Nico Klose ist seit einem Jahr Oberbürgermeister der Vier-Tore-Stadt Neubrandenburg. Am 17. Juli 2025 hatte der parteilose Kommunalpolitiker seinen Amtseid abgelegt. Nach seinen ersten zwölf Monaten im Rathaus fällt die Bilanz arbeitsreich aus: Große Bauvorhaben, Veränderungen innerhalb der Verwaltung und die Suche nach Fördermitteln bestimmen den Alltag des 39-Jährigen.
Klose beschreibt das Amt als den bislang anstrengendsten, zugleich aber auch schönsten und spannendsten Beruf seines Lebens. Die Leitung einer Stadt in der Größenordnung Neubrandenburgs sei mit deutlich größeren Anforderungen verbunden als seine frühere Tätigkeit als Bürgermeister der Gemeinde Neverin. Lange Arbeitstage gehörten inzwischen zum Alltag.
Zwei neue Schulen, Schwimmhalle und Jahnsportforum
Im Mittelpunkt der kommenden Jahre stehen mehrere große Bau- und Sanierungsvorhaben. Geplant sind unter anderem:
- zwei Schulneubauten,
- eine neue Schwimmhalle,
- die Sanierung des Jahnsportforums.
Das gesamte Investitionsvolumen liegt nach Angaben des Oberbürgermeisters bei deutlich mehr als 100 Millionen Euro. Damit beginnt für Neubrandenburg eine Phase, in der nicht mehr allein das Sparen, sondern vor allem die Umsetzung langfristig aufgeschobener Projekte im Vordergrund steht.
Die Vorhaben betreffen zentrale Bereiche der kommunalen Daseinsvorsorge. Schulen, Sportanlagen und öffentliche Gebäude werden täglich von Tausenden Einwohnern genutzt. Gleichzeitig steigen Baupreise, Personalaufwendungen und laufende Betriebskosten. Jeder Neubau schafft deshalb nicht nur neue Möglichkeiten, sondern verursacht über Jahrzehnte zusätzliche finanzielle Verpflichtungen.
Fördermittel werden zur entscheidenden Frage
Ob sämtliche Projekte tatsächlich umgesetzt werden können, hängt wesentlich von der Unterstützung durch das Land Mecklenburg-Vorpommern und den Bund ab. Neubrandenburg muss bei geförderten Vorhaben regelmäßig einen eigenen Finanzierungsanteil leisten.
Gerade dieser Eigenanteil könnte zum Problem werden. Förderprogramme helfen einer Stadt nur dann, wenn sie auch das notwendige kommunale Geld beisteuern kann. Klose sieht daher einen wichtigen Teil seiner Arbeit darin, Fördermittel einzuwerben und gegenüber Landes- und Bundespolitik die besondere Bedeutung Neubrandenburgs hervorzuheben.
Die Vier-Tore-Stadt übernimmt als Oberzentrum zahlreiche Aufgaben für das Umland. Nach Kloses Darstellung versorgt Neubrandenburg mit seinen Einrichtungen und Angeboten eine Region mit mehr als 400.000 Menschen. Große Sportstätten, Schulen, Kulturangebote, medizinische Einrichtungen und Verwaltungsleistungen werden daher nicht nur von Einwohnern der Stadt genutzt.
Investieren statt Stillstand
Klose setzt erkennbar auf Investitionen und warnt damit indirekt vor einem dauerhaften Verschieben notwendiger Arbeiten. Werden Schulen, Schwimmhallen oder Sportstätten nicht rechtzeitig saniert, steigen die Kosten häufig weiter. Aus kleineren Mängeln können umfangreiche Sanierungsfälle oder vollständige Ersatzneubauten werden.
Dennoch muss die Stadt genau prüfen, welche Projekte sie gleichzeitig tragen kann. Ein Investitionsprogramm von mehr als 100 Millionen Euro erfordert belastbare Kostenplanungen, klare Prioritäten und eine realistische Betrachtung der späteren Betriebskosten.
