In der Nacht zum 13. August 1961 begann die DDR-Führung mit der vollständigen Abriegelung der Grenze zu West-Berlin. Stacheldraht, Straßensperren und bewaffnete Sicherheitskräfte teilten innerhalb weniger Stunden eine Stadt, deren Bewohner sich bis dahin vielerorts noch vergleichsweise frei zwischen Ost und West bewegen konnten. 65 Jahre später erinnert Berlin an diesem Donnerstag an die Opfer der Mauer und an ein Grenzregime, das Deutschland mehr als 28 Jahre sichtbar teilte.

Über Nacht wurde die Grenze geschlossen

Kurz nach Mitternacht begann die DDR mit der Abriegelung der Berliner Sektorengrenze. Volkspolizei, Grenzpolizei, Angehörige der Kampfgruppen und Teile der Nationalen Volksarmee sicherten die Aktion. Straßen wurden aufgerissen, Barrikaden errichtet und Stacheldraht durch die Stadt gezogen.

Mehr als 50.000 Menschen aus der DDR waren nach Angaben der Bundeszentrale für politische Bildung plötzlich von ihren Arbeitsplätzen in West-Berlin abgeschnitten. Familien, Freundschaften und ganze Nachbarschaften wurden getrennt.

In den folgenden Tagen ersetzten Bautrupps die zunächst provisorischen Sperren zunehmend durch feste Mauern und immer umfangreichere Grenzanlagen. Häuser unmittelbar an der Grenze wurden geräumt, Fenster und Türen zugemauert und Verkehrsverbindungen gekappt.

Millionen Menschen hatten die DDR zuvor verlassen

Der Mauerbau war die Reaktion der SED-Führung auf die massive Abwanderung aus der DDR.

Zwischen der Staatsgründung 1949 und dem August 1961 verließen nach Angaben der Bundeszentrale für politische Bildung rund 2,7 Millionen Menschen die DDR in Richtung Bundesrepublik. Berlin war dabei eine der wichtigsten verbliebenen Möglichkeiten zur Flucht in den Westen.

Die Abwanderung traf die DDR auch wirtschaftlich, weil besonders viele junge und beruflich qualifizierte Menschen das Land verließen. Die Führung in Ost-Berlin entschied sich schließlich dafür, ihre Bevölkerung durch eine befestigte Grenze an der Ausreise zu hindern.

Die Vorbereitungen waren streng geheim gehalten worden. Erich Honecker leitete nach Darstellung der Bundeszentrale für politische Bildung die logistischen Vorarbeiten; selbst große Teile der DDR-Führung wurden erst am Abend des 12. August über die unmittelbar bevorstehende Grenzschließung informiert.

155 Kilometer Mauer rund um West-Berlin

Die Berliner Mauer entwickelte sich in den folgenden Jahrzehnten zu einem hochgerüsteten Grenzsystem.

Ihre Gesamtlänge betrug rund 155 Kilometer. Davon verliefen etwa 43 Kilometer durch das Berliner Stadtgebiet, weitere rund 112 Kilometer trennten West-Berlin vom umliegenden Gebiet der DDR. Zuletzt standen entlang der Grenzanlagen nach Angaben der Bundeszentrale für politische Bildung 280 Wachtürme.

Der Grenzstreifen bestand nicht lediglich aus einer Betonwand. Dazu gehörten Sperrzäune, Kontrollwege, Beleuchtung, Wachtürme und weitere Sicherungsanlagen.

Ziel des Systems war, Fluchten aus der DDR nach West-Berlin möglichst vollständig zu verhindern.

Mindestens 140 Menschen starben an der Berliner Mauer

Für zahlreiche Menschen endete der Versuch, die Grenze zu überwinden, tödlich.

Mindestens 140 Menschen kamen nach dem Forschungsstand, den die Bundeszentrale für politische Bildung zugrunde legt, zwischen 1961 und 1989 an der Berliner Mauer oder in unmittelbarem Zusammenhang mit dem dortigen Grenzregime ums Leben.

Darüber hinaus starben mindestens 251 Reisende aus Ost und West vor, während oder nach Kontrollen an Berliner Grenzübergängen.

Hinter diesen Zahlen stehen einzelne Lebensgeschichten von Menschen, die fliehen wollten, von Grenzbewohnern und von Familien, die durch die Teilung auseinandergerissen wurden.

Berlin erinnert am 13. August an die Opfer

Zum 65. Jahrestag finden am Donnerstag mehrere Gedenkveranstaltungen statt.

Um 10 Uhr beginnt an der Gedenkstätte Berliner Mauer an der Bernauer Straße die zentrale Gedenkveranstaltung. In der Kapelle der Versöhnung sollen unter anderem Jörg und Franz Hildebrandt über die Geschichte ihrer Familie an der Bernauer Straße berichten. Bundestagspräsidentin Julia Klöckner ist mit einer Rede angekündigt. Die Veranstaltung in der Kapelle ist geladenen Gästen vorbehalten und wird auf den Vorplatz übertragen.

Auch in Treptow-Köpenick wird an die Opfer erinnert. An der ehemaligen Westgrenze des Bezirks verloren während der Zeit der Mauer mindestens 15 Menschen ihr Leben. Das dortige Gedenken beginnt um 15.30 Uhr am Friedhof Baumschulenweg und führt zu mehreren Orten des ehemaligen Grenzverlaufs.

Steglitz-Zehlendorf und die brandenburgische Gemeinde Kleinmachnow erinnern am Abend gemeinsam an die Opfer der deutschen Teilung. Das Gedenken beginnt um 18 Uhr am Adam-Kuckhoff-Platz in Kleinmachnow und wird anschließend auf Berliner Seite fortgesetzt.

Brandenburger Tor wird zum Erinnerungsort

Vom 13. bis 16. August entsteht zudem am Brandenburger Tor ein temporärer Erinnerungsort.

Geplant sind eine Open-Air-Ausstellung und eine rund 30 Meter lange Installation. Ausstellungen, Führungen und weitere Veranstaltungen sollen die Geschichte der Teilung vermitteln und besonders jüngeren Generationen einen Zugang zum Thema eröffnen.

Damit verlagert sich das Gedenken teilweise genau an einen Ort, der wie kaum ein anderer für die deutsche Teilung und später für ihre Überwindung steht.

Die Mauer fiel erst nach mehr als 28 Jahren

Mehr als 28 Jahre blieb Berlin geteilt.

Erst die Friedliche Revolution in der DDR und der zunehmende politische Druck auf die SED-Führung führten schließlich zur Öffnung der Grenze am 9. November 1989.

Der Mauerfall wurde zum entscheidenden Symbol für das Ende der deutschen Teilung. Weniger als ein Jahr später, am 3. Oktober 1990, wurde Deutschland wiedervereinigt.

Der 13. August erinnert dagegen an den Anfang jener Phase, in der eine Staatsführung ihre Bürger mit Beton, Stacheldraht und bewaffneten Grenzanlagen daran hinderte, das eigene Land frei zu verlassen.

65 Jahre später liegt die besondere Bedeutung des Jahrestages deshalb nicht nur in der Erinnerung an ein historisches Bauwerk. Er erinnert an die Folgen politischer Unfreiheit für Millionen Menschen – und daran, dass die Überwindung der Teilung letztlich von Bürgern der DDR selbst erkämpft wurde.

Quelle:

Bundeszentrale für politische Bildung; Land Berlin; Bezirksämter Treptow-Köpenick und Steglitz-Zehlendorf; Gedenkstätte Berliner Mauer.