Fünf Tage lang haben Feuerwehren und Hilfsorganisationen Ende Juni gegen einen Vegetationsbrand auf dem ehemaligen Panzerübungsplatz nördlich von Neustrelitz gekämpft. Rund 400 Einsatzkräfte waren beteiligt, im Durchschnitt befanden sich zu jeder Tages- und Nachtzeit mindestens 150 Helfer vor Ort. Insgesamt wurden mehr als 35 Kilometer Schlauchleitungen verlegt. Trotz des massiven Einsatzes verbrannten 135 Hektar Vegetationsfläche.

Der Brand begann am Mittwoch, 24. Juni 2026, an der Bundesstraße 193. Wegen der hohen Munitionsbelastung des früher militärisch genutzten Geländes durfte die Feuerwehr den Brand nicht direkt angreifen. Stattdessen mussten die Einsatzkräfte aus sicherer Entfernung kilometerlange Verteidigungslinien aufbauen und angrenzende Infrastruktur schützen.

Die Freiwillige Feuerwehr Neustrelitz hat den Einsatz nun in einem ausführlichen Tagebuch dokumentiert. Verfasser ist der amtierende Gemeindewehrführer Jörg Westphal.

Alarm mit besonderem Warnhinweis

Am 24. Juni um 12.32 Uhr wurden sämtliche Kräfte der Freiwilligen Feuerwehr Neustrelitz alarmiert. Auf dem ehemaligen Panzerübungsplatz an der B 193 war ein Feuer ausgebrochen.

Die Alarmmeldung enthielt den Zusatz „Kat. 4“. Nach dem Kampfmittelkataster Mecklenburg-Vorpommern bedeutet diese Einstufung, dass die betroffene Fläche nicht betreten werden darf. Zu Bränden ist grundsätzlich ein Sicherheitsabstand von mindestens 1.000 Metern einzuhalten.

Damit fiel die sonst übliche direkte Brandbekämpfung aus. Feuerwehrleute konnten weder mit Fahrzeugen noch zu Fuß bis an die Flammen heranfahren. Auch Erdarbeiten waren ausgeschlossen, weil niemand wusste, wo sich Munition unmittelbar unter der Oberfläche befand.

Von der Bundesstraße aus war zunächst lediglich Rauch sichtbar. Um die Ausdehnung des Brandes zu erkennen, forderte die Einsatzleitung die Drohneneinheit der Feuerwehrtechnischen Zentrale des Landkreises Mecklenburgische Seenplatte an.

Vier Hektar brannten bereits nach einer Stunde

Knapp eine Stunde nach Einsatzbeginn lagen die ersten Luftbilder vor. Zu diesem Zeitpunkt standen bereits etwa vier Hektar Vegetation in Flammen.

Der Wind war schwach bis mäßig, wechselte jedoch wiederholt die Richtung. Dadurch konnte sich das Feuer in mehrere Richtungen ausbreiten. Die Einsatzleitung forderte weitere Kräfte und Technik aus dem gesamten Landkreis an.

Als auf dem Gelände erste Explosionen zu hören waren, wurde die Führungsstelle zur Rettungswache Nord verlegt. Der Standort am Hubschrauberlandeplatz nahe dem DRK-Krankenhaus Mecklenburg-Strelitz blieb bis zum Ende des Einsatzes die zentrale Koordinierungsstelle.

Hochspannungsleitung musste geschützt werden

Mitten durch das ehemalige Übungsgelände verläuft eine Hochspannungsleitung, die Neustrelitz mit Strom versorgt. Diese Infrastruktur musste vor dem Feuer geschützt werden.

Da die Leitungstrasse als frei von Munition galt, errichteten die Feuerwehren dort eine Wasserlinie mit Kreisregnern. In Abständen von jeweils 20 Metern wurden Regner aufgebaut. Das zunächst vorhandene Material reichte für eine Strecke von 640 Metern.

