Das neue Schöpfwerk Gorsdorf im Landkreis Wittenberg ist offiziell in Betrieb genommen worden. Sachsen-Anhalts Umweltminister Prof. Dr. Armin Willingmann weihte die Anlage im Rahmen seiner dreitägigen Hochwasserschutz-Tour „Sachsen-Anhalt wasserfest“ ein.

Bund und Land investierten insgesamt sechs Millionen Euro in das Bauprojekt. Die Finanzierung erfolgt zu 60 Prozent durch den Bund und zu 40 Prozent durch das Land Sachsen-Anhalt.

Das Schöpfwerk soll den Hochwasserschutz im Gebiet an der Schwarzen Elster und der Elbe verbessern. Geschützt werden sollen insbesondere Wohnsiedlungen, Betriebe und landwirtschaftlich genutzte Flächen.

Reaktion auf die Hochwasser von 2002 und 2013

Der Neubau wurde nach Angaben des Umweltministeriums infolge der schweren Hochwasserereignisse der Jahre 2002 und 2013 notwendig.

Diese hatten gezeigt, wie anfällig die Region für hohe Wasserstände und Rückstau aus den großen Flüssen ist. Besonders problematisch ist die Lage dort, wo die Schwarze Elster südlich von Lutherstadt Wittenberg in die Elbe mündet.

Steigen die Pegelstände beider Flüsse, kann Wasser in kleinere Gewässer und tiefer liegende Flächen zurückgedrückt werden. Das neue Schöpfwerk soll in solchen Situationen für eine kontrollierte Entwässerung sorgen.

Pumpen verhindern Rückstau in die Landlache

Eine zentrale Aufgabe der Anlage besteht darin, den Rückstau aus Elbe und Schwarzer Elster in die Landlache zu verhindern.

Die Landlache ist ein kleiner Nebenfluss der Schwarzen Elster. Bei hohen Wasserständen kann sie nicht mehr auf natürlichem Weg abfließen. Dann müssen leistungsfähige Pumpen das Wasser aus dem Gebiet hinter dem Deich in das Vorland transportieren.

Das Schöpfwerk soll damit verhindern, dass sich Wasser auf landwirtschaftlichen Flächen, an Verkehrswegen oder in der Nähe von Siedlungen staut.

Gleichzeitig bleibt die Entwässerung auch dann möglich, wenn die Flusspegel außerhalb des Deiches deutlich erhöht sind.

Baustein für Rückverlegung des Schützberger Deiches

Das neue Schöpfwerk ist Teil eines größeren Hochwasserschutzprojekts.

Geplant ist die Rückverlegung des Schützberger Deiches. Dadurch sollen an der Mündung der Schwarzen Elster in die Elbe rund 102 Hektar zusätzliche Überflutungsflächen entstehen.

Solche Flächen können Hochwasser aufnehmen und den Druck auf bestehende Deiche verringern. Flüsse erhalten bei hohen Wasserständen mehr Raum, während Siedlungen und wirtschaftlich genutzte Gebiete besser geschützt werden.

Das Schöpfwerk Gorsdorf ist notwendig, damit das hinter dem zurückverlegten Deich liegende Gebiet weiterhin zuverlässig entwässert werden kann.

Moderne Technik für den Ernstfall

Die Anlage besteht aus einem modernen Funktionsgebäude sowie Pumpen- und Schieberkammern.

Zur Ausstattung gehören außerdem:

  • eine Maschinenhalle,
  • ein Einträgerbrückenkran,
  • moderne Energieverteilung,
  • digitale Anlagensteuerung,
  • Kommunikationstechnik,
  • eine zusätzliche Lagerhalle für Einsatzmaterial.

Der Brückenkran wird benötigt, um schwere Pumpen- und Maschinenteile innerhalb der Anlage zu bewegen. Die Steuerungs- und Kommunikationstechnik soll eine schnelle Überwachung und Bedienung des Schöpfwerks ermöglichen.

In der neuen Lagerhalle kann der Landesbetrieb für Hochwasserschutz und Wasserwirtschaft Material unmittelbar vor Ort bereithalten. Dadurch sollen Beschäftigte im Hochwasserfall schneller reagieren können.

Baugrube wurde zweimal überflutet

Die Errichtung des Schöpfwerks verlief nicht ohne Schwierigkeiten.

Nach Angaben von LHW-Direktorin Martina Große-Sudhues wurde die Baugrube während der Arbeiten zweimal durch Hochwasser geflutet. Dadurch kam es zu Verzögerungen im Bauablauf.

Trotz dieser unerwarteten Situationen sei die Zusammenarbeit zwischen den Beteiligten konstruktiv und lösungsorientiert geblieben.

Mit der Kramer GmbH + Co. KG aus Wittenberg war ein Unternehmen aus der Region an dem Projekt beteiligt. Große-Sudhues bezeichnete die Firma als verlässlichen Partner.

Willingmann wirbt für pragmatische Klimaanpassung

Umweltminister Willingmann verwies bei der Einweihung auf wechselnde Wetterextreme in Sachsen-Anhalt.

Das Land müsse sich sowohl auf längere Trockenperioden als auch auf Starkregen und Hochwasser einstellen. Statt grundsätzlicher Debatten müsse der Staat konkrete Maßnahmen zur Anpassung an veränderte Klimabedingungen umsetzen.

