Für das R.A.W.-West-Gelände in Berlin-Friedrichshain zeichnet sich nach längeren Verhandlungen eine neue Perspektive ab. Bezirksamt Friedrichshain-Kreuzberg, Senatsverwaltung für Stadtentwicklung und die Kurth-Gruppe haben sich auf einen Interimsmietvertrag für das Soziokulturelle L sowie einen Rahmenvertrag zur weiteren Entwicklung des Areals verständigt. Wie die Senatsverwaltung mitteilt, sollen die bestehenden Kultur- und Freizeitnutzungen dauerhaft gesichert und zugleich Gewerbe, Einzelhandel sowie Wohnbebauung ermöglicht werden.

Bezirk übernimmt vorübergehend die Vermietung

Mit dem vorgesehenen Interimsmietvertrag tritt der Bezirk Friedrichshain-Kreuzberg zunächst selbst als Mieter gegenüber der Eigentümerin auf und vermietet die Räume des Soziokulturellen L anschließend an die bisherigen Nutzer weiter. Die Regelung soll ab September 2026 zunächst für zwei Jahre gelten und kann um ein weiteres Jahr verlängert werden.

Während dieser Übergangszeit soll das Bebauungsplanverfahren abgeschlossen werden. Ziel ist nach Angaben der Vertragspartner eine Festsetzung bis spätestens März 2029; für die ersten beiden Jahre werden die Mietzahlungen aus dem Bezirkshaushalt finanziert, bei einer Verlängerung soll der Senat übernehmen.

Soziokulturelles Zentrum soll 30 Jahre gesichert werden

Nach Inkrafttreten des Bebauungsplans soll das Soziokulturelle L für 30 Jahre mietfrei an einen noch zu bestimmenden Generalmieter überlassen werden. Damit würde für Clubs, Kulturprojekte, Sportangebote und gastronomische Einrichtungen eine langfristige Perspektive auf dem Gelände geschaffen.

Der Rahmenvertrag verbindet diese Bestandssicherung mit einer geänderten städtebaulichen Planung für das übrige Gelände. Neben Gewerbe- und Einzelhandelsflächen soll künftig auch Wohnungsbau auf bislang nicht entsprechend genutzten Flächen ermöglicht werden.

Zustimmung von Parlament und Bezirk noch erforderlich

Die Einigung ist noch nicht endgültig. Der Interimsmietvertrag steht unter dem Zustimmungsvorbehalt des Hauptausschusses des Berliner Abgeordnetenhauses, der am 2. September tagt, sowie der Bezirksverordnetenversammlung Friedrichshain-Kreuzberg, deren Sitzung für den 9. September vorgesehen ist.

Zusätzlich muss geprüft werden, ob die geplante Wohnbebauung unter den gegebenen Lärmbedingungen tatsächlich umsetzbar ist. Erst wenn diese emissionsfachliche Machbarkeit bestätigt und die politischen Beschlüsse gefasst sind, kann der Mietvertrag unterzeichnet werden.

177 Arbeitsplätze hängen an Kultur- und Freizeitangeboten

Das Soziokulturelle L ist über Jahrzehnte zu einem wichtigen Standort für Kultur, Sport, Gastronomie, Bildung und Freizeit geworden. Allein in Cassiopeia, Sommergarten, KULT Café, Crack Bellmer und der Skatehalle Berlin arbeiten nach Angaben der Senatsverwaltung 177 Menschen, davon 110 sozialversicherungspflichtig.

Die beteiligten Einrichtungen beauftragen jährlich mehr als 1.500 etablierte und Nachwuchskünstler und finanzieren zugleich soziale sowie sportliche Angebote mit. Die Skatehalle wird täglich von rund 200 Menschen genutzt und dient darüber hinaus als Regionalstützpunkt sowie Trainingsstätte für etwa 16 Spitzensportler aus Regional- und Nationalkadern.

Gemischtes Stadtquartier soll entstehen

Staatssekretär Alexander Slotty sieht in der Vereinbarung die Möglichkeit, die bestehende Soziokultur zu erhalten und gleichzeitig dringend benötigten Wohnraum zu schaffen. Bezirksstadtrat Florian Schmidt bezeichnete die Einigung nach jahrelangen Gesprächen als neuen Vertrauensrahmen für die weitere kooperative Stadtentwicklung.

Auch Eigentümer Lauritz Kurth kündigte an, das Gelände zu einem gemischten Stadtquartier weiterzuentwickeln, das Bestand, Geschichte, soziale Nutzungen und neue bauliche Entwicklungen miteinander verbindet. Das R.A.W.-West-Gelände liegt direkt an der Warschauer Brücke und gehörte früher der Deutschen Bahn; die Abkürzung R.A.W. steht für Reichsbahnausbesserungswerk. Quelle: Senatsverwaltung für Stadtentwicklung, Bauen und Wohnen Berlin, Pressemitteilung vom 11. August 2026.