Weitere Landkreise lieferten im Verlauf des Einsatzes zusätzliches Material. Die Verteidigungslinie wurde in den folgenden Tagen schrittweise verlängert.

Am ersten Einsatztag drückte der Wind Rauch und Feuer zeitweise in Richtung Neustrelitz. Erste Evakuierungen wurden notwendig, konnten jedoch nach einigen Stunden wieder aufgehoben werden. Rauch blieb teilweise bis zum nächsten Morgen im Stadtgebiet.

Bis zum Abend waren rund 80 Hektar Vegetation verbrannt.

Zweiter Tag: Feuer läuft in vorbereitete Verteidigungslinie

In der Nacht zum 25. Juni ließ der Wind nach. Das Feuer bewegte sich bis zum Morgen nur rund 150 Meter in nordwestliche Richtung.

Mit Sonnenaufgang nahm der Wind erneut zu, blieb zunächst aber vergleichsweise stabil. Die Einsatzkräfte bauten eine zweite Verteidigungslinie aus Kreisregnern. Gemeinsam mit der ersten Linie entstand eine dreieckige Fläche, in die das Feuer bei gleichbleibender Windrichtung hineinlaufen sollte.

Zusätzlich wurde die Linie in südlicher und östlicher Richtung verlängert.

Eine Freifläche mit einem Pflug als Brandschutzstreifen zu bearbeiten, war trotz der möglichen taktischen Vorteile ausgeschlossen. Selbst ein Spaten durfte auf dem Gelände nicht in den Boden gestoßen werden. Die Gefahr durch Munition war zu groß.

Wasser kam aus zwei Seen

Das Löschwasser wurde aus dem Großen Bodensee und dem Langhäger See herangepumpt. Dafür mussten Leitungen über Entfernungen von 1,4 beziehungsweise drei Kilometern aufgebaut werden.

Eine weitere Verteidigungslinie entstand am Solarpark Sophienhof. Dort hielten Tanklöschfahrzeuge einen rund 500 Meter langen Abschnitt feucht.

Diese Stellung musste zeitweise aufgegeben werden, weil sich der Wind drehte und das Feuer direkt auf die Feuerwehrkräfte zulief. Der vorgeschriebene Sicherheitsabstand konnte nicht mehr eingehalten werden.

Bis zum nächsten Morgen wuchs die verbrannte Fläche auf 130 Hektar.

Neuer Brandherd bedroht Stromversorgung

Am Freitag, 26. Juni, zeigte sich erstmals eine leichte Entspannung. Teile des Feuers waren an der zweiten Kreisregnerlinie gestoppt worden oder in bereits abgebrannten Flächen erloschen.

An mehreren Stellen brannte es jedoch weiter. Zudem entstand ein neuer, knapp drei Hektar großer Brandherd. Dieser bewegte sich nach Norden in Richtung der Hochspannungsleitung.

Die Feuerwehr versuchte, die entlang der Leitung verlaufende Verteidigungslinie bis zur B 193 zu verlängern. Auf den letzten 1.600 Metern war ein Vorankommen jedoch nicht mehr möglich.

Stattdessen wurde die Linie über einen nutzbaren Weg nach Norden bis zu einem Waldweg verlängert. Dieser lag außerhalb der munitionsbelasteten Fläche, aber nur noch etwa 250 Meter von der Bahnstrecke entfernt.

Tanklöschfahrzeuge pendelten fortan auch in diesem Abschnitt und benässten die Vegetation.

Hochspannungsleitung wurde abgeschaltet

Als sich das Feuer der Hochspannungsleitung auf weniger als 200 Meter näherte, entschied der Energieversorger, die Leitung vorsorglich abzuschalten.

Damit sollte verhindert werden, dass Hitze, Rauch oder Flammen die Stromversorgung gefährden oder Einsatzkräfte zusätzlich gefährdet werden.

Bis zum Abend veränderte sich die Lage nicht mehr wesentlich. Das Feuer kam nur langsam voran.

6,3 Kilometer lange Schutzlinie

Am Samstag, 27. Juni, herrschte nahezu Windstille. Der nördliche Brandherd bewegte sich kaum noch.

