Der Hamburger Bahnhof wird während der Berlin Art Week zum Treffpunkt für Museen, Künstler und Kulturverantwortliche aus Berlin und den ostdeutschen Nachbarregionen. Im Mittelpunkt steht das Symposium „Kunsträume Ost“, das nach der gesellschaftlichen Rolle von Museen in Zeiten des demografischen Wandels und politischer Polarisierung fragt.
Programm beginnt mit Sakamoto-Retrospektive
Der Auftakt findet am Donnerstag, dem 10. September 2026, von 19 bis 22 Uhr statt. Dann eröffnet der Hamburger Bahnhof die Ausstellung „Ryuichi Sakamoto. seeing sound, hearing time“.
Auf rund 1.500 Quadratmetern präsentiert das Museum nach eigenen Angaben die erste große europäische Retrospektive des japanischen Komponisten und Künstlers. Das weitere Programm der Berlin Art Week läuft bis zum 13. September.
„Kunsträume Ost“ nimmt regionale Museen in den Blick
Am Freitag, dem 11. September, findet von 11 bis 17 Uhr die zweite Ausgabe der Hamburger Bahnhof Art Week Talks statt. Unter dem Titel „Kunsträume Ost: Zur Rolle der Museen in Berlins Nachbarländern“ wird die Kulturlandschaft außerhalb der Hauptstadt diskutiert.
Im Mittelpunkt stehen fünf Themenfelder: Stadtmarketing, die Bedeutung lokaler Kunstszenen, Museen als politische und gesellschaftliche Diskursräume, die Gewinnung neuer Besuchergruppen sowie die Vermittlungsarbeit.
Vertreter aus Chemnitz, Leipzig und Zwickau dabei
Im ersten Gespräch geht es um Museen als Akteure des Stadtmarketings. Mitwirken sollen unter anderem Ulrike Lorenz von der Klassik Stiftung Weimar und Anja Richter vom Museum Gunzenhauser der Kunstsammlungen Chemnitz.
Über die Rolle lokaler Kunstszenen sprechen anschließend Jenny Graser vom Museum der bildenden Künste Leipzig und Fanny Stoye von den Kunstsammlungen Zwickau und dem Max-Pechstein-Museum. Diskutiert wird, wie Museen ihre Stadt und Region abbilden können, ohne zu reinen Heimatschauen zu werden.
Museen als Orte politischer Debatten
Ein weiteres Podium beschäftigt sich mit Museen als Diskursräumen in politisch aufgeladenen Zeiten. Dabei soll diskutiert werden, wie sich Kulturinstitutionen gesellschaftlich positionieren können, ohne parteipolitisch zu werden.
Teilnehmer sind Till Fellrath, Direktor des Hamburger Bahnhofs, Annegret Laabs vom Kunstmuseum Magdeburg Kloster Unser Lieben Frauen und Barbara Steiner von der Stiftung Bauhaus Dessau.
Demografischer Wandel verändert das Publikum
Auch die Frage nach der gesellschaftlichen Reichweite von Museen spielt eine zentrale Rolle. Besuchszahlen allein seien kein ausreichender Maßstab für ihre Bedeutung, heißt es in der Ankündigung.
Vertreter aus Schwerin, Altenburg und Berlin sprechen darüber, wie ostdeutsche Museen Menschen außerhalb des klassischen Kunstpublikums erreichen können. Besonders berücksichtigt werden Regionen, die von Bevölkerungsrückgang, begrenzten finanziellen Mitteln und politischen Spannungen geprägt sind.
Cottbus, Dresden und Rostock diskutieren Vermittlung
Zum Abschluss des Symposiums geht es um die Kunstvermittlung. Diskutiert wird, welche Angebote Museen als offene Orte der Begegnung stärken können und wie sie unterschiedliche Besuchergruppen ansprechen.
Beteiligt sind unter anderem Ulrike Kremeier vom Brandenburgischen Landesmuseum für moderne Kunst in Cottbus und Frankfurt (Oder), Claudia Schmidt von den Staatlichen Kunstsammlungen Dresden sowie Jörg-Uwe Neumann von der Kunsthalle Rostock.
Führung mit Shiro Takatani
Am Freitag um 17 Uhr führen die Kuratorinnen Ingrid Buschmann und Sachiko Namba gemeinsam mit dem Künstler Shiro Takatani durch die neue Sakamoto-Ausstellung.
Die Führung findet in englischer Sprache statt. Für die Teilnahme ist ein gültiges Museumsticket erforderlich. Wegen der begrenzten Teilnehmerzahl ist eine vorherige Anmeldung vorgesehen.
Tanz und elektronische Musik im Museumsgarten
Von 19 bis 22 Uhr folgt am Freitagabend eine Live-Performance in Zusammenarbeit mit Kuboraum.
Gezeigt wird „De Brujas y Fantasmas“ der in Los Angeles lebenden Choreografin und Tänzerin Kianí del Valle mit einer Komposition von Ziúr. Die Produktion verbindet elektronische Musik, zeitgenössischen Tanz und rituelle Gesten.
Gespräche mit Giulia Andreani und Carsten Nicolai
Am Samstag, dem 12. September, spricht die Künstlerin Giulia Andreani ab 12 Uhr über ihre Einzelausstellung „Sabotage“, die an diesem Wochenende endet.
Um 15 Uhr folgt ein Gespräch mit Carsten Nicolai. Ein Werk des Künstlers ist Teil der neu eröffneten Ryuichi-Sakamoto-Ausstellung.
Ausstellungen bis 22 Uhr geöffnet
Während der Berlin Art Week gelten im Hamburger Bahnhof verlängerte Öffnungszeiten. Am Freitag und Samstag können sämtliche Ausstellungen jeweils von 11 bis 22 Uhr besucht werden.
Die Teilnahme am Veranstaltungsprogramm ist grundsätzlich kostenlos und ohne Anmeldung möglich. Ausnahmen gelten unter anderem für die Führung durch die Sakamoto-Retrospektive.
Quellen
• Hamburger Bahnhof – Nationalgalerie der Gegenwart: „Programm und Sonderöffnungszeiten zur Berlin Art Week“, Pressemitteilung vom 5. August 2026
• Staatliche Museen zu Berlin: Pressemappe zur Berlin Art Week vom 10. bis 13. September 2026