RB Leipzig ist mit einem Sieg in die Vorbereitung auf die Saison 2026/27 gestartet. Im ersten Spiel unter dem neuen Cheftrainer Martín Demichelis setzte sich der Bundesligist im Stadion am Bad in Markranstädt mit 2:1 gegen die VSG Altglienicke durch.
Überzeugend war der Auftritt allerdings noch nicht. Gegen den ambitionierten Regionalligisten tat sich Leipzig über weite Strecken schwer. Fünf Tage nach dem Trainingsauftakt fehlten erwartungsgemäß Abstimmung, Präzision und Tempo.
Gruda erzielt das erste Tor der neuen Saison
RB erwischte zunächst den besseren Start. Brajan Gruda brachte die Leipziger bereits in der achten Minute in Führung. Der Offensivspieler nutzte eine der ersten guten Möglichkeiten und erzielte damit das erste Tor der noch jungen Vorbereitung.
Die Führung sorgte jedoch nicht für Sicherheit. Altglienicke hielt körperlich dagegen, störte den Leipziger Spielaufbau und kam selbst zu Möglichkeiten. In der 22. Minute erzielte Jonas Nietfeld den Ausgleich für den Regionalligisten.
Mit dem Stand von 1:1 ging es in die Pause. Dass der Klassenunterschied auf dem Platz kaum zu erkennen war, dürfte Demichelis weniger gefallen haben.
Bakayoko entscheidet die Partie
Nach dem Seitenwechsel wechselte Leipzig auf mehreren Positionen. Wie bei einem frühen Vorbereitungsspiel üblich, erhielten zahlreiche Profis und Nachwuchsspieler Einsatzzeit.
Johan Bakayoko erzielte in der 51. Minute das 2:1. Später traf er zudem die Latte und gehörte damit zu den auffälligsten Spielern der zweiten Hälfte.
Weitere Tore gelangen dem Bundesligisten jedoch nicht. Altglienicke blieb bis zum Schluss im Spiel und hätte Leipziger Fehler beinahe noch konsequenter bestrafen können.
Neue Spielidee erst in Ansätzen erkennbar
Demichelis hatte bei seiner Vorstellung angekündigt, künftig auf Leidenschaft, Intensität, offensiven Mut und eine aggressive Körpersprache zu setzen. Im ersten Test waren diese Vorstellungen lediglich phasenweise zu erkennen.
Besonders nach der Pause erhöhte Leipzig den Druck und trat energischer auf. Von einem eingespielten Pressing oder einem klaren offensiven Automatismus konnte jedoch noch keine Rede sein.
Das ist zu diesem frühen Zeitpunkt der Vorbereitung nicht ungewöhnlich. Der Trainer arbeitet erst seit wenigen Tagen mit der Mannschaft. Zudem standen nicht alle Nationalspieler zur Verfügung, während mehrere Nachwuchskräfte und mögliche Wechselkandidaten eingesetzt wurden.
Defensive bietet zu viele Räume
Problematisch war vor allem, dass sich Altglienicke wiederholt aus dem Leipziger Druck lösen konnte. Die Abstände zwischen den Mannschaftsteilen waren teilweise zu groß, und nach Ballverlusten entstanden Räume für schnelle Gegenangriffe.
Ein Regionalligist nutzte diese Möglichkeiten nur begrenzt. Gegen einen Bundesligisten oder einen international erfahrenen Gegner könnten solche Fehler deutlich härter bestraft werden.
Demichelis, selbst früher ein erfolgreicher Innenverteidiger, dürfte deshalb besonders auf die defensive Ordnung achten. Leipzig soll aggressiv nach vorne verteidigen, darf dabei aber nicht ständig die Absicherung verlieren.
Nachwuchsspieler erhalten ihre Chance
Der erste Test diente nicht nur dem Ergebnis. Demichelis wollte möglichst viele Spieler unter Wettkampfbedingungen sehen und setzte mehrere Nachwuchskräfte ein.
Suleman Sani, Tidiam Gomis und Samba Konaté gehörten zu den jungen Spielern, die sich zeigen durften. Solche Einsätze sind für den neuen Trainer wichtig, weil der Leipziger Kader derzeit noch deutlich größer ist als die Gruppe, mit der er dauerhaft arbeiten möchte.
In den kommenden Wochen muss entschieden werden, welche Talente näher an die erste Mannschaft heranrücken und welche Profis den Verein möglicherweise noch verlassen.
Kaderplanung bleibt eine Baustelle
Die sportliche Vorbereitung wird von zahlreichen offenen Personalfragen begleitet. Mehrere Nationalspieler steigen erst später ins Training ein. Gleichzeitig befinden sich einige zurückgekehrte Leihspieler und mögliche Verkaufskandidaten im Kader.
RB will nach Angaben der Vereinsführung jede Position möglichst doppelt besetzen. Der derzeitige Umfang der Mannschaft ist dafür allerdings zu groß. Zusätzlich spielen notwendige Transfererlöse eine wichtige Rolle für die wirtschaftliche Planung des Vereins.
Demichelis muss deshalb eine Spielidee entwickeln, während sich die Zusammensetzung seines endgültigen Kaders noch verändern kann.
Ergebnis ist vorerst zweitrangig
Ein 2:1 gegen einen Regionalligisten ist für einen Bundesligisten kein Glanzstück. Dennoch sollte das Ergebnis eines ersten Tests nicht überbewertet werden.
Altglienicke steht bereits kurz vor dem Beginn der Regionalliga-Saison und war entsprechend weiter in der Vorbereitung. Leipzig hatte dagegen erst fünf gemeinsame Trainingstage absolviert und nutzte die Begegnung für zahlreiche Wechsel und Experimente.
Entscheidend ist nun, ob die Mannschaft in den nächsten Partien Fortschritte zeigt. Am 25. Juli wartet mit dem FC Ingolstadt ein Drittligist. Am 1. August folgt der Test gegen den SC Verl. Später stehen unter anderem ein Spiel bei Leeds United und die Generalprobe beim FC Bayern München auf dem Programm.
Demichelis hat noch viel Arbeit vor sich
Der erste Auftritt brachte einen Sieg, aber noch keine Aufbruchsstimmung. Leipzig zeigte gute individuelle Ansätze, offenbarte jedoch Schwächen bei Abstimmung, defensiver Kontrolle und konsequenter Chancenverwertung.
Für Demichelis beginnt nun die eigentliche Arbeit. Er muss aus einem großen und noch nicht vollständigen Kader eine Mannschaft formen, die seine Vorstellungen von Intensität und offensivem Fußball dauerhaft umsetzen kann.
Der knappe Erfolg gegen Altglienicke war deshalb weder ein Fehlstart noch ein überzeugender Neubeginn. Er war vor allem das, was ein erstes Vorbereitungsspiel sein soll: eine Bestandsaufnahme mit vielen offenen Fragen.