Der Finanzbedarf für die Sanierung von Schulen und Sporthallen in Sachsen-Anhalt übersteigt die verfügbaren Fördermittel deutlich. Städte und Landkreise haben insgesamt 44 Projekte mit einem Volumen von 246,87 Millionen Euro angemeldet.
Dem Bildungsministerium stehen für den gesamten Bereich jedoch nur 110,9 Millionen Euro zur Verfügung. Davon sollen 83,9 Millionen Euro in Baumaßnahmen fließen. Der verbleibende Betrag ist für die Digitalisierung vorgesehen. Damit können längst nicht alle angemeldeten Vorhaben berücksichtigt werden.
Mehr als 160 Millionen Euro fehlen für Bauprojekte
Werden die angemeldeten Projektkosten mit den verfügbaren Mitteln für Baumaßnahmen verglichen, ergibt sich eine Finanzierungslücke von knapp 163 Millionen Euro.
Das bedeutet: Selbst wenn die gesamten 83,9 Millionen Euro vollständig ausgeschöpft werden, kann nur etwa ein Drittel des gemeldeten Investitionsbedarfs finanziert werden.
Welche Schulen und Sporthallen tatsächlich Fördergeld erhalten, steht noch nicht fest. Das Bildungsministerium prüft derzeit die eingereichten Vorhaben.
Geld stammt aus dem Infrastruktur-Sondervermögen
Die geplanten Sanierungen sollen mit Mitteln aus dem Infrastruktur-Sondervermögen des Bundes unterstützt werden.
Damit sollen Schulgebäude und Sporthallen modernisiert, bauliche Mängel beseitigt und die Bedingungen für Schüler und Lehrkräfte verbessert werden.
Aus der Antwort der Landesregierung auf einen Antrag der Linken geht jedoch hervor, dass der gemeldete Bedarf mehr als doppelt so hoch ist wie das insgesamt verfügbare Budget.
Ministerium muss Projekte auswählen
Bei der Vergabe sollen mehrere Kriterien eine Rolle spielen. Dazu gehören insbesondere die langfristige Zukunft des jeweiligen Schulstandortes und die Entwicklung der Schülerzahlen.
Damit dürften Vorhaben bessere Chancen haben, wenn ein Standort langfristig benötigt wird und dauerhaft ausreichend Schüler erwartet werden.
Für Kommunen mit kleinen Schulen oder unsicheren Schülerzahlen kann dies bedeuten, dass dringend notwendige Sanierungen trotz vorhandener Baumängel zunächst nicht berücksichtigt werden.
Nicht jede angemeldete Sanierung kann beginnen
Die Zahlen zeigen, dass die Kommunen erheblich mehr Projekte vorbereitet haben, als das Land finanzieren kann.
Dahinter können unterschiedliche Maßnahmen stehen:
- Erneuerung von Dächern, Fenstern und Fassaden,
- Sanierung von Sanitäranlagen,
- Brandschutzmaßnahmen,
- energetische Modernisierung,
- Erneuerung von Heizungen und Haustechnik,
- Umbau für Barrierefreiheit,
- Modernisierung von Klassenräumen,
- Sanierung oder Neubau von Sporthallen.
Welche konkreten 44 Projekte angemeldet wurden, geht aus dem bislang veröffentlichten Bericht nicht hervor.
Opposition fordert Umschichtung der Mittel
Die Linke begrüßt grundsätzlich, dass Geld für Schulen und Sporthallen bereitgestellt wird. Die vorgesehene Summe sei angesichts des hohen Bedarfs jedoch nicht ausreichend.
Die Partei schlägt deshalb vor, Mittel aus anderen Bereichen des Sondervermögens zugunsten der Schulinfrastruktur umzuschichten. Ob die Landesregierung diesem Vorschlag folgt, ist offen.
Sanierungsstau trifft den Schulalltag
Der Zustand eines Schulgebäudes ist mehr als eine bauliche Frage. Undichte Dächer, veraltete Heizungen, schlechte Sanitäranlagen oder gesperrte Sporthallen wirken sich unmittelbar auf den Unterricht aus.
Bleiben notwendige Arbeiten über Jahre liegen, steigen häufig auch die späteren Sanierungskosten. Kleine Schäden können sich ausweiten und irgendwann umfangreiche Baumaßnahmen erforderlich machen.
Besonders problematisch ist dies für finanzschwache Kommunen, die größere Investitionen ohne Unterstützung von Bund oder Land kaum stemmen können.
Sporthallen sind ebenfalls betroffen
Von dem Förderprogramm sollen nicht nur Schulgebäude, sondern auch Sporthallen profitieren.
Diese werden vielerorts sowohl für den Schulsport als auch am Nachmittag und Abend von Vereinen genutzt. Verzögert sich eine Sanierung oder muss eine Halle geschlossen werden, betrifft dies deshalb häufig weit mehr Menschen als nur die Schüler einer einzelnen Schule.
Gerade im ländlichen Raum sind Sporthallen zudem wichtige Treffpunkte für Vereine und das gesellschaftliche Leben.
Zahlen im Überblick
Angemeldete Projekte:
44
Gesamtvolumen:
246,87 Millionen Euro
Verfügbare Mittel insgesamt:
110,9 Millionen Euro
Davon für Baumaßnahmen:
83,9 Millionen Euro
Für Digitalisierung vorgesehen:
27 Millionen Euro
Rechnerische Finanzierungslücke bei den Baumaßnahmen:
knapp 163 Millionen Euro
Entscheidung steht noch aus
Das Bildungsministerium prüft derzeit, welche Vorhaben gefördert werden.
Für die betroffenen Kommunen bedeutet dies zunächst weiteres Warten. Erst nach der Auswahl steht fest, welche Schulen und Sporthallen tatsächlich saniert werden können und welche Projekte zurückgestellt werden müssen.
Ein Zeitplan für die endgültige Entscheidung wurde bislang nicht genannt.
Quelle:
MDR Sachsen-Anhalt unter Berufung auf eine Antwort der Landesregierung, Stand 23. Juli 2026.