Das seit 1991 nicht mehr als Schwimmhalle genutzte Stadtbad in Luckenwalde soll künftig nicht nur baulich gerettet, sondern auch als gemeinschaftlicher Ort neu entwickelt werden. Das Projekt „Stadtbad für Alle – Luckenwalde gestaltet Zukunft“ wurde aus 295 bundesweiten Bewerbungen für die Konzeptionsphase des Förderprogramms „Allzeitorte. Gemeinsam mehr bewegen“ ausgewählt.

Hinter dem Vorhaben stehen das E-WERK Luckenwalde, die Akademie 2. Lebenshälfte und die Stadt Luckenwalde. Das Trio gehört zu 15 ausgewählten Kooperationen, die ihre Ideen von Juli bis November 2026 zu einem tragfähigen Konzept ausarbeiten dürfen. Erst im Dezember entscheidet eine Jury, welche sieben Vorhaben anschließend von Januar 2027 bis September 2029 umfassend gefördert und umgesetzt werden.

Historisches Stadtbad wartet seit 35 Jahren auf eine neue Aufgabe

Das Stadtbad an der Rudolf-Breitscheid-Straße wurde 1928 als Klinkerbau im Stil der Klassischen Moderne errichtet. Seit 1991 dient es nicht mehr als öffentliche Schwimmhalle. Damit blickt das Gebäude inzwischen auf 35 Jahre ohne seine ursprüngliche Nutzung zurück.

Trotz des langen Leerstands sind wesentliche Teile der historischen Architektur erhalten. Die Stadt bezeichnet das Gebäude als nahezu unverfälschtes Zeugnis der 1920er-Jahre und als einen Bau, der Luckenwaldes Ruf als Stadt der Moderne mitgeprägt hat.

Das frühere Bad war für viele Einwohner mehr als eine Sportstätte. Generationen von Luckenwaldern lernten dort schwimmen, besuchten das Bad mit ihren Familien oder verbinden persönliche Erinnerungen mit dem Gebäude. Diese Bindung soll bei der Entwicklung der neuen Nutzung eine wichtige Rolle spielen.

Bundesweit eines von 15 ausgewählten Vorhaben

Das Förderprogramm „Allzeitorte. Gemeinsam mehr bewegen“ wird von der Robert Bosch Stiftung und dem Bundesverband Soziokultur getragen. Gesucht wurden Kooperationen aus Soziokultur, politischer Bildung und einem Ort, den Menschen im Alltag ohnehin regelmäßig aufsuchen.

Insgesamt gingen 295 vollständige Bewerbungen ein. Eine Jury wählte daraus 15 Projekte für eine viermonatige Konzeptionsphase aus. Jedes Team erhält dafür 6.000 Euro sowie fachliche Beratung.

Das Luckenwalder Trio verbindet drei unterschiedliche Aufgabenbereiche:

Das E-WERK bringt Erfahrungen aus Kultur, Kunst und der Wiederbelebung eines historischen Industriegebäudes ein. Die Akademie 2. Lebenshälfte arbeitet seit vielen Jahren in der Erwachsenenbildung und mit älteren Menschen. Die Stadt Luckenwalde verantwortet die bauliche Sicherung und die kommunale Entwicklung des ehemaligen Bades.

Der Bundesverband Soziokultur führt das Projekt unter dem Arbeitstitel „Stadtbad für Alle – Luckenwalde gestaltet Zukunft“. Als Alltagsort wird neben dem Stadtbad ausdrücklich auch ein benachbarter Dönerimbiss genannt.

Gespräche sollen nicht nur im Rathaus stattfinden

Die Beteiligung soll nach den Vorstellungen der Projektpartner nicht auf formelle Sitzungen und klassische Informationsveranstaltungen beschränkt bleiben. Geplant sind Gesprächsformate an Orten, die von den Einwohnern ohnehin genutzt werden.

