Der Hochwasserschutz im Elbe-Saale-Winkel wird mehr als 13 Jahre nach dem verheerenden Deichbruch bei Breitenhagen weiter verstärkt. Sachsen-Anhalts Umweltminister Armin Willingmann hat den bereits sanierten Saaledeich und das wiederhergestellte Schöpfwerk im Salzlandkreis besichtigt. Aktuell laufen weitere Arbeiten an 230 Metern Saaledeich und rund vier Kilometern Elbe-Hauptdeich.

Für die Erhöhung der Schutzanlagen sowie den Bau einer landseitigen Berme und neuer Deichverteidigungs- und Kontrollwege werden derzeit weitere 15,6 Millionen Euro eingesetzt.

Deichbruch von 2013 prägt die Region bis heute

Am 9. Juni 2013 brach der rechtsseitige Saaledeich nahe dem Barbyer Ortsteil Breitenhagen. Durch die später rund 140 Meter breite Öffnung strömten nach Angaben des Landes etwa 115 Millionen Kubikmeter Wasser.

Im Salzlandkreis wurden rund 85 Quadratkilometer überflutet. Betroffen waren Breitenhagen, Klein Rosenburg, Groß Rosenburg, Diebzig, Lödderitz und Kühren. Auch das Schöpfwerk Breitenhagen ging damals in den Fluten unter.

Das Hochwasser gehört zu den schwersten Naturereignissen der jüngeren Landesgeschichte. Insgesamt hielten damals zehn Deiche in Sachsen-Anhalt den Wassermassen nicht stand.

660 Meter Saaledeich bereits seit 2014 erneuert

Der beim Hochwasser gebrochene Abschnitt des Saaledeichs wurde auf einer Länge von rund 660 Metern bereits bis zum Frühjahr 2014 DIN-gerecht saniert. Die Kosten lagen bei rund 2,9 Millionen Euro.

Auch das Schöpfwerk Breitenhagen wurde wiederhergestellt und ist seit Ende 2014 erneut in Betrieb. Seine Aufgabe besteht darin, Wasser aus tiefer gelegenen Bereichen abzuleiten, wenn ein natürlicher Abfluss aufgrund hoher Wasserstände nicht möglich ist.

Damit wurden zwei zentrale Schwachstellen beseitigt, die beim Hochwasser 2013 besonders schwer betroffen waren.

Weitere Arbeiten an Saale und Elbe laufen

Abgeschlossen ist der Ausbau des Hochwasserschutzes im Elbe-Saale-Winkel noch nicht. Derzeit werden weitere 230 Meter des Saaledeichs sowie rund vier Kilometer des linkseitigen Elbe-Hauptdeichs bearbeitet.

Zu den Maßnahmen gehören die Erhöhung der Deiche, der Bau einer landseitigen Berme sowie neue Wege für Kontrolle und Deichverteidigung.

Eine Berme ist eine zusätzliche, meist waagerechte Fläche am Deichkörper. Sie kann die Standsicherheit verbessern und Einsatzkräften bei Kontrollen oder der Verteidigung des Deiches Zugang ermöglichen.

Für diese Arbeiten werden nach Angaben des Umweltministeriums aktuell 15,6 Millionen Euro investiert.

Rückverlegte Deiche sollen Saale entlasten

Neben der Verstärkung bestehender Deiche plant Sachsen-Anhalt auch Rückverlegungen. Dabei erhält ein Fluss bei Hochwasser zusätzliche Flächen, auf die er sich ausbreiten kann.

Nahe Beesenlaublingen bei Könnern soll ein zusätzliches Überflutungsgebiet von rund 115 Hektar entstehen. Bei Tornitz ist eine weitere Fläche von 30 Hektar vorgesehen.

Nach Angaben des Ministeriums könnte der Wasserstand der Saale im Hochwasserfall dadurch um knapp einen halben Meter sinken. Das würde nicht nur die unmittelbar angrenzenden Bereiche entlasten, sondern auch den Druck auf weitere Schutzanlagen entlang des Flusses verringern.

Mehr als 207 Millionen Euro seit 2002 investiert

Im Salzlandkreis wurden seit 2002 insgesamt rund 207,3 Millionen Euro in den Hochwasserschutz investiert. Davon entfielen etwa 146,5 Millionen Euro auf die Zeit seit dem Hochwasser von 2013.

