Die Preisträger des Deutschen Preises für Denkmalschutz 2026 stehen fest. Zehn Persönlichkeiten, Initiativen, Vereine und Redaktionsteams werden für ihr besonderes Engagement für historische Bauwerke, archäologische Fundstätten, Kulturlandschaften und die Vermittlung von Denkmalpflege ausgezeichnet.
Die feierliche Preisverleihung findet am 26. Oktober 2026 um 16 Uhr im Filmpalast Capitol in Schwerin statt.
Der Deutsche Preis für Denkmalschutz wird in diesem Jahr zum 49. Mal vergeben. Nach Angaben des Deutschen Nationalkomitees für Denkmalschutz handelt es sich um die höchste Auszeichnung dieser Art in Deutschland.
Zehn Preisträger aus 64 Einsendungen
Für den Preis gingen 64 Vorschläge in vier Kategorien ein. Eine interdisziplinär besetzte Jury wählte daraus zehn Preisträger aus.
Das Präsidium des Deutschen Nationalkomitees für Denkmalschutz bestätigte die Auswahl. Den Vorsitz hat Mecklenburg-Vorpommerns Ministerin für Wissenschaft, Kultur, Bundes- und Europaangelegenheiten, Bettina Martin.
Ausgezeichnet werden Projekte und Persönlichkeiten, die sich für Bau-, Boden-, Garten- und Industriedenkmale, historische Ensembles oder Kulturlandschaften einsetzen.
Die Bandbreite reicht von einer privat erhaltenen Burgruine über Hünengräber in der Altmark bis hin zu den Spuren der ehemaligen Buchenwaldbahn.
Silberne Halbkugel für fünf Initiativen
Die Silberne Halbkugel würdigt außergewöhnliches ehrenamtliches Engagement in der Denkmalpflege und Archäologie.
2026 geht die Auszeichnung an fünf Preisträger:
- Verein Historische Altstadt Rheine aus Nordrhein-Westfalen
- Förderkreis Friedhof Meerane aus Sachsen
- Junge Archäologen in der Altmark aus Sachsen-Anhalt
- Eigentümer der Burgruine Wallrabenstein aus Hessen
- Gleis 69 aus Berlin
Die ausgezeichneten Projekte zeigen, wie unterschiedlich Denkmalpflege aussehen kann. Vereine kümmern sich um historische Stadtbilder, Friedhöfe, Eisenbahnanlagen und archäologische Fundorte. Private Eigentümer sichern gefährdete Baudenkmale und machen ihre Geschichte zugänglich.
Förderkreis Friedhof Meerane wird ausgezeichnet
Mit dem Förderkreis Friedhof Meerane erhält auch eine Initiative aus Sachsen die Silberne Halbkugel.
Historische Friedhöfe sind nicht nur Orte der Bestattung. Sie dokumentieren Stadtgeschichte, Architektur, Handwerk und das Leben früherer Generationen. Grabmale, Kapellen und Wegeanlagen besitzen häufig einen hohen kulturhistorischen Wert.
Die Arbeit von Fördervereinen ist für ihren Erhalt besonders wichtig. Sie werben Spenden ein, organisieren Veranstaltungen, dokumentieren Grabstätten und unterstützen Restaurierungsmaßnahmen.
Die Auszeichnung macht damit zugleich auf die Bedeutung historischer Friedhöfe für das kulturelle Gedächtnis ostdeutscher Städte aufmerksam.
Junge Archäologen aus der Altmark geehrt
Die „Jungen Archäologen in der Altmark“ erhalten ebenfalls die Silberne Halbkugel.
Der Verein engagiert sich für archäologische Denkmale und historische Fundorte in Sachsen-Anhalt. Dazu gehören auch die Hünengräber der Altmark.
Solche Großsteingräber zählen zu den ältesten sichtbaren Zeugnissen menschlicher Besiedlung. Ihre Erhaltung erfordert nicht nur wissenschaftliche Arbeit, sondern auch regelmäßige Pflege und öffentliche Vermittlung.
Gerade im ländlichen Raum tragen ehrenamtliche Initiativen dazu bei, dass archäologische Orte nicht in Vergessenheit geraten oder durch Bewuchs, Vandalismus und mangelnde Pflege geschädigt werden.
Berliner Verein Gleis 69 unter den Gewinnern
Mit Gleis 69 wird ein Berliner Verein für sein Engagement im Bereich der Eisenbahn- und Industriekultur ausgezeichnet.
Historische Bahnanlagen gehören zu den prägenden Zeugnissen der Industrialisierung. Gleise, Bahnhöfe, Stellwerke, Werkstätten und technische Anlagen erzählen von der Entwicklung des Verkehrs und der Städte.
Viele dieser Orte haben ihre ursprüngliche Funktion verloren. Vereine übernehmen deshalb häufig Dokumentation, Pflege und kulturelle Nutzung.
Die Auszeichnung zeigt, dass auch vermeintlich alltägliche technische Anlagen einen hohen geschichtlichen Wert besitzen können.
Initiative Gedenkweg Buchenwaldbahn erhält Vermittlungspreis
Der Vermittlungspreis geht 2026 an die Initiative Gedenkweg Buchenwaldbahn in Thüringen.
Die Initiative erinnert an die ehemalige Bahnverbindung zum Konzentrationslager Buchenwald. Die erhaltenen Spuren der Strecke sind eng mit der Geschichte des nationalsozialistischen Lagers verbunden.
Der Gedenkweg macht diese Geschichte im Gelände sichtbar und verbindet historische Orte mit Bildungs- und Erinnerungsarbeit.
Der Vermittlungspreis würdigt Projekte, die Denkmalschutz verständlich vermitteln und bundesweit als Vorbild dienen können. Die Auszeichnung ist mit 3.000 Euro dotiert.
