Bäume in großen Pflanzkübeln, Staudenbeete und neue Sitzgelegenheiten verändern derzeit das Bild des Neuen Marktes in Rostock. Die Stadt erprobt mit der temporären Gestaltung, wie der zentrale Platz künftig grüner und einladender werden kann, ohne seine historischen und funktionalen Eigenschaften zu verlieren.
Am Mittwoch, 22. Juli 2026, lädt die Hanse- und Universitätsstadt zu einem Informationsnachmittag auf den Neuen Markt ein. Von 15 bis 17 Uhr können sich Einwohner und Gäste die Gestaltung erklären lassen, mit Fachleuten sprechen und eigene Vorschläge einbringen.
Die Rückmeldungen sollen ausgewertet werden und in die spätere Planung einer dauerhaften Freiraumgestaltung einfließen.
Bürger können ihre Meinung direkt vor Ort sagen
Der Informationsnachmittag wird vom Amt für Stadtgrün, Naturschutz und Friedhofswesen begleitet.
Die Mitarbeiter stellen die einzelnen Elemente der temporären Begrünung vor und erläutern, welche Ziele die Stadt mit der Testphase verfolgt. Besucher können schildern, wie sie die Veränderungen wahrnehmen und was ihnen auf dem Platz noch fehlt.
Dabei geht es unter anderem um folgende Fragen:
- Wie wirken sich die Bäume und Pflanzbeete auf das Erscheinungsbild aus?
- Werden die neuen Sitzgelegenheiten angenommen?
- Wo fehlen Schattenplätze oder weitere Aufenthaltsmöglichkeiten?
- Wie lässt sich mehr Grün mit Märkten und Veranstaltungen vereinbaren?
- Welche Gestaltung passt zum historischen Charakter des Platzes?
Zusätzlich steht eine digitale Umfrage zur Verfügung, die über einen QR-Code aufgerufen werden kann.
Flyer
Hier wirds grün!
Link Umfrage
https://umfrage.rostock.de/questor/l/70GWqHmvmh6O
Neuer Markt soll gemeinsam weiterentwickelt werden
Rostocks Bau- und Stadtplanungssenatorin Ute Fischer-Gäde bezeichnet den Neuen Markt als einen der bedeutendsten Plätze der Stadt.
Die Verwaltung wolle deshalb nicht allein am Schreibtisch entscheiden, wie der Platz langfristig gestaltet wird. Die Erfahrungen der Menschen, die ihn täglich nutzen, sollen in die Planung einbezogen werden.
„Wie erleben die Menschen die neue Begrünung? Was gefällt ihnen? Was fehlt ihnen?“, nennt die Senatorin die zentralen Fragen der Beteiligung.
Jede Rückmeldung könne dabei helfen, die spätere Gestaltung stärker an den tatsächlichen Bedürfnissen von Einwohnern, Gewerbetreibenden, Marktbesuchern und Gästen auszurichten.
Zwei Jahre Test unter realen Bedingungen
Die temporäre Gestaltung ist Teil einer zweijährigen Erprobungsphase.
In diesem und im kommenden Jahr sollen die Elemente jeweils von Juli bis Ende Oktober auf dem Platz stehen. Dadurch kann die Stadt beobachten, wie sich die Begrünung über mehrere Monate hinweg bewährt.
Getestet werden unter anderem:
- die Nutzung der Sitzgelegenheiten,
- die Wirkung der Bäume auf Schatten und Raumgefühl,
- der Pflegeaufwand für Pflanzen und Kübel,
- die Vereinbarkeit mit Wochenmärkten und Veranstaltungen,
- mögliche Wegebeziehungen und Aufenthaltsbereiche,
- die Reaktion von Bürgern und Gästen.
Die zeitlich begrenzte Erprobung ermöglicht Veränderungen, bevor eine endgültige bauliche Lösung beschlossen wird.
17 Baumkübel auf dem Platz
Das aktuelle Begrünungskonzept umfasst insgesamt 17 große Baumkübel mit Solitärbäumen.
