Der Seniorenbeirat der Landeshauptstadt Schwerin hat eine neue Führung. Auf seiner Sitzung am 15. Juli 2026 wählten die Mitglieder Andrea Preuß-Borowsky zur Vorsitzenden. Antje Werth übernimmt das Amt der stellvertretenden Vorsitzenden.
Die neue Spitze soll den Beirat bis zum Ende der laufenden Amtszeit im Jahr 2029 führen. Zuvor hatte das Gremium am 12. Juni seine bisherige Vorsitzende abgewählt. Zu den Gründen enthält die Mitteilung der Landeshauptstadt keine näheren Angaben.
Der Seniorenbeirat vertritt die Interessen von mehr als 27.300 Schwerinern, die mindestens 65 Jahre alt sind. Damit gehört mehr als jeder vierte Einwohner der Landeshauptstadt zu der Altersgruppe, für die sich das ehrenamtliche Gremium einsetzt.
Anliegen älterer Menschen früher einbringen
Die neue Vorsitzende will die Bedürfnisse älterer Menschen stärker und frühzeitiger in die politischen Entscheidungsprozesse der Stadt einbringen.
„Wir möchten die Anliegen älterer Menschen frühzeitig thematisieren, in die politischen Entscheidungen einbringen und dazu beitragen, dass Schwerin auch für die älteren Menschen lebenswert ist und bleibt“, erklärte Andrea Preuß-Borowsky.
Dazu soll der Seniorenbeirat nicht nur mit Politik und Verwaltung zusammenarbeiten. Auch der Austausch mit Menschen anderer Generationen ist nach Ansicht der Vorsitzenden wichtig.
Die Arbeit des Gremiums betrifft zahlreiche Bereiche des täglichen Lebens. Dazu gehören unter anderem bezahlbares und altersgerechtes Wohnen, Mobilität, medizinische und pflegerische Versorgung, Begegnungsmöglichkeiten, gesellschaftliche Teilhabe und Barrierefreiheit.
Seniorenbeirat besitzt Rede- und Antragsrecht
Der Seniorenbeirat wird von der Schweriner Stadtvertretung bestellt. Er ist damit eine offizielle Interessenvertretung innerhalb der kommunalen Strukturen.
Seine Mitglieder können an Sitzungen der Stadtvertretung, der Fachausschüsse und der Ortsbeiräte teilnehmen. Dort besitzt der Beirat ein Rede- und Antragsrecht, sofern Themen behandelt werden, die ältere Menschen betreffen.
Damit kann das Gremium Hinweise aus der Bevölkerung direkt in politische Beratungen einbringen. Es entscheidet jedoch nicht selbst über kommunale Maßnahmen und verfügt auch nicht über die Zuständigkeiten eines gewählten Ausschusses.
Seine Aufgabe besteht vor allem darin, Entwicklungen aus Sicht älterer Menschen zu bewerten, auf Probleme hinzuweisen und eigene Vorschläge vorzulegen.
Mehr als jeder vierte Schweriner ist mindestens 65 Jahre alt
Die Bedeutung der Seniorenvertretung wächst mit der demografischen Entwicklung. In Schwerin leben derzeit mehr als 27.300 Menschen im Alter von mindestens 65 Jahren.
Damit stellen ältere Einwohner einen erheblichen Teil der Stadtbevölkerung. Ihre Anforderungen an Infrastruktur und öffentliche Dienstleistungen unterscheiden sich teilweise von denen jüngerer Altersgruppen.
Eine alternde Stadt benötigt beispielsweise gut erreichbare Haltestellen, abgesenkte Bordsteine, barrierefreie Gebäude, sichere Fußwege, Sitzmöglichkeiten im öffentlichen Raum und eine ausreichende Versorgung mit Ärzten, Pflegeangeboten und Begegnungsstätten.
Auch die Digitalisierung kommunaler Angebote spielt eine Rolle. Behördliche Leistungen müssen online verfügbar sein, zugleich dürfen Menschen ohne digitale Erfahrung nicht vom Zugang zu wichtigen Informationen ausgeschlossen werden.
Zusammenarbeit mit anderen Beiräten soll verbessert werden
Zu den künftigen Arbeitsschwerpunkten gehört der Ausbau bestehender Netzwerke.
Der Seniorenbeirat will enger mit dem Seniorenbüro, dem Landesseniorenbeirat und dem Behindertenbeirat Schwerin zusammenarbeiten. Ebenso soll die Abstimmung zwischen dem Beirat, der Stadtverwaltung und den politischen Gremien verbessert werden.
Viele Anliegen überschneiden sich. Fehlende Aufzüge, schwer zugängliche Haltestellen oder nicht barrierefreie Verwaltungsgebäude betreffen sowohl ältere Menschen als auch Menschen mit Behinderungen und Familien mit Kinderwagen.
Eine frühzeitige gemeinsame Beratung kann helfen, Probleme bereits während der Planung kommunaler Projekte zu erkennen. Nachträgliche Umbauten sind häufig teurer und aufwendiger als eine von Beginn an barrierefreie Gestaltung.
Beirat soll in der Stadt sichtbarer werden
Ein weiterer Schwerpunkt ist die Öffentlichkeitsarbeit. Der Seniorenbeirat möchte bekannter machen, welche Aufgaben er übernimmt und an wen sich Bürger mit ihren Anliegen wenden können.
Viele Einwohner wissen bislang möglicherweise nicht, dass sie Hinweise, Beschwerden oder Vorschläge an das Gremium richten können.
Geplant sind deshalb verstärkt persönliche Gespräche, Veranstaltungen und regelmäßige Sprechstunden. Der direkte Kontakt soll dabei helfen, nicht nur allgemeine politische Fragen zu behandeln, sondern konkrete Probleme aus einzelnen Stadtteilen aufzunehmen.
