Die Ermittlungen nach dem Fund einer mit Sprengstoff bestückten Drohne am Flughafen Leipzig/Halle haben am Donnerstag zu einer Durchsuchung im verlassenen Ort Kursdorf geführt. Eine Sprecherin der Generalbundesanwaltschaft bestätigte den Einsatz, machte aus ermittlungstaktischen Gründen jedoch keine Angaben dazu, wonach die Einsatzkräfte dort konkret suchten.
Sprengstoff-Drohne nahe ukrainischer Flugzeuge
Ausgangspunkt der Ermittlungen ist ein Vorfall vom 5. August 2026. Nach den bislang bekannten Angaben wurde im Sicherheitsbereich des Flughafens eine mit Sprengstoff versehene Drohne entdeckt und anschließend entschärft. In unmittelbarer Umgebung befanden sich ukrainische Transportflugzeuge.
Die Bundesanwaltschaft hat die Ermittlungen übernommen. Untersucht wird unter anderem der Verdacht der versuchten Herbeiführung einer Sprengstoffexplosion sowie eines gefährlichen Eingriffs in den Luftverkehr. Die Behörde bewertet den Vorgang als schwerwiegenden Angriff auf die deutsche Transport- und Logistikinfrastruktur.
Eine belastbare öffentliche Aussage dazu, wer hinter dem Vorfall steckt, gibt es bislang nicht. Spekulationen über eine mögliche staatliche Urheberschaft sind daher von den bestätigten Ermittlungsergebnissen zu trennen.
Kursdorf liegt mitten im Flughafengelände
Das frühere Dorf Kursdorf befindet sich unmittelbar im Bereich des Flughafens Leipzig/Halle. Heute leben dort keine Einwohner mehr; erhalten geblieben sind unter anderem eine Kirche und einzelne Gebäude. Die Polizei Sachsen führt den Bereich weiterhin gemeinsam mit dem Flughafen als eigenen Betreuungsbereich.
Warum gerade dort am Donnerstag gesucht wurde, ist nicht bekannt. Die Generalbundesanwaltschaft bestätigte lediglich die Durchsuchung.
Politik fordert stärkere Drohnenabwehr
Der Fall hat inzwischen auch den sächsischen Landtag erreicht. Nach einer Sondersitzung des Innenausschusses forderten mehrere Fraktionen eine deutlich bessere Drohnenerkennung und -abwehr zum Schutz kritischer Infrastruktur.
Sachsens Innenminister Armin Schuster erwägt darüber hinaus die Einrichtung eines eigenen Sicherheitsrats für den Freistaat. Dieser soll ressortübergreifend über hybride Bedrohungen und den Schutz besonders sensibler Infrastruktur beraten.
Dass das Problem über den einzelnen Vorfall hinausreicht, zeigen aktuelle Zahlen: Im ersten Halbjahr 2026 wurden in Sachsen 13 sicherheitsrelevante Drohnenüberflüge über kritischer Infrastruktur registriert. Acht davon betrafen den Bereich Transport und Verkehr. Der aktuelle Sprengstofffund war in dieser Statistik noch nicht enthalten.
Flughafen als strategischer Logistikstandort
Der Flughafen Leipzig/Halle gehört zu den wichtigsten europäischen Luftfrachtstandorten und verfügt über einen 24-Stunden-Frachtbetrieb. Damit besitzt der Standort nicht nur wirtschaftliche, sondern auch sicherheitspolitische Bedeutung.
Der Drohnenfall wirft deshalb inzwischen Fragen auf, die weit über Schkeuditz hinausreichen: Wie gut lassen sich Flughäfen und andere kritische Anlagen gegen technisch anspruchsvollere Drohnen schützen, welche Behörde ist im Ernstfall zuständig und wie schnell können unbekannte Flugobjekte erkannt und abgewehrt werden?
Auf diese Fragen dürfte der politische Druck nach der Durchsuchung in Kursdorf weiter steigen.
Quelle:
Generalbundesanwaltschaft; Polizeibehörden; Sächsischer Landtag, Stand 13. August 2026.