Nicht jedes politisch gewünschte Vorhaben kann automatisch zur selben Zeit begonnen werden. Entscheidend wird sein, ob es Klose gelingt, Förderzusagen, städtische Eigenmittel und die tatsächlichen Kapazitäten der Bauverwaltung miteinander zu verbinden.
Neubrandenburgs Haushalt bleibt angespannt
Bereits beim Haushalt für 2026 wurde ein Defizit von rund 20 Millionen Euro eingeplant. Für die folgenden Jahre wurden unter anderem steigende Personalkosten und eine höhere Kreisumlage als Belastungen genannt. Damit treffen die geplanten Großinvestitionen auf eine ohnehin schwierige kommunale Finanzlage.
Der Oberbürgermeister steht damit vor einem klassischen kommunalpolitischen Spannungsfeld: Einerseits darf Neubrandenburg seine Infrastruktur nicht weiter verschleißen lassen. Andererseits können hohe Eigenanteile, Kredite und Folgekosten den städtischen Haushalt über viele Jahre einschränken.
Eine solide Investitionspolitik muss deshalb unterscheiden zwischen zwingend notwendigen Vorhaben, wirtschaftlich sinnvollen Projekten und Wünschen, die sich die Stadt möglicherweise erst später leisten kann.
Umbau innerhalb des Rathauses
Kloses erstes Amtsjahr war auch von organisatorischen Veränderungen in der Verwaltung geprägt. Im Juni 2026 kündigte die Stadt eine Anpassung ihrer Verwaltungsstruktur an künftige Aufgaben an. Nach Darstellung des Oberbürgermeisters ging es dabei nicht um eine Auf- oder Abwertung einzelner Bereiche, sondern um eine sinnvollere Zuordnung von Zuständigkeiten.
Solche Veränderungen sind besonders wichtig, wenn eine Stadt gleichzeitig mehrere große Bauprojekte vorbereitet. Förderanträge, Vergaben, Planungsverfahren und Bauüberwachung benötigen ausreichend qualifiziertes Personal und klare Verantwortlichkeiten.
Politische Ankündigungen allein errichten keine Schule und sanieren keine Sporthalle. Die Leistungsfähigkeit der Verwaltung wird daher mitentscheiden, ob aus den Plänen tatsächlich fertige Projekte werden.
Direkte Gespräche statt großer Inszenierung
Klose betont, dass für ihn der direkte Austausch mit den Einwohnern wichtiger sei als öffentliche Auftritte. Er wolle arbeiten und nicht lediglich auf Bühnen stehen. In seinem ersten Amtsjahr habe er deshalb zahlreiche Gespräche geführt und versucht, sich in die unterschiedlichen Themen der Stadt einzuarbeiten.
Dieser Ansatz passt zu seinem Wahlkampf als parteiloser Kandidat. Klose hatte die Stichwahl 2025 deutlich gewonnen und damit Silvio Witt abgelöst, der sein Amt vorzeitig aufgegeben hatte. Kloses reguläre Amtszeit läuft bis Juli 2032.
Das zweite Amtsjahr wird konkreter
Nach zwölf Monaten kann ein Oberbürgermeister vor allem Strukturen ordnen, Projekte übernehmen und politische Prioritäten setzen. Im zweiten Amtsjahr wird stärker sichtbar werden, welche Vorhaben tatsächlich finanzierbar sind und in welcher Reihenfolge sie umgesetzt werden.
Klose wird sich daran messen lassen müssen, ob die angekündigten Investitionen vorankommen, ohne die finanzielle Handlungsfähigkeit Neubrandenburgs zu gefährden. Dazu gehören transparente Kosten, realistische Zeitpläne und eine offene Kommunikation über mögliche Verzögerungen.
Die Stadt braucht Investitionen. Sie braucht aber ebenso eine klare Antwort auf die Frage, wie Eigenanteile und spätere Betriebskosten bezahlt werden sollen. Der Erfolg von Kloses Kurs entscheidet sich deshalb nicht an der Zahl der angekündigten Projekte, sondern daran, wie viele davon solide finanziert und dauerhaft betrieben werden können.