Sachsens Ministerpräsident Michael Kretschmer will sich in die anstehenden Landtagswahlkämpfe in Sachsen-Anhalt und Mecklenburg-Vorpommern einschalten. Der CDU-Politiker kündigte an, seine Parteifreunde in beiden ostdeutschen Ländern bei Wahlkampfveranstaltungen zu unterstützen.

In Sachsen-Anhalt stellt die CDU mit Sven Schulze bereits den Ministerpräsidenten. In Mecklenburg-Vorpommern tritt die Partei dagegen mit Landeschef Daniel Peters an und wirbt für einen Regierungswechsel nach Jahren unter SPD-Ministerpräsidentin Manuela Schwesig.

Kretschmer setzt auf Sven Schulze

Für Sachsen-Anhalt zeigte sich Kretschmer überzeugt, dass Sven Schulze das Amt des Ministerpräsidenten verteidigen könne. Der CDU-Politiker sei klar in seinen Positionen und eng im Land verankert.

Schulze führt die CDU in die Landtagswahl am 6. September 2026. Er übernahm das Amt des Ministerpräsidenten nach dem Rückzug seines langjährigen Vorgängers Reiner Haseloff und soll der Partei Kontinuität und zugleich einen personellen Neuanfang vermitteln.

Die Ausgangslage ist für die CDU dennoch schwierig. In aktuellen Umfragen liegt die AfD in Sachsen-Anhalt deutlich vor den Christdemokraten. Die CDU versucht deshalb, ihre eigenen Mitglieder bundesweit zu mobilisieren und verstärkt auf Haustürwahlkampf sowie prominente Unterstützung aus anderen Landesverbänden zu setzen.

In Mecklenburg-Vorpommern wirbt Kretschmer für einen Wechsel

Auch in Mecklenburg-Vorpommern will Kretschmer Wahlkampftermine übernehmen. Dort wird am 20. September 2026 ein neuer Landtag gewählt.

Obwohl Kretschmer die Arbeit von Ministerpräsidentin Manuela Schwesig persönlich würdigte, sprach er sich für einen politischen Wechsel und eine stärkere Rolle der CDU aus. Mecklenburg-Vorpommern brauche nach seiner Einschätzung neue Dynamik, besonders in der Bildungspolitik und bei der Entwicklung des ländlichen Raumes.

Die CDU tritt dort mit Daniel Peters als Spitzenkandidaten an. Der Landesverband beschloss im Juni sein Wahlprogramm und stellt unter anderem wirtschaftliche Entwicklung, Bildung, Infrastruktur und die Stärkung ländlicher Regionen in den Mittelpunkt.

CDU steht in beiden Ländern unter Druck

Die Unterstützung Kretschmers zeigt, welche Bedeutung die Bundespartei den beiden ostdeutschen Wahlen beimisst. Sowohl in Sachsen-Anhalt als auch in Mecklenburg-Vorpommern liegt die AfD in Umfragen vor der CDU.

In Sachsen-Anhalt regiert derzeit eine Koalition aus CDU, SPD und FDP. In Mecklenburg-Vorpommern führt Schwesig eine rot-rote Regierung aus SPD und Linken. Die CDU kämpft dort darum, nach dem schwachen Ergebnis von 2021 wieder zur bestimmenden Kraft im bürgerlichen Lager zu werden.

Für die Union geht es daher nicht nur um zwei Landesregierungen. Ein schlechtes Abschneiden würde auch die Diskussion darüber verschärfen, ob die CDU in Ostdeutschland noch genügend Wähler erreicht, die sich in den vergangenen Jahren von ihr abgewandt haben.

Kretschmer bringt Erfahrungen aus Sachsen mit

Michael Kretschmer zählt zu den bekanntesten ostdeutschen CDU-Politikern. Er regiert Sachsen seit 2017 und wurde nach der Landtagswahl 2024 erneut zum Ministerpräsidenten gewählt.

Seine Unterstützung soll der CDU Glaubwürdigkeit bei Themen verschaffen, die in den ostdeutschen Ländern ähnlich gelagert sind:

  • wirtschaftliche Entwicklung außerhalb der Großstädte,
  • bezahlbare Energie,
  • Infrastruktur und Mobilität,
  • Bildung und Fachkräftemangel,
  • medizinische Versorgung im ländlichen Raum,
  • innere Sicherheit und Migration.

Kretschmer hatte bereits im Frühjahr gewarnt, dass ausbleibende Reformen auf Bundesebene die politische Stabilität ganzer Länder gefährden könnten. Dabei verwies er ausdrücklich auf das Erstarken der AfD in Sachsen-Anhalt und Mecklenburg-Vorpommern.

Prominente Hilfe ersetzt keine überzeugende Landespolitik

Der Einsatz Kretschmers kann Aufmerksamkeit erzeugen und zusätzliche Wahlkämpfer mobilisieren. Entscheidend bleibt jedoch, ob die CDU in beiden Ländern eigene glaubwürdige Antworten auf die regionalen Probleme bietet.

Wähler in Sachsen-Anhalt und Mecklenburg-Vorpommern entscheiden nicht über die Bilanz der sächsischen Staatsregierung. Sie werden beurteilen, ob Sven Schulze und Daniel Peters konkrete Lösungen für Schulen, Kommunalfinanzen, Wirtschaft, Energiepreise und den ländlichen Raum vorlegen.

Kretschmers Auftritte können den Wahlkampf verstärken. Den Nachweis, dass die CDU in beiden Ländern tatsächlich einen politischen Aufbruch anbieten kann, müssen jedoch die jeweiligen Spitzenkandidaten selbst erbringen.