Gepflanzt wurden nach Angaben der Stadt klimaangepasste Arten wie:
- Winterlinde,
- Amberbaum,
- Eisenholz,
- Blasenesche.
Diese Bäume sollen mit sommerlicher Hitze, Trockenperioden und den besonderen Bedingungen eines innerstädtischen Platzes zurechtkommen.
Da sie zunächst in mobilen Kübeln stehen, können Positionen verändert und verschiedene Anordnungen getestet werden. So lässt sich überprüfen, an welchen Stellen Schatten, Sichtachsen und Bewegungsflächen am besten miteinander vereinbar sind.
Stauden und Gräser ergänzen die Bäume
Neben den Baumkübeln wurden 21 Pflanzelemente mit Stauden und Gräsern aufgestellt.
Sie sollen zusätzliche Farbe und Struktur auf den bislang überwiegend steinernen Platz bringen. Zugleich können solche Pflanzungen Lebensräume für Insekten schaffen und das Mikroklima im unmittelbaren Umfeld verbessern.
Die Wirkung darf jedoch nicht überschätzt werden. Mobile Beete können eine dauerhafte Begrünung ergänzen und vorbereiten, ersetzen aber keine langfristige Freiraumplanung mit ausreichend großen Pflanzflächen und geeigneten Standortbedingungen.
Die Testphase soll deshalb auch zeigen, welche Pflanzenarten sich an diesem stark genutzten Standort bewähren.
Elf neue Sitzelemente schaffen Aufenthaltsmöglichkeiten
Entlang der Platzkanten wurden elf Sitzelemente aufgestellt.
Sie sollen Menschen ermöglichen, sich auszuruhen, zu warten oder den Platz als Treffpunkt zu nutzen. Gerade für ältere Menschen, Familien mit Kindern und Personen mit eingeschränkter Mobilität sind ausreichend Sitzgelegenheiten in der Innenstadt wichtig.
Sitzplätze entscheiden häufig mit darüber, ob ein Platz nur überquert oder tatsächlich als öffentlicher Aufenthaltsraum genutzt wird.
Auch ihre Positionierung wird während der Testphase beobachtet. Dabei spielen Sonneneinstrahlung, Schatten, Blickrichtungen, Nähe zu Wegen und mögliche Konflikte mit Veranstaltungen eine Rolle.
Wochenmärkte und Feste sollen weiterhin möglich bleiben
Der Neue Markt erfüllt in Rostock viele verschiedene Aufgaben.
Er ist historischer Stadtraum, Treffpunkt, Veranstaltungsfläche und Standort für Wochenmärkte. Diese Nutzungen sollen durch die Begrünung nicht eingeschränkt werden.
Deshalb wurden die mobilen Elemente vor allem entlang der Platzränder angeordnet. Die zentrale Fläche bleibt weitgehend frei und kann weiterhin für Märkte, Feste und größere Veranstaltungen genutzt werden.
Diese Mehrfachnutzung gehört zu den größten Herausforderungen der Planung. Ein stärker begrünter Platz soll zum Verweilen einladen, muss zugleich aber flexibel und belastbar bleiben.
Historischer Charakter soll erhalten bleiben
Der Neue Markt gehört zu den prägenden Stadträumen Rostocks.
Historische Fassaden, Rathaus und Platzstruktur bestimmen sein Erscheinungsbild. Eine dauerhafte Neugestaltung muss deshalb den Denkmalschutz und die städtebauliche Bedeutung des Ortes berücksichtigen.
Die neuen Elemente sollen sich nach Darstellung der Stadt harmonisch in das Umfeld einfügen. Sie sind robust und langlebig gestaltet, sollen sich optisch aber nicht in den Vordergrund drängen.
Die Testphase kann zeigen, welche Materialien, Formen und Größen mit dem historischen Umfeld vereinbar sind.
Mehr Schatten wird in Innenstädten wichtiger
In dicht bebauten Innenstädten heizen sich große versiegelte Flächen an heißen Sommertagen stark auf.
Bäume können Schatten spenden, Verdunstung fördern und die gefühlte Temperatur in ihrem unmittelbaren Umfeld senken. Pflanzbeete können ebenfalls dazu beitragen, harte Steinflächen aufzulockern.
