Wie lebten, liebten und träumten die Menschen in der DDR – und wie spiegelte sich ihr Alltag auf der Kinoleinwand? Mit zwei Ausstellungen widmet sich das Filmmuseum Potsdam im Jubiläumsjahr 2026 intensiv der Geschichte der DEFA. Im Mittelpunkt steht die Sonderausstellung „Ohne Frühstück. Ohne Diskussion – 80 Jahre DEFA-Filme“. Ergänzt wird sie durch „Diene ehrlich friedlichem Aufbau“, eine Ausstellung über die außergewöhnliche Aufbruchphase des deutschen Films unmittelbar nach dem Zweiten Weltkrieg.
Die DEFA wurde 1946 gegründet und entwickelte sich zum zentralen Spielfilmstudio der DDR. Potsdam und insbesondere Babelsberg sind bis heute eng mit dieser Filmgeschichte verbunden. Die Landeshauptstadt unterstützt die große Sonderausstellung auch im Rahmen ihres Filmjahres 2026.
DDR-Leben nicht nur durch Politik betrachten
Die Ausstellung „Ohne Frühstück. Ohne Diskussion – 80 Jahre DEFA-Filme“ richtet den Blick nicht ausschließlich auf staatliche Vorgaben, Zensur oder politische Botschaften.
Stattdessen werden verschiedene Bereiche des täglichen Lebens betrachtet und mit ausgewählten DEFA-Produktionen verbunden. Dazu gehören Themen, die Menschen unabhängig von politischen Systemen beschäftigen: Essen und Trinken, Liebe und Sexualität, Freiheit, Fernweh, persönliche Wünsche und gesellschaftliche Erwartungen.
Jeweils mehrere Filme werden einzelnen Themenbereichen zugeordnet. Dadurch soll sichtbar werden, wie unterschiedlich die DEFA gesellschaftliche Erfahrungen aufgriff.
Die Produktionen waren keineswegs nur Ausdruck der offiziellen politischen Linie. Filmschaffende entwickelten auch eigensinnige Perspektiven und griffen Sehnsüchte, Konflikte und Bedürfnisse der Bevölkerung auf.
Vergleich zwischen Film und Wirklichkeit
Die Ausstellung lädt Besucher dazu ein, die filmische Darstellung mit den tatsächlichen Lebensbedingungen in der DDR zu vergleichen.
Damit entsteht ein Bild, das weder allein nostalgisch noch ausschließlich politisch angelegt ist.
Vielmehr soll sichtbar werden, welche Vorstellungen von Alltag, Beziehungen, Freiheit oder Konsum auf der Leinwand entstanden und wie diese mit den gesellschaftlichen Rahmenbedingungen ihrer Zeit zusammenhingen.
Für das Filmmuseum ist das 80-jährige Gründungsjubiläum zugleich Anlass, Bestände aus den eigenen Sammlungen unter einem neuen Blickwinkel zu präsentieren.
Die ersten Filme nach der NS-Diktatur
Die zweite Ausstellung setzt zeitlich deutlich früher an.
„Diene ehrlich friedlichem Aufbau“ beschäftigt sich mit den Jahren unmittelbar nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs. Deutschland lag 1945 nach zwölf Jahren nationalsozialistischer Herrschaft und sechs Jahren Krieg weitgehend in Trümmern. Hunger, Wohnungsnot und politische Orientierungslosigkeit bestimmten den Alltag.
In dieser Situation gründeten Filmschaffende zunächst das sogenannte Filmaktiv. Daraus entwickelte sich später die DEFA.
Die frühen Filme beschäftigten sich intensiv mit der Frage, wie Nationalsozialismus und Krieg möglich geworden waren und welche Verantwortung daraus für die neue Gesellschaft entstand.
„Die Mörder sind unter uns“ wird zum Symbol des Neubeginns
Zu den bedeutenden Produktionen dieser Zeit gehört „Die Mörder sind unter uns“.
Der Film war einer der ersten deutschen Spielfilme nach dem Zweiten Weltkrieg und gehört zu den Werken, anhand derer die Ausstellung den filmischen Neubeginn betrachtet.
Daneben werden unter anderem „Ehe im Schatten“ und „Der Rat der Götter“ genannt. Alle drei Produktionen beschäftigen sich auf unterschiedliche Weise mit Nationalsozialismus, Krieg, Verantwortung und moralischem Neubeginn.
Die Ausstellung will damit zeigen, welchen gesellschaftlichen Stellenwert Film in den ersten Nachkriegsjahren besaß.
Film sollte Antworten auf eine zerstörte Gesellschaft geben
Für die frühen DEFA-Filmemacher ging es nicht nur darum, Kinos wieder mit neuen Produktionen zu versorgen.
Die Filme stellten grundsätzliche Fragen: Wie konnte eine Gesellschaft dem Nationalsozialismus folgen? Wie sollten Schuld und Verantwortung behandelt werden? Und welche gesellschaftliche Ordnung sollte nach der Katastrophe entstehen?
Gerade diese Phase bezeichnet die Ausstellung als historisch außergewöhnliche Leistung der ersten Nachkriegsjahre.
Potsdam macht 2026 zum Filmjahr
Die Ausstellungen stehen zugleich in einem größeren Zusammenhang.
Potsdam begeht 2026 ein Filmjahr und erinnert dabei besonders an das 80. Gründungsjubiläum der DEFA. Die Geschichte des Studios hat die Entwicklung Potsdams als Filmstadt nachhaltig geprägt.
Die Stadt gehört heute zum UNESCO-Netzwerk der Creative Cities of Film.
Neben den Ausstellungen sind im Laufe des Jahres weitere Veranstaltungen rund um die DEFA und die Potsdamer Filmgeschichte vorgesehen. Dazu gehört beispielsweise eine große DEFA-Filmmusikgala im Oktober.
Ausstellung läuft bis 2027
„Diene ehrlich friedlichem Aufbau“ ist im Filmmuseum noch bis zum 2. Mai 2027 zu sehen.
Damit bleibt Besuchern noch mehrere Monate Zeit, sich mit der unmittelbaren Nachkriegszeit und der Entstehung der DEFA auseinanderzusetzen.
Die große Sonderausstellung „Ohne Frühstück. Ohne Diskussion – 80 Jahre DEFA-Filme“ ergänzt diesen historischen Blick um die Jahrzehnte danach.
Gemeinsam erzählen beide Ausstellungen damit eine Geschichte, die vom filmischen Neubeginn nach 1945 bis zum gesellschaftlichen Alltag in der DDR reicht.
Quellen
Filmmuseum Potsdam – Wechselausstellungen
Landeshauptstadt Potsdam – Filmstadt Potsdam und DEFA-Jubiläum 2026
Landeshauptstadt Potsdam – Veranstaltungskalender Filmmuseum Potsdam