Dazu könnten Zusammenkünfte auf dem Vorplatz des Stadtbads, Gespräche im benachbarten Imbiss, Baustellenführungen und Befragungen im Stadtgebiet gehören. Die Veranstalter wollen damit auch Menschen erreichen, die gewöhnlich nicht an kommunalen Beteiligungsverfahren teilnehmen.

Die Akademie 2. Lebenshälfte plant unter anderem Dialogspaziergänge und Formate, die persönliche Erinnerungen mit Fragen zur künftigen Nutzung verbinden. Ältere Einwohner, die das Stadtbad noch aus seiner Zeit als Schwimmhalle kennen, treffen dabei auf jüngere Menschen, die das Gebäude erst als möglichen Kultur- und Begegnungsort kennenlernen.

Die Beteiligung soll nicht erst nach der Sanierung beginnen. Vielmehr sollen die Einwohner bereits während der Konzeptentwicklung darüber sprechen können, welche Angebote sie benötigen und welche Verantwortung sie selbst übernehmen könnten.

Drei Millionen Euro für die Sicherung des Gebäudes

Das Stadtbad wurde 2022 in das Bundesprogramm „Nationale Projekte des Städtebaus“ aufgenommen. Für die Sicherung des Gebäudes erhält Luckenwalde zwei Millionen Euro Bundesförderung. Eine weitere Million Euro muss die Stadt aus dem eigenen Haushalt beisteuern. Das bestätigte die Stadt im März 2026.

Mit dem Geld kann das Gebäude allerdings nicht vollständig und makellos saniert werden. Nach Angaben der Stadt reicht die Förderung vor allem für die Beseitigung der schwersten baulichen Schäden und für notwendige Sicherungsmaßnahmen.

Zu den wichtigen Aufgaben gehören Barrierefreiheit, ein zweiter Fluchtweg, Belüftung und Wärmedämmung. Ziel ist es, das denkmalgeschützte Gebäude so herzurichten, dass dort später kulturelle Veranstaltungen, kreative Angebote und Begegnungen stattfinden können.

Die Stadt wartete im Frühjahr noch auf die Baugenehmigung. Parallel dazu wurde bereits an einem Betreiber- und Nutzungskonzept gearbeitet.

Sanierung beantwortet noch nicht die Betreiberfrage

Die bauliche Rettung ist nur ein Teil der Aufgabe. Offen bleibt, wer das Stadtbad später dauerhaft betreibt, Veranstaltungen organisiert, laufende Kosten trägt und die unterschiedlichen Nutzergruppen miteinander verbindet.

Genau an diesem Punkt setzt das neue Projekt an. Die drei Partner wollen verschiedene Träger- und Betreibermodelle prüfen. Denkbar ist eine Konstruktion, bei der Stadt, Kulturakteure, Vereine und Bürger unterschiedliche Aufgaben übernehmen.

Eine solche gemeinschaftliche Verantwortung muss jedoch rechtlich und wirtschaftlich belastbar organisiert werden. Zu klären sind unter anderem Zuständigkeiten, Finanzierung, Versicherung, Gebäudemanagement, Veranstaltungsplanung und der Zugang für unterschiedliche Gruppen.

Für Luckenwalde geht es deshalb nicht nur darum, Ideen zu sammeln. Am Ende der Konzeptionsphase muss erkennbar sein, wie aus Beteiligung ein verlässlicher Betrieb entstehen kann.

E-WERK zeigt, wie alte Gebäude neu genutzt werden können

Das benachbarte E-WERK ist selbst ein Beispiel für die Umnutzung eines historischen Industriegebäudes. Das frühere Braunkohlekraftwerk wurde 1913 errichtet und wird seit 2019 als Kunst- und Energiestandort betrieben.

Für das Stadtbad ist diese Erfahrung besonders wertvoll. Historische Gebäude stellen hohe Anforderungen an Brandschutz, Energieversorgung, Denkmalschutz und laufenden Betrieb. Gleichzeitig können sie eine starke Identität besitzen, die sich durch einen vollständigen Neubau kaum ersetzen lässt.

