Die Retter im höchsten Gebirge Norddeutschlands kommen nicht zur Ruhe: Im ersten Halbjahr 2026 verzeichnete die Bergwacht im Harz bereits 54 Einsätze. Das sind zehn Alarmierungen mehr als im Vergleichszeitraum des Vorjahres. Als absolute Notfall-Hotspots erweisen sich einmal mehr der Brocken sowie die zum Teil beschwerlichen Aufstiegswege.

Brockenregion bleibt Haupteinsatzgebiet

Ob Sturzverletzungen auf blockigem Gestein, Herz-Kreislauf-Probleme durch Unterschätzung der Steigungen oder plötzliche Wetterumschwünge: Die Bandbreite der Einsätze für die ehrenamtlichen Bergretter war in den ersten sechs Monaten gewohnt vielfältig. Die meisten Hilfeersuche betrafen dabei Wanderer und Ausflügler, die rund um den 1.141 Meter hohen Brocken unterwegs waren.

Gegenüber den 44 Einsätzen im ersten Halbjahr 2025 bedeutet das aktuelle Einsatzaufkommen eine Steigerung um rund 23 Prozent.

Gefährliche Falle: Bergretter warnen vor ungeprüften Wandernavi-Apps

Neben der oft unzureichenden körperlichen Selbsteinschätzung und mangelhaftem Schuhwerk sehen die Einsatzkräfte ein zunehmendes digitales Problem: Wanderer verlassen sich viel zu oft blind auf Navigations-Apps.

Immer wieder führen ungeprüfte oder von anderen Nutzern fehlerhaft hochgeladene Routen auf inoffizielle, teils gesperrte oder extrem unwegsame Pfade. Was auf dem Smartphone-Display wie eine Abkürzung aussieht, entpuppt sich vor Ort rasch als steiles Geröllfeld, unpassierbares Totholz-Revier oder Sackgasse. Fehlt dann noch das Mobilfunknetz oder leert sich der Akku, stecken Ausflügler nicht selten hilflos im Forst fest.

Tipps der Bergwacht für sichere Touren im Harz

Damit der Ausflug in den Harz nicht im Rettungswagen endet, raten die Experten zu grundlegenden Vorsichtsmaßnahmen:

  1. Routen analog absichern: Neben dem Smartphone stets eine aktuelle, gedruckte Wanderkarte im Rucksack mitführen.

  2. Offizielle Wege nutzen: Nur ausgeschilderte Hauptwanderwege (wie den Goetheweg oder den Heinrich-Heine-Weg) wählen und App-Empfehlungen kritisch hinterfragen.

  3. Ausrüstung anpassen: Festes, knöchelhohes Schuhwerk, wetterfeste Kleidung und eine Powerbank für das Mobiltelefon gehören zur Grundausstattung.

  4. Notfall-Funktion kennen: Standortdaten im Notfall über das Smartphone präzise orten können und frühzeitig die Notrufnummer 112 wählen.

Quellen & Datenbasis

  • Bergwacht Harz / Landesverband DRK: Halbjahres-Einsatzstatistik und Präventionshinweise (Juli 2026).