Die Feuerwehren hielten sämtliche Verteidigungsmaßnahmen aufrecht. Auch der zuvor geräumte Bereich am Solarpark Sophienhof konnte wieder mit Personal und Technik besetzt werden.

Zu diesem Zeitpunkt verteidigten die Einsatzkräfte eine zusammenhängende Linie von 6,3 Kilometern Länge.

Die Lage blieb bis zum Abend stabil. Offene Flammen und Glutstellen machten jedoch weiterhin eine dauerhafte Überwachung erforderlich.

Temperaturen von bis zu 180 Grad im Boden

Am Sonntag, 28. Juni, wurden am Verteidigungsabschnitt Solarpark Sophienhof im Boden noch Temperaturen von bis zu 180 Grad gemessen. Dort musste weiter gekühlt werden.

Der Brandherd, der zuvor die Hochspannungsleitung bedroht hatte, war während der Nacht selbstständig erloschen.

Gegen Mittag erfolgte eine erneute Lagebewertung. Weder offene Flammen noch Rauchentwicklungen waren noch feststellbar.

Die Einsatzleitung entschied daraufhin, den Einsatz bis 18 Uhr schrittweise zurückzufahren. Kreisregner und Schlauchleitungen zu den Seen blieben jedoch noch eine Woche liegen. Bei einem Wiederaufflammen hätten sie sofort erneut in Betrieb genommen werden können.

Kurz nach 16 Uhr verließ der diensthabende Einsatzleiter als letzter Feuerwehrmann den Brandort. Anschließend rückte auch der Betreuungszug ab.

Die Einsatzstelle wurde an den Eigentümer, das Nationalparkamt, übergeben. Dieses übernahm die weitere Brandwache.

Kräftige Regenschauer in den folgenden Tagen sorgten schließlich für zusätzliche Entlastung.

Rund 400 Helfer aus mehreren Landkreisen

An dem fünftägigen Einsatz waren Feuerwehren aus dem gesamten Landkreis Mecklenburgische Seenplatte beteiligt. Der Landkreis ist flächenmäßig der größte in Deutschland.

Zusätzlich kamen vier Betreuungszüge aus drei weiteren Landkreisen sowie das Technische Hilfswerk zum Einsatz.

Insgesamt waren rund 400 Kräfte beteiligt. Durchschnittlich befanden sich zu jeder Tages- und Nachtzeit mindestens 150 Einsatzkräfte gleichzeitig vor Ort.

Mehr als 35 Kilometer Schlauchleitungen wurden verlegt. Das entspricht ungefähr der Entfernung von Neustrelitz bis Waren an der Müritz.

Trotz dieses Aufwands gingen 135 Hektar Vegetation verloren.

Landwirte und Fuhrunternehmen unterstützten den Einsatz

Neben Feuerwehren und Hilfsorganisationen beteiligten sich auch Landwirte, Fuhrunternehmer und Forstleute.

Sie stellten Fahrzeuge und Technik bereit, um Wasser, Material und Gerät zu den Einsatzabschnitten zu transportieren. Gerade auf weitläufigen und schwer zugänglichen Flächen war diese Unterstützung von großer Bedeutung.

Auch zahlreiche Bürger halfen. Sie versorgten Einsatzkräfte mit Getränken oder unterstützten die Versorgung auf andere Weise.

Die Feuerwehr Neustrelitz hebt in ihrem Bericht den Zusammenhalt während des Einsatzes ausdrücklich hervor.

Munitionsbelastung bestimmte die gesamte Einsatztaktik

Der Brand zeigt die besonderen Schwierigkeiten auf früher militärisch genutzten Flächen.

Auf normalen Wald- oder Ödlandflächen können Feuerwehren mit Fahrzeugen und Handwerkzeugen bis an die Feuerlinie vorgehen. Sie können Glutnester freilegen, Schneisen ziehen und den Boden bearbeiten.

