Die Stadt Leipzig mahnt Besucher des Auwalds zu besonderer Vorsicht. Langfristige Dürreschäden und Pilzbefall haben zahlreiche Bäume geschwächt. Dadurch können Äste abbrechen oder ganze Bäume umstürzen – teilweise auch dann, wenn sie äußerlich noch gesund wirken.
Besonders Spaziergänger, Jogger und Radfahrer sollten aufmerksam bleiben und nur freigegebene Wege benutzen.
Stadt empfiehlt Blick in die Baumkronen
Rüdiger Dittmar, Leiter des Amtes für Stadtgrün und Gewässer, rät Besuchern, beim Aufenthalt im Wald auf sichtbares Totholz in den Baumkronen zu achten.
Auch schräg stehende Bäume können auf eine eingeschränkte Standsicherheit hinweisen. Nach Angaben der Stadt kommt es tatsächlich vor, dass geschwächte Bäume umfallen oder größere Äste ausbrechen.
Besonders bei starkem Wind, Sturm oder nach heftigen Regenfällen kann sich das Risiko erhöhen.
Nicht alle Schäden sind von außen sichtbar
Das Problem besteht nicht nur in abgestorbenen Ästen, die bereits deutlich zu erkennen sind.
Nach längeren Trockenperioden können sich die Baumkronen teilweise wieder erholen, während die Wurzeln dauerhaft geschädigt bleiben. Dadurch entsteht ein Ungleichgewicht zwischen der sichtbaren Krone und dem geschwächten Wurzelsystem.
Ein Baum kann deshalb äußerlich gesund erscheinen, obwohl seine Standsicherheit bereits beeinträchtigt ist.
Pilze greifen geschwächte Bäume an
Zusätzlich zur Trockenheit setzen Pilze den Bäumen zu.
Geschwächte oder beschädigte Wurzeln und Stämme können von Pilzen besiedelt werden. Die dadurch entstehende Fäulnis mindert die Stabilität des Holzes und kann dazu führen, dass Äste oder komplette Bäume ohne längere Vorwarnung brechen.
Besonders betroffen sind Eschen, die unter dem sogenannten Eschentriebsterben leiden. Auch an Ahornbäumen können Schäden auftreten.
Eschentriebsterben bleibt großes Problem
Das Eschentriebsterben wird durch einen Pilz verursacht und befällt vor allem junge Triebe, Äste und Kronen.
Bei stark betroffenen Bäumen sterben größere Teile der Krone ab. Gleichzeitig können Schäden im Wurzelbereich entstehen, die von außen kaum sichtbar sind.
Für den Leipziger Auwald ist das besonders problematisch, weil Eschen dort zu den charakteristischen Baumarten gehören. Der Verlust geschwächter Bäume verändert langfristig auch die Zusammensetzung des Waldes.
Kontrollen nur in begrenzten Bereichen möglich
Die Stadt kontrolliert nach eigenen Angaben insbesondere Bäume entlang von Straßen und Schienenwegen sowie an Waldspielplätzen und im Wildpark.
Eine vollständige Kontrolle aller Waldflächen sei dagegen nicht leistbar. Das Betreten des Waldes erfolge grundsätzlich auf eigene Gefahr.
Besucher sollten deshalb nicht davon ausgehen, dass jeder Baum entlang kleinerer Waldwege regelmäßig überprüft wurde.
Freigegebene Wege nicht verlassen
Die Stadt empfiehlt ausdrücklich, ausschließlich die freigegebenen Wege zu nutzen.
Wer abseits der Wege unterwegs ist, kann geschädigten Bäumen oder abbrechenden Ästen näher kommen und befindet sich in Bereichen, in denen keine regelmäßige Verkehrssicherheitskontrolle stattfindet.
Auch Absperrungen und Warnhinweise sollten ernst genommen werden.
Vorsicht bei Wind und Unwettern
Bei starkem Wind oder angekündigten Unwettern sollte ein Besuch im Auwald möglichst verschoben werden.
Wind belastet die Kronen und Stämme geschwächter Bäume zusätzlich. Lose Äste können bereits bei mäßigen Böen herabfallen.
Nach Stürmen können außerdem Äste in den Kronen hängen bleiben und erst später zu Boden stürzen. Auch wenn das Wetter bereits wieder ruhig ist, kann daher weiterhin Gefahr bestehen.
Leipziger Auwald leidet unter Trockenjahren
Die aktuellen Schäden sind nicht allein die Folge eines einzelnen trockenen Sommers.
Mehrere niederschlagsarme und heiße Jahre haben den Wasserhaushalt des Bodens verändert. Bäume reagieren auf anhaltenden Wassermangel mit eingeschränktem Wachstum, abgestorbenen Ästen und einer höheren Anfälligkeit für Krankheiten und Schädlinge.
Auwälder sind eigentlich auf regelmäßige Überflutungen und einen hohen Grundwasserstand angewiesen. Bleiben diese natürlichen Wasserzuflüsse aus, geraten auch angepasste Baumarten unter Druck.
Gefahr und Naturschutz müssen abgewogen werden
Geschädigte und abgestorbene Bäume sind nicht ausschließlich ein Sicherheitsproblem.
Totholz bietet Lebensraum für Insekten, Vögel, Pilze und andere Organismen. In nicht öffentlich genutzten Waldbereichen kann es daher aus ökologischen Gründen sinnvoll sein, abgestorbene Bäume stehen oder liegen zu lassen.
Entlang stark genutzter Wege, Spielplätze und Straßen muss die Stadt jedoch die Verkehrssicherheit berücksichtigen. Dort können Fällungen oder die Entfernung gefährlicher Äste notwendig werden.
Hinweise für Besucher
Besucher des Leipziger Auwalds sollten derzeit besonders auf folgende Punkte achten:
- nur offiziell freigegebene Wege nutzen,
- Absperrungen nicht umgehen,
- auf abgestorbene Äste in Baumkronen achten,
- Abstand zu schräg stehenden oder sichtbar geschädigten Bäumen halten,
- bei starkem Wind und Unwetter auf Waldbesuche verzichten,
- Kinder nicht unbeaufsichtigt abseits der Wege spielen lassen.
Quelle:
MDR Sachsen unter Berufung auf die Stadt Leipzig und das Amt für Stadtgrün und Gewässer, Stand 23. Juli 2026.