Das neue Schöpfwerk sei ein Beispiel für einen solchen pragmatischen Ansatz. Es solle Menschen, Unternehmen und Landwirtschaft schützen, wenn erneut große Wassermengen auftreten.

Willingmann kündigte an, die Investitionen in Hochwasserschutz und Klimaanpassung in den kommenden Jahren fortzusetzen.

Hochwasserschutz bleibt Daueraufgabe

Flüsse wie Elbe und Schwarze Elster prägen die Landschaft im Osten Sachsen-Anhalts. Sie stellen jedoch auch eine dauerhafte Herausforderung für die Wasserwirtschaft dar.

Hochwasserschutz besteht nicht nur aus Deichen. Ebenso wichtig sind Schöpfwerke, Rückhalteflächen, Polder, Entwässerungsgräben und funktionierende Warnsysteme.

Eine einzelne Anlage kann Hochwasser nicht verhindern. Sie kann aber dazu beitragen, die Folgen für bestimmte Gebiete deutlich zu verringern.

Das Schöpfwerk Gorsdorf ist deshalb Teil eines größeren Systems, das nur im Zusammenspiel aller technischen und natürlichen Schutzmaßnahmen funktioniert.

113,5 Millionen Euro seit 2013 investiert

Seit dem Jahr 2013 hat Sachsen-Anhalt nach Angaben des Umweltministeriums insgesamt rund 113,5 Millionen Euro in den Hochwasserschutz im Landkreis Wittenberg investiert.

Dazu gehören unterschiedliche Projekte an Deichen, Gewässern und technischen Anlagen.

Die hohe Summe zeigt, welche Bedeutung der Region beim Schutz vor Elbe- und Schwarze-Elster-Hochwasser zukommt. Nach den Erfahrungen von 2002 und 2013 wurden zahlreiche Schwachstellen analysiert und schrittweise beseitigt.

Mit der Fertigstellung des Schöpfwerks wird nun ein weiterer Abschnitt dieses langfristigen Programms abgeschlossen.

Nationales Hochwasserschutzprogramm unterstützt Projekt

Das Bauvorhaben gehört zum Nationalen Hochwasserschutzprogramm.

Dieses wurde nach den schweren Hochwassern der vergangenen Jahrzehnte aufgelegt, um länderübergreifend besonders wirksame Maßnahmen zu finanzieren. Der Bund beteiligt sich deshalb mit 60 Prozent an den Kosten.

Die übrigen 40 Prozent übernimmt das Land Sachsen-Anhalt.

Die gemeinsame Finanzierung ermöglicht Projekte, die für einzelne Länder oder Kommunen allein nur schwer zu stemmen wären.

Schutz für Landwirtschaft und regionale Betriebe

Von einer funktionierenden Entwässerung profitieren nicht nur Wohngebiete.

Auch landwirtschaftliche Flächen können bei längerem Rückstau erheblich geschädigt werden. Steht Wasser über längere Zeit auf Äckern oder Wiesen, können Ernten ausfallen und Böden unbrauchbar werden.

Betriebe in gefährdeten Gebieten sind ebenfalls auf zuverlässige Schutzanlagen angewiesen. Überflutete Zufahrten, beschädigte Gebäude oder unterbrochene Lieferketten können erhebliche wirtschaftliche Folgen haben.

Das neue Schöpfwerk soll deshalb nicht nur Leben und Eigentum schützen, sondern auch die wirtschaftliche Stabilität der Region stärken.

Wartung und Einsatzbereitschaft entscheidend

Mit der Einweihung endet die Verantwortung für die Anlage nicht.

Pumpen, Schieber, Stromversorgung und Steuerung müssen regelmäßig gewartet und getestet werden. Im Ernstfall muss das Schöpfwerk auch unter schwierigen Bedingungen zuverlässig funktionieren.

Dazu gehört außerdem geschultes Personal, das die Anlage bedienen und bei technischen Störungen eingreifen kann.

Die Lagerhalle am Standort soll dazu beitragen, Ersatzteile und weitere Einsatzmittel ohne lange Transportwege verfügbar zu halten.

Das neue Schöpfwerk Gorsdorf ist ein wichtiger Baustein für den Hochwasserschutz im Landkreis Wittenberg.

Die sechs Millionen Euro teure Anlage verhindert bei hohen Wasserständen den Rückstau aus Elbe und Schwarzer Elster und sichert die Entwässerung des Gebiets hinter dem Deich.

Im Zusammenspiel mit der geplanten Rückverlegung des Schützberger Deiches sollen künftig rund 102 Hektar zusätzliche Überflutungsfläche entstehen.

Nach den Hochwassern von 2002 und 2013 investiert Sachsen-Anhalt damit weiter in die Sicherheit von Siedlungen, Unternehmen und Landwirtschaft. Entscheidend bleibt, dass die technischen Anlagen dauerhaft gewartet, einsatzbereit gehalten und durch weitere Hochwasserschutzmaßnahmen ergänzt werden.

Quelle

– Ministerium für Wissenschaft, Energie, Klimaschutz und Umwelt des Landes Sachsen-Anhalt: Presseinformation zur Einweihung des Schöpfwerks Gorsdorf, Juli 2026.