Die Zukunft eines der bekanntesten deutschen Traditionsverlage steht auf dem Spiel: Der Karl-May-Verlag, der seit Generationen die Werke rund um Winnetou, Old Shatterhand und Kara Ben Nemsi verlegt, sucht einen Nachfolger. Damit verbindet sich eine drängende Kulturfrage, die vor allem im sächsischen Radebeul aufmerksam verfolgt wird: Was passiert mit dem wertvollen literarischen Nachlass des Schriftstellers?

Tiefe Wurzeln im sächsischen Radebeul

Die Geschichte des Verlags ist eng mit Sachsen verwoben. Am 1. Juli 1913 wurde der Karl-May-Verlag in Radebeul gegründet – von Mays Witwe Klara May, dem Forscher Friedrich Ernst Fehsenfeld sowie dem Juristen und Verleger Dr. E. A. Schmid. Von Radebeul aus trugen die markanten grünen Bände mit der prägenden Goldprägung die Abenteuergeschichten in Millionen deutsche Wohnzimmer.

Nach dem Zweiten Weltkrieg und den politischen Umbrüchen in der DDR verlegte das Unternehmen seinen Sitz im Jahr 1959 ins bayerische Bamberg, wo der Verlag bis heute von der Verlegerfamilie Schmid geführt wird. Der literarische Nachlass des Autoren-Genies blieb jedoch stets im Privatbesitz der Gründerfamilie.

Verlegerfamilie sucht geordnete Übergabe

Nun steht der Generationswechsel bevor: Der aktuelle Inhaber sucht eine Nachfolgeoption, um das verlegerische Erbe in sichere Hände zu übergeben. Damit verknüpft ist die Sorge von Literaturwissenschaftlern und May-Fans um das historische Archiv. Zum Nachlass gehören unter anderem:

  • Originalmanuskripte und seltene Erstausgaben

  • Persönliche Korrespondenzen und Tagebücher Karl Mays

  • Historische Verlagsunterlagen und Bilddokumente

Rückkehr nach Sachsen weiterhin ungewiss

In Sachsen – insbesondere in Radebeul, dem Wirkungs- und Sterbeort des Schriftstellers – hofft man seit Langem darauf, dass Teile oder gar die Gesamtheit des schriftstellerischen Nachlasses wieder dauerhaft in die Heimat des Autors zurückkehren könnten. Am Standort Radebeul befindet sich mit dem Karl-May-Museum und der historischen Villa Shatterhand die zentrale Anlaufstelle für die Pflege des literarischen Erbes.

Ob es jedoch zu einer Rückführung des Nachlasses nach Sachsen oder zu einer Kooperation mit öffentlichen Stiftungen kommt, ist zum jetzigen Zeitpunkt völlig unklar. Solange kein neuer Eigentümer oder Verleger gefunden ist, bleibt die Zukunft der Werke und Dokumente im Ungewissen.

Quellen & Datenbasis

  • Karl-May-Verlag (Bamberg/Radebeul): Unternehmenshistorie und Mitteilungen zur Verlagsnachfolge.

  • Karl-May-Stiftung / Karl-May-Museum Radebeul: Dokumentation zum literarischen Nachlass und zur Wirkungsgeschichte in Sachsen.