Ein mehr als hundert Jahre alter Gorilla-Schädel steht im Mittelpunkt eines ungewöhnlichen Vortrags im Halberstädter Rathaus. Dr. Albrecht Manegold berichtet, wie das Präparat eines 1910 in Kamerun erlegten Tieres nach Jahrzehnten wiederentdeckt und wissenschaftlich neu eingeordnet wurde.
Vortrag am 11. August im Rathaus
Die Veranstaltung findet am Dienstag, dem 11. August 2026, um 19 Uhr im Ratssaal des Halberstädter Rathauses am Holzmarkt 1 statt.
Veranstalter ist das Museum für Vogelkunde Heineanum. Der Eintritt kostet drei Euro. Mitglieder des Förderkreises können den Vortrag kostenlos besuchen.
Gorilla wurde 1910 in Kamerun erlegt
Referent des Abends ist Dr. Albrecht Manegold, Kurator der Wirbeltiersammlungen am Staatlichen Museum für Naturkunde Karlsruhe.
Er schildert die Geschichte eines Gorillas, der im Jahr 1910 im Süden Kameruns erlegt wurde. Dessen Schädel wurde später über viele Jahrzehnte an einem Karlsruher Gymnasium aufbewahrt.
Erst bei einer genaueren Untersuchung stellte sich heraus, dass der Schädel zu einem vollständigen Skelett gehörte, das gemeinsam mit der präparierten Haut des Tieres wissenschaftlich von besonderer Bedeutung war.
Typusmaterial einer 1912 beschriebenen Gorillaart
Schädel, Skelett und Haut bildeten das sogenannte Typusmaterial einer Gorillaart, die im Jahr 1912 beschrieben worden war.
Als Typusmaterial werden in der zoologischen Forschung jene Exemplare bezeichnet, auf deren Grundlage eine Art erstmals wissenschaftlich beschrieben und benannt wird. Solche Präparate besitzen daher eine besondere Bedeutung für Museen und Forschungseinrichtungen.
Das Skelett und das daraus entstandene Schaupräparat galten jedoch seit Mitte der 1960er-Jahre als verschollen.
Präparat an unerwarteter Stelle wiedergefunden
Durch gezielte Nachforschungen gelang es schließlich, auch das lange verschwundene Schaupräparat wiederzufinden.
Dr. Manegold zeichnet in seinem Vortrag die verschlungenen Wege des Gorillas durch die niedersächsische Museumslandschaft nach. Dabei geht es um frühere Standorte, wechselnde Sammlungen und die Frage, wie ein wissenschaftlich bedeutsames Exponat über Jahrzehnte aus dem Blick geraten konnte.
Der Fund zeigt zugleich, wie wichtig historische Inventarlisten, Museumsarchive und die Zusammenarbeit verschiedener Einrichtungen für die Rekonstruktion alter Sammlungsgeschichten sind.
Google Street View als Hilfsmittel der Forschung
Der Vortrag greift zudem eine ungewöhnliche Frage auf: Kann Google Street View bei der Suche nach einem verschollenen Gorilla helfen?
Damit verbindet Dr. Manegold klassische Museums- und Archivarbeit mit modernen digitalen Recherchemöglichkeiten. Der Titel „Eine unwahrscheinliche Gorilla-Odyssee“ verweist auf die teils überraschenden Stationen, die das Präparat seit seiner Entstehung durchlaufen hat.
Naturkundliche Forschung trifft Museumsgeschichte
Der Abend richtet sich nicht nur an Fachleute. Die Geschichte verbindet Zoologie, historische Forschung und die Arbeit naturkundlicher Museen mit einer fast kriminalistischen Spurensuche.
Im Mittelpunkt steht dabei ein einzelnes Objekt, dessen Herkunft und Bedeutung erst durch die Zusammenführung verstreuter Informationen wieder vollständig sichtbar wurden.
Quellen
• Museum für Vogelkunde Heineanum: Pressemitteilung zum Abendvortrag „Eine unwahrscheinliche Gorilla-Odyssee“, August 2026