Auf dem ehemaligen Panzerübungsplatz war all dies verboten. Explosionen während des Brandes bestätigten die Gefahr.

Die Feuerwehr musste daher versuchen, das Feuer kontrolliert in vorbereitete und bewässerte Bereiche laufen zu lassen. Diese Taktik erforderte enorme Mengen an Material, Wasser und Personal.

Sie war zugleich stark vom Wind abhängig. Jede Änderung der Windrichtung konnte dazu führen, dass Verteidigungslinien aufgegeben oder neu aufgebaut werden mussten.

Stromtrasse, Solarpark und Bahnlinie gefährdet

Der Einsatz betraf nicht nur unbewohnte Vegetationsflächen.

Die Hochspannungsleitung auf dem Gelände versorgt Neustrelitz mit Strom. Am Rand des Brandgebietes befand sich zudem der Solarpark Sophienhof.

Im Norden näherte sich der Brand bis auf wenige Hundert Meter einer Bahnstrecke. Die Feuerwehr musste daher verhindern, dass sich das Feuer über das eigentliche Übungsgelände hinaus ausbreitete.

Auch der Rauch sorgte zeitweise für Belastungen im Stadtgebiet. Die Evakuierungen am ersten Tag verdeutlichen, wie schnell sich die Lage bei wechselndem Wind verändern konnte.

Bedeutung für den Katastrophenschutz

Der Einsatz hat gezeigt, wie wichtig spezialisierte Technik und überregionale Zusammenarbeit bei großen Vegetationsbränden sind.

Drohnen lieferten frühzeitig Bilder aus Bereichen, die nicht betreten werden durften. Kreisregner ermöglichten den Aufbau langer Schutzlinien. Tanklöschfahrzeuge und Pumpen sorgten über mehrere Kilometer für die Wasserversorgung.

Gleichzeitig waren Betreuung, Verpflegung und Ablösung der Einsatzkräfte erforderlich. Ein fünftägiger Einsatz kann nicht allein durch eine einzelne Ortsfeuerwehr bewältigt werden.

Für Kommunen und Landkreise bedeutet dies, dass Katastrophenschutz nicht nur aus Fahrzeugen und Löschtechnik besteht. Ebenso wichtig sind funktionierende Führungsstrukturen, Kommunikationsmittel, Materialreserven und abgestimmte Einsatzpläne.

Nur zwei Wochen später folgte der nächste Großeinsatz

Die Belastung der Freiwilligen Feuerwehr Neustrelitz endete nicht mit dem Brand auf dem Panzerübungsplatz.

Nur zwei Wochen später waren Teile der Wehr erneut bei einem Großeinsatz gefordert. Dieses Mal brannte es im Müritz-Nationalpark.

Die kurze Folge großer Vegetationsbrände zeigt, wie stark Feuerwehren in trockenen Sommermonaten beansprucht werden können.

Für ehrenamtliche Kräfte bedeutet dies lange Abwesenheiten von Familien und Arbeitsplätzen. Auch Fahrzeuge, Schläuche und Schutzkleidung müssen nach jedem Einsatz gereinigt, überprüft und wieder einsatzbereit gemacht werden.

Der Brand auf dem ehemaligen Panzerübungsplatz bei Neustrelitz war ein außergewöhnlicher Einsatz. Die munitionsbelastete Fläche durfte nicht betreten werden, sodass die Feuerwehr das Feuer nur aus großer Entfernung eindämmen konnte.

Rund 400 Einsatzkräfte errichteten kilometerlange Verteidigungslinien, pumpten Wasser aus zwei Seen und schützten Stromleitung, Solarpark und Bahnstrecke. 135 Hektar Vegetation verbrannten.

Dass keine Einsatzkräfte oder Anwohner verletzt wurden und das Feuer nicht auf weitere Flächen übergriff, war das Ergebnis einer aufwendigen Zusammenarbeit zahlreicher Feuerwehren, Hilfsorganisationen, Unternehmen und freiwilliger Helfer.