Während für hunderttausende Schüler in Ostdeutschland das neue Schuljahr näher rückt, bleibt die personelle Ausstattung der Schulen eine zentrale Herausforderung. Brandenburg, Mecklenburg-Vorpommern und weitere Länder starten am 24. August in den Unterricht, gleichzeitig laufen weiterhin Ausschreibungen für Lehrerstellen. Besonders Grund-, Förder-, Gemeinschafts- und Berufsschulen sowie einzelne Mangelfächer zeigen, dass der Personalbedarf längst nicht überall gedeckt ist.
Sachsen-Anhalt schrieb Hunderte Stellen aus
Besonders deutlich wird der Personalbedarf in Sachsen-Anhalt.
Das Bildungsministerium schrieb allein Anfang April 663 Lehrerstellen aus. Anfang Mai folgte eine weitere Ausschreibungsrunde mit 529 Stellen. Besonders gesucht wurden dabei Lehrkräfte für Grundschulen, Förderschulen, Gemeinschaftsschulen und Sekundarschulen.
Die Ausschreibungen richten sich ausdrücklich nicht nur an vollständig ausgebildete Lehrer. Auch Seiteneinsteiger sollen für den Schuldienst gewonnen werden.
Für Schulen mit besonders schwieriger Personalgewinnung setzt das Land zusätzlich auf sogenannte G-Stellen. Bei diesen kann wegen einer besonderen Bedarfslage eine Zulage gezahlt werden. In der Mai-Ausschreibung waren 84 solcher Stellen enthalten.
Die Zahlen bedeuten nicht, dass sämtliche Stellen zum Schuljahresbeginn unbesetzt sein werden. Sie zeigen aber, wie groß die laufende Personalgewinnung im Land ist.
Brandenburg sucht noch für zahlreiche Schulen
Auch Brandenburg wirbt wenige Tage vor dem Schulstart weiter um Personal.
Auf dem offiziellen Stellenportal des Bildungsministeriums waren zuletzt mehr als 100 Stellenangebote aufgeführt. Darunter befinden sich Stellen an Grundschulen, Oberschulen, Gesamtschulen und Oberstufenzentren. Gesucht werden beispielsweise Lehrer für Deutsch, Englisch, Mathematik, Naturwissenschaften, Kunst und berufliche Fachrichtungen.
Der erste Schultag ist in Brandenburg am 24. August. Rund 23.400 Kinder sollen im neuen Schuljahr eingeschult werden, etwa 24.200 wechseln nach der Grundschule auf eine weiterführende Schule.
Brandenburg setzt zur Personalgewinnung auch auf gezielte Förderung für den ländlichen Raum. Zum Wintersemester 2026/27 werden 20 Landlehrer-Stipendien vergeben. Studierende können monatlich bis zu 600 Euro erhalten, wenn sie sich langfristig an Schulen mit besonderem Personalbedarf binden.
Sachsen nennt Unterrichtsversorgung „drängendste Aufgabe“
Auch Sachsen macht keinen Hehl daraus, dass die Versorgung mit ausreichend Lehrkräften weiterhin schwierig bleibt.
Kultusminister Conrad Clemens bezeichnete die Verbesserung der Unterrichtsversorgung im Mai als die „drängendste bildungspolitische Aufgabe“ des Freistaates. Zum Schuljahr 2026/27 führt Sachsen deshalb freiwillige Arbeitszeitkonten ein. Lehrer können zeitweise zusätzliche Unterrichtsstunden übernehmen und diese später durch eine geringere Unterrichtsverpflichtung ausgleichen.
Hintergrund ist eine komplizierte Entwicklung: Nach der aktuellen Lehrerbedarfsprognose bleibt der Personalbedarf in Sachsen zunächst für mehrere Jahre ungefähr auf dem heutigen Niveau. Erst ab dem Schuljahr 2031/32 soll die sinkende Schülerzahl den Bedarf deutlicher reduzieren.
Bis 2040/41 rechnet Sachsen mit rund 80.000 Schülern weniger als heute und einem um etwa 4.600 Stellen niedrigeren Lehrerbedarf. Kurzfristig hilft diese demografische Entlastung den Schulen allerdings kaum.
Seiteneinstieg bleibt wichtiger Teil des Systems
Dass der Lehrermangel nicht auf einzelne Länder beschränkt ist, zeigt auch der Blick nach Berlin und Thüringen.
Berlin erklärt auf seinem offiziellen Karriereportal ausdrücklich, dass für alle Schularten und zahlreiche Fächer weiterhin ein großer Bedarf an Lehrkräften besteht. Für den Quereinstieg nennt die Bildungsverwaltung derzeit unter anderem Mathematik, Informatik, Biologie, Physik, Chemie, Musik, Sport, Englisch, Deutsch und sonderpädagogische Fachrichtungen.
Auch Thüringen hat zahlreiche Stellen für den Schuljahresbeginn ausgeschrieben. Dabei werden Seiteneinsteiger ausdrücklich angesprochen, und für bestimmte schwer zu besetzende Stellen kann bei verbeamteten Lehrkräften sogar ein zeitlich befristeter Sonderzuschlag von zehn Prozent des Anfangsgrundgehalts gewährt werden.
Diese Maßnahmen zeigen ein strukturelles Problem: Die Länder konkurrieren längst nicht nur untereinander um ausgebildete Lehrer, sondern müssen zunehmend zusätzliche Wege in den Schuldienst öffnen.
Schulstart wird zum Belastungstest
In Mecklenburg-Vorpommern beginnt der Unterricht an den allgemeinbildenden Schulen ebenfalls am 24. August. Dort waren im vergangenen Schuljahr rund 201.600 Schülerinnen und Schüler an allgemeinbildenden und beruflichen Schulen registriert.
Wie gut die Personaldecke tatsächlich ist, wird sich vielerorts erst in den ersten Unterrichtswochen zeigen. Denn entscheidend ist nicht allein die rechnerische Zahl der Lehrerstellen, sondern ob die benötigten Fachkombinationen an der richtigen Schule vorhanden sind.
Eine offene Mathematikstelle in einer ländlichen Region lässt sich beispielsweise nicht automatisch durch eine vorhandene Deutschlehrkraft an einem anderen Standort ausgleichen.
Genau darin liegt die langfristige Herausforderung für die ostdeutschen Bildungssysteme: Während einige Regionen perspektivisch mit sinkenden Schülerzahlen rechnen, bleiben bestimmte Schularten, Fächer und ländliche Standorte schon heute schwer zu besetzen.
Der Schulstart 2026 zeigt deshalb erneut, dass der Lehrermangel kein einzelnes Krisenjahr ist, sondern eine strukturelle Aufgabe, die mehrere ostdeutsche Länder noch über Jahre beschäftigen dürfte.
Quelle:
Ministerium für Bildung Sachsen-Anhalt; Ministerium für Bildung, Jugend und Sport Brandenburg; Sächsisches Staatsministerium für Kultus; Senatsverwaltung für Bildung, Jugend und Familie Berlin; Bildungsministerium Mecklenburg-Vorpommern; Stellenbörse des Freistaates Thüringen.