby im Salzlandkreis und liegt in einem besonders wasserreichen Gebiet nahe der Saale und der Elbe.

Die Region war in der Vergangenheit wiederholt von Hochwasser betroffen. Neben stabilen Deichen sind dort funktionierende Entwässerungs- und Pumpensysteme besonders wichtig.

Die Besichtigung soll zeigen, wie technische Anlagen und Deichsanierungen zusammenwirken.

Sanierter Elbedeich bei Schönebeck wird freigegeben

Um 11.30 Uhr soll der sanierte Elbedeich „Steinablage“ bei Schönebeck offiziell freigegeben werden.

Die Ertüchtigung bestehender Deichanlagen gehört zu den wichtigsten Aufgaben des Hochwasserschutzes. Alte Deiche entsprechen teilweise nicht mehr den heutigen technischen Anforderungen oder wurden durch frühere Hochwasser beschädigt.

Bei Sanierungen werden unter anderem die Standfestigkeit, die Höhe, die Dichtigkeit und die Zugänglichkeit für Einsatzkräfte verbessert.

Für Schönebeck ist ein verlässlicher Schutz besonders wichtig. Die Stadt liegt unmittelbar an der Elbe und hat während früherer Hochwasser erhebliche Belastungen erlebt.

Mobile Schutzwände für Schönebeck

Am selben Tag erhält die Stadt Schönebeck einen Förderbescheid aus dem Programm „Sachsen-Anhalt Klima III“.

Mit den Fördermitteln sollen mobile Hochwasserschutzelemente beschafft werden. Diese können bei drohenden Überschwemmungen an besonders gefährdeten Stellen aufgebaut werden.

Mobile Systeme ersetzen keine dauerhaften Deiche. Sie sind jedoch dort sinnvoll, wo feste Schutzanlagen aus baulichen, städtebaulichen oder naturschutzrechtlichen Gründen nicht möglich sind.

Auch zur kurzfristigen Sicherung von Straßen, Gebäuden und Durchgängen können sie eingesetzt werden.

Voraussetzung ist, dass ausreichend Material vorhanden ist und die Wasserwehr den Aufbau regelmäßig übt. Im Ernstfall muss jedes Element schnell an den vorgesehenen Standort gelangen.

Pretziener Wehr bleibt zentraler Schutzbau

Um 14 Uhr besucht Willingmann das Pretziener Wehr bei Schönebeck.

Das historische Bauwerk gehört zu den bekanntesten Hochwasserschutzanlagen Sachsen-Anhalts. Es ermöglicht, bei sehr hohen Wasserständen einen Teil des Elbwassers in den Elbeumflutkanal umzuleiten.

Dadurch werden insbesondere Schönebeck und Magdeburg entlastet. Das Wehr ist damit ein wichtiger Bestandteil des Hochwasserschutzsystems an der mittleren Elbe.

Trotz seines Alters erfüllt es bis heute eine zentrale Funktion. Regelmäßige Kontrollen, Wartungen und Sanierungen sind notwendig, damit das Bauwerk im Ernstfall zuverlässig eingesetzt werden kann.

Deichrückverlegungen bei Sandau

Am Freitag, 24. Juli, führt die Sommertour in den Landkreis Stendal.

Um 10 Uhr besichtigt der Umweltminister die umgesetzten Deichrückverlegungen Sandau Süd und Nord.

Bei einer Deichrückverlegung wird eine bestehende Deichlinie weiter vom Fluss entfernt neu aufgebaut. Die Fläche zwischen dem alten und dem neuen Deich steht der Elbe bei hohen Wasserständen als zusätzlicher Überschwemmungsraum zur Verfügung.

Die Maßnahme soll Hochwasserspitzen dämpfen und zugleich naturnahe Auenlandschaften fördern.

Allerdings sind solche Projekte aufwendig. Grundstücksfragen, Landwirtschaft, Naturschutz und örtliche Interessen müssen miteinander abgestimmt werden.

Wehr Neuwerben wird saniert

Um 11.30 Uhr steht die Sanierung des Wehrs Neuwerben in Werben an der Elbe auf dem Programm. Der Termin findet im Bereich der Wehrgruppe Quitzöbel statt.

Wehre regeln Wasserstände und Abflüsse. Ihre Funktionsfähigkeit ist sowohl für den Hochwasserschutz als auch für die Wasserwirtschaft und die umliegenden Flächen von Bedeutung.

Veraltete oder beschädigte Anlagen können bei extremen Wasserständen zu einem Risiko werden. Sanierungen dienen deshalb nicht nur dem laufenden Betrieb, sondern auch der Vorsorge für außergewöhnliche Wetterlagen.

