Wenn Blumen oder ganze Sträuße über Nacht von einem Grab verschwinden, liegt nicht zwangsläufig Diebstahl oder mutwillige Zerstörung vor. Auf den kommunalen Friedhöfen in Rostock sind häufig Wildtiere dafür verantwortlich.
Besonders Rehe haben Rosen offenbar zum Fressen gern. Sie vertilgen nach Angaben der Stadt ganze Sträuße und zupfen bevorzugte Blüten sogar aus aufwendig gestalteten Gestecken. Am folgenden Tag finden Angehörige dann eine beschädigte Grabstelle vor, die zunächst wie das Ergebnis von Vandalismus wirken kann.
Die Rostocker Friedhofsverwaltung bittet deshalb um Verständnis, Aufmerksamkeit und einen achtsamen Umgang mit den Begräbnisstätten.
Rehe überwinden teilweise die Einfriedungen
Die Friedhofsverwaltung kann tierische Übergriffe trotz regelmäßiger Kontrollen nicht vollständig verhindern.
Rehe sind in der Lage, bestimmte Einfriedungen zu überwinden. Hasen können sich unter Zäunen hindurchgraben. Wühlmäuse schädigen die Wurzeln von Pflanzen, während Wildschweine größere Flächen aufwühlen können.
Die Gärtnerinnen und Gärtner der kommunalen Friedhöfe überprüfen deshalb regelmäßig Zäune und Tore. Entdeckte Schlupflöcher werden repariert. Dennoch lassen sich die weitläufigen Anlagen nicht vollständig gegen sämtliche Wildtiere absichern.
Neuer Zaun am Neuen Friedhof Rostock
Die Stadt investiert nach eigenen Angaben auch in neue Einfriedungen.
Auf dem Neuen Friedhof Rostock wird derzeit der Zaun entlang des Klein Schwaßer Weges bis zum Kringelgraben erneuert. Die Arbeiten befinden sich im zweiten Bauabschnitt.
Da es sich um eine große Fläche handelt und die Maßnahme erhebliche Kosten verursacht, soll sich die vollständige Erneuerung über mehrere Jahre erstrecken.
Die neue Einfriedung soll es Wildtieren erschweren, auf das Gelände zu gelangen und dort nach Nahrung zu suchen.
Besucher sollen Tore nicht verkeilen
Auch die Besucher der Friedhöfe können dazu beitragen, unerwünschten Wildwechsel zu verhindern.
Das Amt für Stadtgrün, Naturschutz und Friedhofswesen bittet darum, Eingänge sorgfältig zu passieren und darauf zu achten, dass sich Tore anschließend wieder schließen können.
Besonders in den Abendstunden werden Tore nach Beobachtung der Verwaltung teilweise so verkeilt, dass der automatische Schließmechanismus nicht mehr funktioniert. Dadurch können Rehe und andere Tiere ungehindert auf die Friedhofsanlagen gelangen.
Ein offenes Tor kann damit ausreichen, um in der Nacht Schäden an mehreren Grabstellen zu ermöglichen.
Gerbera, Hortensien und Lavendel statt Rosen
Angehörige können auch bei der Auswahl der Bepflanzung berücksichtigen, welche Gewächse von Rehen weniger gern gefressen werden.
Die Friedhofsverwaltung empfiehlt beispielsweise:
- Hortensien
- Gerbera
- Lavendel
Gerbera könnten auch in Blumengestecken für Beisetzungen eine ansprechende Alternative zu Rosen sein.
Einen vollständigen Schutz bieten solche Pflanzen nicht. Sie können jedoch das Risiko verringern, dass Grabschmuck innerhalb kurzer Zeit von Wildtieren beschädigt oder vollständig gefressen wird.
Nachhaltige Grabgestaltung spart Wasser
Die Stadt regt zugleich eine zeitgemäße und nachhaltige Gestaltung von Grabstellen an.
Heimische und trockenheitsverträgliche Stauden kommen häufig mit weniger Wasser aus und sind besser an längere Hitzeperioden angepasst. Organische Materialien können Kunststoffelemente ersetzen und den Boden schützen.
Eine solche Bepflanzung kann:
- den Pflegeaufwand verringern,
- weniger Bewässerung benötigen,
- den Boden langfristig schützen,
- ohne Plastik auskommen,
- besser mit trockenen Sommern zurechtkommen.
„Zeitgemäße Trauerkultur und aktiver Naturschutz können auf unseren Friedhöfen Hand in Hand gehen“, erklärt Renate Behrmann, Leiterin des Amtes für Stadtgrün, Naturschutz und Friedhofswesen.
Illegaler Müll belastet die Friedhöfe
Wildtiere sind nicht das einzige Problem auf den kommunalen Begräbnisstätten.
Nach Angaben der Stadt werden dort immer wieder Abfälle illegal entsorgt. Dazu gehören nicht nur Haus- und Gartenabfälle, sondern auch Sperrmüll, Elektroschrott und Sondermüll.