Auf einem historischen Platz ist eine dauerhafte Bepflanzung allerdings nicht einfach. Unter dem Pflaster können Leitungen, archäologische Befunde oder technische Einrichtungen liegen. Auch Veranstaltungen benötigen belastbare und freie Flächen.
Mobile Baumkübel bieten deshalb eine Möglichkeit, die Wirkung von Grün zunächst ohne tiefgreifende bauliche Eingriffe zu erproben.
Aufenthaltsqualität ist mehr als Begrünung
Bäume und Sitzplätze allein machen noch keinen lebendigen Platz.
Zur Aufenthaltsqualität gehören außerdem gute Erreichbarkeit, Barrierefreiheit, Sauberkeit, Beleuchtung, Sicherheit und attraktive Angebote im Umfeld.
Auch gastronomische Nutzungen, Wochenmärkte und kulturelle Veranstaltungen können dazu beitragen, dass sich Menschen länger auf dem Platz aufhalten.
Die Beteiligung sollte deshalb nicht nur nach der Zahl der Bäume fragen. Wichtig ist das Zusammenspiel aller Funktionen und Nutzergruppen.
Unterschiedliche Interessen müssen berücksichtigt werden
Bei der Gestaltung eines zentralen Platzes treffen verschiedene Anforderungen aufeinander.
Anwohner wünschen sich Ruhe und ein angenehmes Umfeld. Händler benötigen ausreichend Platz und gute Erreichbarkeit. Veranstalter brauchen freie Flächen, Zufahrten und technische Infrastruktur. Besucher wünschen sich Schatten, Sitzplätze und Orientierung.
Auch Feuerwehr, Rettungsdienste und Lieferverkehr müssen berücksichtigt werden.
Die Testphase bietet die Gelegenheit, mögliche Konflikte früh zu erkennen. Mobile Elemente können versetzt oder neu angeordnet werden, ohne bereits eine endgültige Entscheidung vorwegzunehmen.
Rückmeldungen fließen in dauerhafte Planung ein
Nach Abschluss der Beteiligung will die Stadt die Rückmeldungen auswerten.
Dabei soll untersucht werden, welche Elemente besonders gut angenommen werden, wo Probleme entstehen und welche Wünsche mehrfach genannt werden.
Die Erkenntnisse sollen in die Planung einer dauerhaften und hochwertigen Freiraumgestaltung einfließen.
Wann eine endgültige Lösung beschlossen und umgesetzt wird, geht aus der Mitteilung noch nicht hervor. Zunächst steht die zweijährige Testphase im Mittelpunkt.
Die wichtigsten Angaben
Veranstaltung: Informationsnachmittag zur temporären Begrünung
Termin: Mittwoch, 22. Juli 2026
Zeit: 15 bis 17 Uhr
Ort: Neuer Markt in Rostock
Veranstalter: Hanse- und Universitätsstadt Rostock
Beteiligung: persönliche Gespräche und digitale Umfrage
Testzeitraum: 2026 und 2027 jeweils von Juli bis Ende Oktober
Begrünung in Zahlen
17 Baumkübel mit Solitärbäumen
21 Pflanzelemente mit Stauden und Gräsern
11 Sitzelemente entlang der Platzkanten
4 genannte Baumarten: Winterlinde, Amberbaum, Eisenholz und Blasenesche
Rostock testet auf dem Neuen Markt, wie mehr Stadtgrün und zusätzliche Sitzplätze die Aufenthaltsqualität verbessern können.
Die Verwaltung setzt dabei zunächst auf mobile Bäume, Pflanzbeete und robuste Sitzgelegenheiten. Märkte, Veranstaltungen und Feste sollen weiterhin ohne Einschränkungen stattfinden können.
Der Informationsnachmittag am 22. Juli bietet Bürgern und Gästen die Möglichkeit, die Gestaltung nicht nur zu betrachten, sondern ihre Erfahrungen und Vorstellungen direkt in die weitere Planung einzubringen.