Wasserwehr Seehausen erhält neue Technik

Zum Abschluss der Sommertour besucht Willingmann um 14.30 Uhr die Betriebsstätte des Landesbetriebes für Hochwasserschutz und Wasserwirtschaft in Seehausen.

Dort wird ein Teleskopradlader der Wasserwehr der Stadt vorgestellt. Die Beschaffung wurde ebenfalls über das Programm „Sachsen-Anhalt Klima III“ gefördert.

Ein solches Fahrzeug kann unter anderem Sandsäcke, mobile Schutzelemente, Pumpen und weiteres Einsatzmaterial bewegen.

Gerade bei länger andauernden Hochwasserlagen ist leistungsfähige Technik unverzichtbar. Wasserwehren müssen häufig unter hohem Zeitdruck große Mengen Material transportieren und schwer zugängliche Bereiche erreichen.

Bei dem Termin sollen außerdem Hochwasserschutzmaßnahmen am Fluss Aland vorgestellt werden.

Investitionen seit den Jahrhundertfluten

Die Fluten von 2002 und 2013 haben den Hochwasserschutz in Sachsen-Anhalt grundlegend verändert.

Seitdem wurden zahlreiche Deiche verstärkt, erneuert oder verlegt. Gleichzeitig entstanden neue Schutzanlagen, Rückhalteflächen und technische Einrichtungen.

Mehr als 1,5 Milliarden Euro hat das Land nach eigenen Angaben seit den beiden Extremereignissen investiert.

Die Summe zeigt den Umfang der Aufgabe. Sachsen-Anhalt wird von großen Flüssen wie Elbe, Saale, Mulde, Schwarzer Elster und Havel durchzogen. Hinzu kommen zahlreiche kleinere Flüsse und Entwässerungssysteme.

Viele Städte und Dörfer liegen unmittelbar an den Gewässern oder in tief gelegenen Gebieten.

Hochwasserschutz bleibt eine dauerhafte Aufgabe

Auch nach Milliardeninvestitionen kann es keinen vollständigen Schutz vor jeder denkbaren Flut geben.

Deiche und technische Anlagen werden für bestimmte Wasserstände ausgelegt. Außergewöhnlich starke Hochwasser können diese Grenzen überschreiten.

Zugleich verändern sich Risiken durch zunehmende Wetterextreme, Starkregen und längere Trockenphasen. Ausgetrocknete Böden können bei heftigen Niederschlägen große Wassermengen schlechter aufnehmen.

Deshalb müssen Schutzkonzepte regelmäßig überprüft und angepasst werden.

Neben baulichen Anlagen gehören auch Warnsysteme, Evakuierungspläne, Übungen und einsatzbereite Wasserwehren zu einer wirksamen Vorsorge.

Kommunen und Ehrenamtliche spielen wichtige Rolle

Im Hochwasserfall liegt ein großer Teil der praktischen Arbeit bei den Kommunen, Feuerwehren, Wasserwehren, Hilfsorganisationen und freiwilligen Helfern.

Sie kontrollieren Deiche, füllen Sandsäcke, errichten mobile Schutzwände und unterstützen Evakuierungen.

Das Land kann Anlagen bauen und Förderprogramme auflegen. Im Ernstfall kommt es aber auch darauf an, dass vor Ort ausreichend Personal, Fahrzeuge und Material verfügbar sind.

Investitionen in Technik müssen daher durch Ausbildung, Übungen und klare Zuständigkeiten ergänzt werden.

Sachsen-Anhalt hat aus den schweren Fluten von 2002 und 2013 Konsequenzen gezogen und mehr als 1,5 Milliarden Euro in den Hochwasserschutz investiert.

Die Sommertour von Umweltminister Armin Willingmann zeigt, wie unterschiedlich die Maßnahmen im Land ausfallen: Neue Schöpfwerke, sanierte Deiche, Flutpolder, Rückhalteflächen, mobile Schutzsysteme und moderne Technik für Wasserwehren greifen ineinander.

Vom 22. bis 24. Juli besucht der Minister zehn Projekte in den Landkreisen Wittenberg, Anhalt-Bitterfeld und Stendal sowie im Salzlandkreis.

Entscheidend bleibt, dass begonnene Vorhaben abgeschlossen, bestehende Anlagen instand gehalten und Kommunen dauerhaft handlungsfähig bleiben. Hochwasserschutz ist keine einmalige Investition, sondern eine Aufgabe über