Dazu können beispielsweise unsichere Straßenquerungen, fehlende Sitzgelegenheiten, Probleme mit Busverbindungen oder Schwierigkeiten beim Zugang zu öffentlichen Einrichtungen gehören.
Regelmäßige Sprechstunden im Stadthaus
Der Seniorenbeirat bietet regelmäßig Sprechstunden im Schweriner Stadthaus an. Dort können Einwohner ihre Anliegen persönlich vortragen.
Das Gremium arbeitet eng mit der städtischen Beauftragten für Menschen mit Behinderung, Seniorinnen und Senioren zusammen. Diese Zusammenarbeit ermöglicht es, Hinweise aus den Sprechstunden an die zuständigen Bereiche der Verwaltung weiterzugeben.
Nicht jedes Problem kann unmittelbar gelöst werden. Der Beirat kann jedoch nachfragen, zuständige Ansprechpartner vermitteln und Themen in Ausschüsse oder die Stadtvertretung einbringen.
Für Bürger ist das besonders dann hilfreich, wenn unklar ist, welche Behörde oder kommunale Stelle für ein Anliegen zuständig ist.
Wohnen und Pflege bleiben zentrale Themen
Ein wichtiger Bereich der Seniorenpolitik ist das Wohnen. Viele ältere Menschen möchten möglichst lange in ihrer vertrauten Wohnung und ihrem bisherigen Stadtteil bleiben.
Dafür werden barrierearme Wohnungen, erreichbare Einkaufsmöglichkeiten und Unterstützungsangebote benötigt. Auch ambulante Pflege, Hausnotrufsysteme und Nachbarschaftshilfen können dazu beitragen, einen Umzug in eine stationäre Einrichtung hinauszuzögern.
Gleichzeitig wächst der Bedarf an Pflegeplätzen und betreuten Wohnformen. Der Seniorenbeirat kann auf Versorgungslücken aufmerksam machen und die Erfahrungen von Betroffenen in kommunale Planungen einbringen.
Die Stadt kann allerdings nicht alle Entwicklungen selbst steuern. Pflegeversicherung, Personalausstattung und viele medizinische Fragen liegen in der Verantwortung von Land, Bund, Pflegekassen und Trägern.
Mobilität entscheidet über gesellschaftliche Teilhabe
Für ältere Menschen ist Mobilität eine wesentliche Voraussetzung für ein selbstständiges Leben.
Wer nicht mehr selbst Auto fährt, ist auf zuverlässige Busverbindungen, sichere Gehwege und gut erreichbare Haltestellen angewiesen. Auch die Länge von Umsteigewegen und die Verfügbarkeit von Sitzplätzen können darüber entscheiden, ob Arzttermine, Einkäufe oder Veranstaltungen ohne fremde Hilfe erreichbar sind.
Der Seniorenbeirat kann bei Verkehrsplanungen darauf hinweisen, welche Folgen Änderungen von Linienwegen oder Haltestellen für ältere Einwohner haben.
Auch Baustellen und längerfristige Sperrungen sollten aus Sicht der Betroffenen geprüft werden. Umleitungen, die für jüngere Fußgänger nur wenige Minuten länger dauern, können für Menschen mit eingeschränkter Beweglichkeit ein erhebliches Hindernis darstellen.
21 Mitglieder gehören dem Beirat an
Neben Andrea Preuß-Borowsky und Antje Werth gehören dem Seniorenbeirat weitere Mitglieder aus unterschiedlichen Bereichen des gesellschaftlichen Lebens an.
Das Gremium setzt sich nach Angaben der Landeshauptstadt aus insgesamt 21 Personen zusammen. Dazu zählen unter anderem Vertreter mit Erfahrungen aus Vereinen, sozialen Einrichtungen, ehrenamtlicher Arbeit und der Seniorenpolitik.
Diese breite Zusammensetzung soll ermöglichen, unterschiedliche Perspektiven aus den Stadtteilen und Lebensbereichen älterer Menschen aufzunehmen.
Entscheidend wird sein, dass der Beirat seine Positionen gemeinsam entwickelt und gegenüber Politik und Verwaltung geschlossen vertritt.
Die wichtigsten Ziele der neuen Beiratsspitze
Zu den angekündigten Schwerpunkten zählen:
- eine engere Zusammenarbeit mit Seniorenbüro, Landesseniorenbeirat und Behindertenbeirat,
- eine bessere Abstimmung mit Politik und Stadtverwaltung,
- eine stärkere Öffentlichkeitsarbeit,
- regelmäßige Sprechstunden und persönliche Gespräche,
- mehr Beteiligung der Schweriner an seniorenpolitischen Themen,
- die frühzeitige Berücksichtigung älterer Menschen bei kommunalen Entscheidungen.
Mit Andrea Preuß-Borowsky und Antje Werth hat der Seniorenbeirat Schwerin eine neue Spitze. Das Gremium vertritt eine Bevölkerungsgruppe, die inzwischen mehr als ein Viertel der Einwohner der Landeshauptstadt umfasst.
Bis 2029 will der Beirat seine Zusammenarbeit mit Politik, Verwaltung und anderen Interessenvertretungen ausbauen. Zugleich soll er für die Schweriner sichtbarer und leichter erreichbar werden.
Die zentralen Aufgaben liegen bei Themen, die den Alltag unmittelbar bestimmen: Wohnen, Pflege, Mobilität, Begegnung und Barrierefreiheit. Ob die Interessen älterer Menschen ausreichend berücksichtigt werden, entscheidet sich dabei nicht nur in großen Konzepten, sondern häufig an sehr konkreten Bedingungen in den einzelnen Stadtteilen.