Die Zahlen verdeutlichen, welchen finanziellen Umfang der Schutz von Städten, Dörfern, landwirtschaftlichen Flächen und Infrastruktur im Elbe-Saale-Gebiet besitzt.

Gerade in einer Region mit mehreren Flüssen und tief liegenden Flächen reichen einzelne Deichsanierungen nicht aus. Erforderlich ist ein Netz aus Deichen, Schöpfwerken, Überflutungsflächen, Kontrollwegen und technischen Anlagen.

Willingmann sieht Region auf der Zielgeraden

Umweltminister Armin Willingmann erklärte während seiner Hochwasserschutztour „Sachsen-Anhalt wasserfest“, der Elbe-Saale-Winkel sei beim Hochwasserschutz auf einem guten Weg.

Er verwies darauf, dass Planung, Genehmigung und Bau größerer Schutzmaßnahmen oft viele Jahre dauerten. Gerade deshalb sei der Abschluss wichtiger Projekte für die betroffenen Orte von großer Bedeutung.

Nach seiner Einschätzung schaffen die Investitionen eine Grundlage dafür, dass sich die Bilder des Hochwassers von 2013 nicht wiederholen.

Bedeutung für Breitenhagen und die umliegenden Orte

Für Breitenhagen und die benachbarten Ortschaften ist der Ausbau des Hochwasserschutzes unmittelbar mit Sicherheit und Lebensqualität verbunden.

Ein erneuter Deichbruch würde nicht nur Wohnhäuser bedrohen. Auch Straßen, Landwirtschaft, kommunale Einrichtungen und technische Infrastruktur könnten betroffen sein.

Der Elbe-Saale-Winkel ist zugleich eine landwirtschaftlich geprägte Region. Große Überflutungen können Böden, Ernten, Betriebe und Verkehrsverbindungen über lange Zeit beeinträchtigen.

Der Ausbau der Deiche schützt deshalb nicht nur einzelne Gebäude, sondern die wirtschaftliche Grundlage ganzer Ortschaften.

Warum Schöpfwerke unverzichtbar sind

Schöpfwerke spielen in Flussniederungen eine wichtige Rolle. Sie pumpen Wasser aus Entwässerungsgräben oder tiefer liegenden Flächen in den Fluss, wenn das Wasser nicht mehr von selbst abfließen kann.

Bei hohen Pegelständen steigt das Risiko, dass sich Wasser hinter den Deichen sammelt. Ohne funktionierende Pumptechnik könnten Felder, Straßen oder Grundstücke auch dann überflutet werden, wenn der Deich selbst hält.

Dass das Schöpfwerk Breitenhagen beim Hochwasser 2013 vollständig überflutet wurde, machte seinen Wiederaufbau zu einem wichtigen Teil des Schutzkonzepts.

Hochwasserschutz bleibt Daueraufgabe

Die laufenden Arbeiten zeigen, dass Hochwasserschutz nicht mit der Reparatur eines einzelnen Deichbruchs abgeschlossen ist.

Deiche müssen regelmäßig kontrolliert, technisch angepasst und an neue Anforderungen angeglichen werden. Hinzu kommen veränderte Niederschlagsmuster, lange Trockenphasen und plötzlich auftretende Starkregenereignisse.

Gleichzeitig müssen Planungen mit Naturschutz, Landwirtschaft, Eigentumsrechten und kommunalen Interessen abgestimmt werden. Das erklärt, warum größere Projekte oft mehrere Jahre benötigen.

Der Saaledeich bei Breitenhagen und das dortige Schöpfwerk wurden nach dem Hochwasser von 2013 wiederhergestellt. Parallel setzt Sachsen-Anhalt den Ausbau des Hochwasserschutzes im gesamten Elbe-Saale-Winkel fort.

Weitere 15,6 Millionen Euro fließen derzeit in Deiche an Saale und Elbe. Geplante Rückverlegungen bei Beesenlaublingen und Tornitz sollen dem Fluss zusätzliche Überflutungsflächen geben und den Wasserstand bei Hochwasser senken.

Für Breitenhagen, die umliegenden Ortschaften und den gesamten Salzlandkreis bleibt der Hochwasserschutz eine zentrale Infrastrukturaufgabe.

Quelle:
Ministerium für Wissenschaft, Energie, Klimaschutz und Umwelt Sachsen-Anhalt: Pressemitteilung „Willingmann besichtigt sanierten Saaledeich und erneuertes Schöpfwerk im Salzlandkreis“, veröffentlicht am 23. Juli 2026.