Die Arbeiterwohlfahrt befürchtet eine Verdrängung von Menschen, die bislang ein Freiwilliges Soziales Jahr oder den Bundesfreiwilligendienst absolvieren.
Problematisch wäre aus Sicht des Verbandes insbesondere, wenn Zivildienstleistende für dieselben Tätigkeiten eine höhere Vergütung erhielten als Freiwillige.
AWO verlangt ausreichend Vorlauf
Die AWO fordert eine eindeutige Finanzierung und ausreichend Zeit zur Vorbereitung. Die bestehenden Dienste hätten sich über Jahre entwickelt und dürften durch eine kurzfristige politische Entscheidung nicht beschädigt werden.
Die Träger sollten deshalb bereits an der Ausarbeitung eines möglichen neuen Systems beteiligt werden. Erfahrungen aus dem früheren Zivildienst und aus den heutigen Freiwilligendiensten könnten dabei miteinander verbunden werden.
Volkssolidarität bevorzugt freiwilliges Engagement
Auch die Volkssolidarität Brandenburg beurteilt die Überlegungen zurückhaltend. Der Verband setzt nach eigener Aussage bevorzugt auf Menschen, die sich aus eigener Motivation für eine soziale Tätigkeit entscheiden.
Bei einem verpflichtenden Wehrersatzdienst sei nicht in gleichem Maße gesichert, dass die Teilnehmer tatsächlich Interesse an der Arbeit mit pflegebedürftigen, älteren oder hilfsbedürftigen Menschen hätten.
Pflegeeinrichtungen brauchen verlässliche Kräfte
Zivildienstleistende könnten Einrichtungen unterstützen, dürfen jedoch keine regulären Fachkräfte ersetzen. Pflege, Betreuung und medizinische Versorgung setzen qualifiziertes Personal und klare Verantwortlichkeiten voraus.
Eine große Zahl kurzfristig eingesetzter Dienstleistender könnte zwar bei einfachen Tätigkeiten helfen. Sie verursacht jedoch zugleich zusätzlichen Aufwand für Anleitung, Ausbildung und Begleitung.
Unterschiedliche Bezahlung könnte Konflikte auslösen
Besonders sensibel ist die Frage der Vergütung. Arbeiten Freiwillige und Zivildienstleistende nebeneinander, sollten vergleichbare Tätigkeiten nach Auffassung der Verbände nicht völlig unterschiedlich bezahlt werden.
Andernfalls drohen Unzufriedenheit und ein Rückgang der Bewerbungen für freiwillige Programme. Dies könnte gerade jene Angebote schwächen, die unabhängig von einer möglichen Wehrpflicht weiterbestehen sollen.
Entscheidung des Bundes bleibt abzuwarten
Wie ein neuer Zivildienst konkret ausgestaltet würde, steht noch nicht abschließend fest. Offen sind unter anderem Dauer, Bezahlung, Einsatzorte und die Frage, wer überhaupt verpflichtet werden könnte.
Die Sozialverbände verlangen deshalb, nicht erst nach einem politischen Beschluss gehört zu werden. Ihre praktischen Erfahrungen sollen bereits in die Planung einfließen.
Quellen
– Rundfunk Berlin-Brandenburg: Zivildienst-Pläne stoßen auf Skepsis bei Verbänden, veröffentlicht am 6. August 2026
– Arbeiterwohlfahrt Bundesverband: Stellungnahme zu Freiwilligendiensten und möglichem Zivildienst
– Volkssolidarität Brandenburg: Einschätzung zur möglichen Wiedereinführung