Gerade die Verbindung aus historischem Ort, dokumentierten Spuren und Bildungsarbeit besitzt eine besondere Bedeutung. Geschichte wird nicht nur in Ausstellungen dargestellt, sondern unmittelbar an den erhaltenen Orten erfahrbar.
Vier Medienpreise vergeben
Auch journalistische und mediale Arbeiten werden ausgezeichnet.
Den Medienpreis erhalten:
- Henning Biedermann vom Bayerischen Rundfunk
- Iris Tsakiridis vom Bayerischen Rundfunk
- Stephan Hermsen von der Neuen Ruhr- und Rhein-Zeitung
- das ARD-Redaktionsteam Carolin Baumgart, Tina Bonin, Katharina Feißt, Rieke Spang und Stefanie Zohm
Der Medienpreis würdigt Medienschaffende, die regelmäßig über Denkmalschutz und Denkmalpflege berichten und dabei sowohl Potenziale als auch Herausforderungen historischer Bauten und Landschaften sichtbar machen.
Auch diese Auszeichnung ist mit 3.000 Euro dotiert.
Journalistische Berichterstattung kann entscheidend dazu beitragen, gefährdete Denkmale öffentlich bekannt zu machen. Sie schafft Aufmerksamkeit, erklärt historische Zusammenhänge und begleitet politische Entscheidungen über Sanierung, Abriss oder Umnutzung.
Schinkel-Ring wird 2026 nicht verliehen
Der Karl-Friedrich-Schinkel-Ring wird in diesem Jahr nicht vergeben.
Diese Kategorie ist Persönlichkeiten vorbehalten, die sich über Jahrzehnte in herausragender Weise für Denkmalschutz, Denkmalpflege oder Archäologie eingesetzt haben.
Dass die höchste persönliche Auszeichnung 2026 nicht verliehen wird, unterstreicht den besonderen Anspruch dieser Kategorie. Der Ring wird nicht regelmäßig vergeben, sondern nur dann, wenn eine Leistung die hohen Voraussetzungen erfüllt.
Warum ehrenamtlicher Denkmalschutz unverzichtbar ist
Viele historische Gebäude und Anlagen könnten ohne private Initiativen und Vereine nicht erhalten werden.
Kommunen, Länder und Eigentümer verfügen nicht immer über ausreichende finanzielle und personelle Mittel. Ehrenamtliche übernehmen deshalb Dokumentation, Pflege, Führungen, Spendensammlungen und praktische Sicherungsarbeiten.
Gerade in Ostdeutschland ist dieser Einsatz von großer Bedeutung. Zahlreiche historische Gebäude, Industrieanlagen, Bahnhöfe, Parks und Dorfkirchen mussten nach 1990 umfassend gesichert und saniert werden.
Vieles konnte gerettet werden. Gleichzeitig bleiben zahlreiche Denkmale durch Leerstand, hohe Baukosten und fehlende Nutzungskonzepte gefährdet.
Preise können finanzielle Probleme nicht lösen. Sie schaffen jedoch Öffentlichkeit und stärken diejenigen, die häufig über Jahre ohne große Aufmerksamkeit arbeiten.
Preisverleihung im Capitol Schwerin
Die diesjährige Preisverleihung findet am Montag, dem 26. Oktober 2026, um 16 Uhr im Filmpalast Capitol Schwerin statt.
Mit der Wahl Schwerins als Veranstaltungsort rückt Mecklenburg-Vorpommern in den Mittelpunkt der bundesweiten Denkmalpflege.
Die Landeshauptstadt verfügt selbst über ein umfangreiches historisches Erbe. Dazu gehören das Residenzensemble, zahlreiche Verwaltungs- und Wohngebäude sowie Park- und Gartenanlagen.
Die Veranstaltung richtet sich auch an Medienvertreter. Neben der Ehrung der Preisträger bietet sie Gelegenheit zum Austausch über aktuelle Fragen des Denkmalschutzes.
Deutsches Nationalkomitee bündelt Fachwissen
Das Deutsche Nationalkomitee für Denkmalschutz arbeitet auf Bundesebene als fachliches und politisches Gremium.
Es verbindet Vertreter aus Politik, Verwaltung, Wissenschaft und Denkmalpflege. Ziel ist es, das bauliche und archäologische Kulturerbe stärker im öffentlichen Bewusstsein zu verankern.
Die fachliche Arbeit findet im Komitee, in mehreren Arbeitsgruppen und in Projektgruppen statt.
Finanziert wird das Nationalkomitee durch den Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien sowie anteilig durch die Kulturministerkonferenz.
Der Deutsche Preis für Denkmalschutz 2026 zeigt, wie wichtig persönliches und ehrenamtliches Engagement für das historische Erbe ist.
Mit dem Förderkreis Friedhof Meerane, den Jungen Archäologen in der Altmark, dem Verein Gleis 69 und der Initiative Gedenkweg Buchenwaldbahn werden mehrere Projekte aus Ostdeutschland ausgezeichnet.
Sie erhalten historische Friedhöfe, archäologische Fundstätten, technische Denkmale und Erinnerungsorte. Dabei bewahren sie nicht nur alte Steine und Bauwerke, sondern vermitteln Geschichte an kommende Generationen.
Die Preisverleihung am 26. Oktober in Schwerin setzt damit ein deutliches Zeichen für den Wert von Denkmalpflege, Ehrenamt und historischer Bildung.
Quelle
– Deutsches Nationalkomitee für Denkmalschutz: Bekanntmachung der Preisträger des Deutschen Preises für Denkmalschutz 2026, 22. Juli 2026.