Diese Ablagerungen beeinträchtigen das Erscheinungsbild und widersprechen der Würde eines Friedhofs. Gleichzeitig entstehen Kosten für eine fachgerechte Beseitigung.
Diese Ausgaben werden letztlich von der Allgemeinheit getragen.
„Ein Friedhof ist ein Ort der Würde, des Gedenkens und der Ruhe“, betont Behrmann. Illegale Müllablagerungen seien nicht nur optisch störend, sondern könnten Angehörige auch seelisch verletzen.
Grabschmuck und Erinnerungsstücke werden gestohlen
Noch schwerwiegender sind Diebstähle und mutwillige Beschädigungen von Grabstätten.
Nach Angaben der Friedhofsverwaltung werden unter anderem folgende Gegenstände gestohlen:
- Blumen und andere Pflanzen,
- Grabschmuck,
- Grableuchten,
- persönliche Erinnerungsstücke,
- Grabmale,
- Bronzestatuen und andere Metallgegenstände.
Solche Taten verursachen nicht nur einen materiellen Schaden. Sie greifen unmittelbar in die Erinnerung und Trauer der Angehörigen ein.
Gerade persönliche Gegenstände haben häufig einen hohen emotionalen Wert, der sich nicht ersetzen lässt.
Selbst Handtaschen aus Rollatoren entwendet
Die Stadt berichtet außerdem von Fällen, in denen Handtaschen aus Rollatoren gestohlen wurden.
Die Angehörigen waren währenddessen mit der Pflege eines Grabes beschäftigt. Die Täter nutzten offenbar den Moment aus, in dem die Betroffenen ihre persönlichen Gegenstände nicht unmittelbar im Blick hatten.
Besucher sollten deshalb Wertgegenstände auch auf einem Friedhof nicht unbeaufsichtigt lassen.
„Solche Taten sind ein Angriff auf das Gedenken an die Verstorbenen und ein absoluter Bruch mit den Normen und dem Respekt in unserer Gesellschaft“, unterstreicht die Amtsleiterin.
Beobachtungen sollen gemeldet werden
Die Friedhofsverwaltung weist mit Schildern auf einen achtsamen Umgang und mögliche Gefahren hin.
Wer einen Diebstahl, eine Beschädigung oder eine verdächtige Situation beobachtet, sollte sich an die Beschäftigten des Friedhofs wenden. Straftaten sollten zusätzlich der Polizei gemeldet werden.
Dabei sollten Besucher sich nicht selbst in Gefahr bringen oder Täter eigenständig verfolgen.
Aufmerksamkeit kann jedoch dazu beitragen, Vorfälle schneller zu erkennen und die Sicherheit auf den Anlagen zu erhöhen.
Friedhöfe sind Orte der Ruhe und Begegnung
Kommunale Friedhöfe erfüllen mehrere Aufgaben.
Sie sind Orte der Bestattung und des persönlichen Gedenkens. Gleichzeitig dienen sie als Grünanlagen, Rückzugsräume und Lebensräume für Tiere und Pflanzen. Viele Menschen besuchen sie auch wegen ihrer ruhigen Atmosphäre und ihrer kulturgeschichtlichen Bedeutung.
Gerade diese verschiedenen Funktionen machen einen respektvollen Umgang notwendig.
Naturschutz bedeutet dabei nicht, Schäden durch Wildtiere hinzunehmen. Vielmehr müssen Einfriedungen, geeignete Pflanzen und aufmerksames Verhalten miteinander verbunden werden.
Nicht jede beschädigte Grabstelle ist Vandalismus
Für Angehörige kann der Anblick eines verwüsteten Grabes sehr belastend sein. Dennoch empfiehlt sich zunächst eine genaue Betrachtung.
Abgebissene Blüten, angefressene Pflanzen oder herausgezogene Rosen können auf Rehe oder andere Tiere hindeuten. Umgestoßene Gegenstände, entwendete Erinnerungsstücke oder gezielte Beschädigungen können dagegen ein Hinweis auf menschliches Fehlverhalten sein.
Im Zweifel können die Mitarbeitenden des Friedhofs bei der Einschätzung helfen.
Verschwundene Blumen auf Rostocker Friedhöfen sind nicht immer das Werk von Dieben. Rehe fressen Rosen, Sträuße und Teile von Gestecken. Hasen, Wühlmäuse und Wildschweine können ebenfalls Schäden verursachen.
Die Stadt erneuert deshalb Einfriedungen und kontrolliert die Anlagen regelmäßig. Besucher können helfen, indem sie Tore nicht offen halten, weniger beliebte Pflanzen für den Grabschmuck wählen und verdächtige Beobachtungen melden.
Gleichzeitig mahnt die Friedhofsverwaltung zu Respekt: Müllablagerungen, Vandalismus und Diebstähle verletzen die Würde der Begräbnisstätten und das Gedenken der Angehörigen.
Quelle:
Hanse- und Universitätsstadt Rostock, Presse- und Informationsstelle: „Wenn Blumen nachts einfach verschwinden – Auf kommunalen Friedhöfen mit Achtsamkeit und Respekt trauern“, Juli 2026.