Eine historische Verbindung zwischen beiden Gebäuden könnte ebenfalls wieder genutzt werden. Nach Angaben der Stadt existiert noch eine Trasse, über die früher Abwärme des Kraftwerks für das Bad verwendet wurde. Diese Form der Wärmeversorgung soll nach Möglichkeit erneut aktiviert werden.

Bedeutung für Luckenwalde und andere Mittelstädte

Viele ostdeutsche Städte verfügen über große öffentliche Gebäude, die nach 1990 ihre ursprüngliche Funktion verloren haben. Dazu gehören Schwimmbäder, Kulturhäuser, Bahnhöfe, Schulen und frühere Industrieanlagen.

Ein Abriss beseitigt zwar kurzfristig den Leerstand, vernichtet aber häufig einen prägenden Teil der Stadtgeschichte. Eine Sanierung ohne langfristige Nutzung birgt wiederum das Risiko, dass Fördermittel in ein Gebäude fließen, dessen Betrieb später nicht gesichert ist.

Luckenwalde versucht, beide Fragen miteinander zu verbinden: die bauliche Rettung des Denkmals und die Entwicklung eines tragfähigen Nutzungskonzepts. Gelingt das, könnte das Stadtbad zu einem Beispiel für andere Mittelstädte werden.

Dafür muss das Vorhaben allerdings mehr leisten als einzelne Veranstaltungen. Der Ort braucht regelmäßige Nutzer, eine gesicherte Finanzierung und Angebote, die verschiedene Generationen und gesellschaftliche Gruppen tatsächlich erreichen.

Programm bietet noch keine endgültige Projektförderung

Die Auswahl unter die 15 Projekte ist ein erster Erfolg, aber noch keine Zusage für die mehrjährige Hauptförderung. Bis November müssen die Partner ihre Projektskizze weiterentwickeln.

Im Dezember 2026 entscheidet die Jury, welche sieben der 15 Teams in die eigentliche Umsetzungsphase aufgenommen werden. Diese Projekte können anschließend bis September 2029 unterstützt werden. Die neue Programmphase sieht Förderungen von bis zu 140.000 Euro vor.

Für Luckenwalde kommt es nun darauf an, in den kommenden Monaten ein überzeugendes Konzept vorzulegen. Dabei müssen die Wünsche der Einwohner ebenso berücksichtigt werden wie die finanziellen und organisatorischen Bedingungen des späteren Betriebs.

Wie sich Bürger beteiligen können

Das Trio will Einwohner frühzeitig in die Entwicklung einbeziehen. Vorgesehen sind Gespräche im Umfeld des Stadtbads, Veranstaltungen auf dem Vorplatz, Führungen durch das Gebäude und weitere Formate im Stadtgebiet.

Interessierte können sich über kommende Termine und Beteiligungsmöglichkeiten beim E-WERK Luckenwalde informieren. Die im Ausgangsmaterial genannte Kontaktadresse lautet korrekt:

info@kunststrom.com

Als Betreff wird „Stadtbad für Alle“ empfohlen.

Das alte Stadtbad Luckenwalde wird mit zwei Millionen Euro Bundesmitteln und einer Million Euro aus dem städtischen Haushalt baulich gesichert. Parallel dazu soll ein Konzept entstehen, das den dauerhaften Betrieb als Kultur-, Begegnungs- und Beteiligungsort ermöglicht.

Die Auswahl für das Programm „Allzeitorte“ verschafft dem Projekt Beratung, Zeit und zunächst 6.000 Euro für die weitere Konzeption. Ob Luckenwalde anschließend zu den sieben langfristig geförderten Vorhaben gehört, entscheidet sich im Dezember 2026.

Bis dahin müssen Stadt, E-WERK, Akademie und Bürgerschaft klären, wer das Gebäude später trägt, wie es finanziert wird und welche Angebote dort dauerhaft Platz finden.