Ein archäologischer Fund, ein mögliches vergessenes Meisterhaus und die Frage, wie Geschichte überhaupt entsteht: Aus diesen Zutaten entwickeln Astrup & Bordorff ihre neue Arbeit für das Bauhaus Museum Dessau. Die Ausstellung verbindet Film und Installation und nimmt historische Überlieferung nicht als etwas Abgeschlossenes, sondern als Ausgangspunkt für neue Deutungen.

Eröffnet wird „Gong | Schlag | Pfiff. Astrup & Bordorff“ am Samstag, dem 5. September 2026, um 15.30 Uhr. Es ist die erste Einzelausstellung des dänischen Künstlerinnenduos in Deutschland.

Abflussrohre werden zum Ausgangspunkt einer fiktiven Geschichte

Im Zentrum der Ausstellung steht der Kammerspielfilm „Drainpipe Dreams“.

Sein Ausgangspunkt sind historische Abflussrohre, die 2007 bei archäologischen Untersuchungen an den ehemaligen Meisterhäusern von Walter Gropius und László Moholy-Nagy gefunden wurden. Die Stücke befinden sich heute im Bauforschungsarchiv der Stiftung Bauhaus Dessau.

Einige der Fundstücke lassen sich keinem bestimmten Haus eindeutig zuordnen. Genau diese Unsicherheit greifen Kirsten Astrup und Maria Bordorff auf.

Daraus entwickeln sie die Geschichte eines möglichen fünften, vergessenen Meisterhauses und seiner Bewohnerinnen.

Zwischen Forschung, Begehren und Spekulation

Im Film gerät ein kleines Team von Wissenschaftlerinnen in eine Recherche, bei der sich historische Hinweise, beruflicher Ehrgeiz, Faszination und queeres Begehren miteinander verbinden.

Die Suche nach Spuren des vermeintlichen fünften Meisterhauses wird dabei zu einer Auseinandersetzung mit Geschichtsschreibung selbst.

„Drainpipe Dreams“ betrachtet Geschichte nach Angaben der Stiftung nicht als unveränderliches Gefüge von Fakten. Vielmehr wird sie als etwas verstanden, das durch Interpretation, Imagination und Verlangen immer wieder neu geformt wird. Damit eröffnet der Film eine queer-feministische Perspektive auf die Geschichte und Überlieferung des Bauhauses.

Monumentales Abflussrohr im Ausstellungsraum

Der Film wird im Bauhaus Museum nicht für sich allein präsentiert.

Für die Ausstellung entstand eine eigene bühnenbildartige Szenografie, die Formen und Farben der Dessauer Meisterhäuser aufgreift. Die Installation „Pipe Dreamer“ führt die Erzählung des Films räumlich weiter.

Im Mittelpunkt steht die monumentale Nachbildung eines Abflussrohres.

Das Objekt bewegt sich bewusst zwischen Architektur, archäologischem Fundstück und körperlicher Form. Es soll als eine Art Verbindung zwischen Vergangenheit und Gegenwart funktionieren.

Gedreht wurde auf der historischen Bauhausbühne

Astrup & Bordorff arbeiten seit 2018 gemeinsam.

Ihre künstlerische Praxis verbindet Film, Theater, eigens komponierte Musik und Performance. „Drainpipe Dreams“ entwickelt diesen Ansatz erstmals zu einem narrativen Kammerspiel weiter.

Für die Recherche lebten die beiden Künstlerinnen während dreier Aufenthalte gemeinsam mit ihren drei Kindern im Meisterhaus Schlemmer.

Gerade die Spannung zwischen einem als Denkmal besuchten Gebäude und dem tatsächlichen Alltag darin wurde nach Angaben der Stiftung zu einem wichtigen Impuls für den Film.

Gedreht wurde im Januar 2026 in Dessau, unter anderem auf der historischen Bauhausbühne und mit Architekturmodellen aus den Beständen der Stiftung. Weitere Aufnahmen entstanden im April in einem Filmstudio in Kopenhagen.

Ausstellung gehört zum Bauhausfest-Wochenende

Die Eröffnung am 5. September ist Teil des Bauhausfest-Wochenendes am 4. und 5. September.

Das Bauhausfest selbst findet am Bauhausgebäude statt und wird dort mit einem eigenen Programm fortgesetzt.

Bereits am Vorabend der Ausstellungseröffnung gibt es Gelegenheit, die Künstlerinnen kennenzulernen.

Artist Talk, Führung und Ausstellungseröffnung

Am Freitag, dem 4. September, um 20 Uhr sprechen Astrup & Bordorff bei einem Artist Talk in der Designshop Lounge im Bauhausgebäude mit Leoni Fischer von der Stiftung Bauhaus Dessau über ihre Arbeit.

Die Berliner Cellistin und Vokalistin Mathilde Vendramin interpretiert dabei Musik aus „Drainpipe Dreams“.

Am 5. September um 11 Uhr folgt eine kostenlose Künstlerinnen-Führung durch die Ausstellung im Bauhaus Museum Dessau.

Die offizielle Eröffnung beginnt anschließend um 15.30 Uhr.

Neue Sonderführung zum queeren Bauhaus

Begleitend zur Ausstellung führt die Stiftung eine neue Sonderführung zum Thema „Queeres Bauhaus“ ein.

Sie bezieht auch die Versuchsstätte in der Sammlungspräsentation ein und soll über die Laufzeit der Ausstellung hinaus Bestandteil des Programms bleiben.

Zusätzlich sind mehrere öffentliche Kuratorinnen- und Kuratorenführungen geplant.

Die nächsten Termine

Freitag, 4. September 2026, 20 Uhr

Artist Talk mit Astrup & Bordorff

Designshop Lounge im Bauhausgebäude

Samstag, 5. September 2026, 11 Uhr

Kostenlose Künstlerinnen-Führung

Bauhaus Museum Dessau

Samstag, 5. September 2026, 15.30 Uhr

Eröffnung „Gong | Schlag | Pfiff. Astrup & Bordorff“

Bauhaus Museum Dessau

Samstag, 19. September 2026

Öffentliche Kurator*innenführung, deutschsprachig

Mittwoch, 14. Oktober 2026

Öffentliche Kurator*innenführung, deutschsprachig

Freitag, 23. Oktober 2026

Öffentliche Kurator*innenführung, englischsprachig

Samstag, 27. März 2027

Öffentliche Kurator*innenführung, deutschsprachig

Quellen

Stiftung Bauhaus Dessau – Pressemitteilung „Neue Ausstellung im Bauhaus Museum Dessau: Gong | Schlag | Pfiff. Astrup & Bordorff“ vom 10. August 2026