Wo sonst im Hochsommer Wanderer, Familien und Tagesgäste die Gassen der historischen Welterbe-Kandidatenstadt Zittau bevölkern und die Kurorte Oybin, Jonsdorf oder Waltersdorf ausgebucht sind, herrscht in diesem Sommer ungewohnte Stille. Gastwirte und Hoteliers aus der gesamten Region berichten von spürbar rückläufigen Buchungszahlen und sprechen teilweise vom schwächsten Sommergeschäft seit vielen Jahren.
Leere Betten in Zittau und den Kurorten: Die Buchungslücke wächst
Egal ob in den traditionsreichen Hotels des Kurorts Oybin, den Pensionen im Zittauer Gebirge oder in den Beherbergungsbetrieben der Kernstadt Zittau – das Stimmungsbild unter den Gastgebern ist getrübt. Die Belegungsquoten liegen weit hinter den Erwartungen und den Werten der Vorjahre zurück.
Besonders hart trifft es die Gastronomie und Hotellerie in den gebirgsnahen Erholungsorten. Während die Zittauer Schmalspurbahn und Hauptattraktionen wie die Burg- und Klosterruine Oybin zwar nach wie vor Tagestouristen anziehen, brechen die mehrtägigen Aufenthalte weg. Viele Urlauber buchen extrem kurzfristig – und entscheiden sich bei unbeständiger Wetterlage häufig gegen eine Reise in die Oberlausitz.
Die Ursachen des Tiefs: Preise, Wetter und Erreichbarkeit
Branchenkenner und lokale Akteure führen den Einbruch auf eine Kombination verschiedener Faktoren zurück, die das kleine Mittelgebirge im Dreiländereck derzeit hart treffen:
1. Preissprünge und Konsumzurückhaltung
Nach den drastischen Kostensteigerungen der letzten Jahre bei Energie, Personal und Lebensmitteln mussten auch die Beherbergungs- und Gastronomiebetriebe im Zittauer Gebirge ihre Preise anpassen. Für viele Familien und Stammgäste, die das Gebirge schätzten, ist der Sommerurlaub schlicht zu teuer geworden. Gleichzeitig sitzt das Geld bei den verbliebenen Gästen für Restaurantbesuche oder Ausflüge spürbar lockerer im Portemonnaie.
2. Wechselhaftes Sommerwetter
Ein durchwachsener Sommer mit häufigen Regenschauern mindert die Spontanzuläufe massiv. Das Zittauer Gebirge punktet vor allem als Aktiv- und Naturregion für Wanderer und Radfahrer. Bleiben Sonnenschein und stabile Sommerferien-Temperaturen aus, brechen die Buchungen im Freilufttourismus sofort ein.
3. Schwächen bei Erreichbarkeit und Baustellen
Die Anreise ins Dreiländereck bleibt ein Nadelöhr. Zähe Baustellen auf den Zubringerstraßen und ewig dauernde Diskussionen um den Zustand der regionalen Verkehrsinfrastruktur erschweren die Erreichbarkeit für Gäste aus West- und Süddeutschland. Auch im grenzüberschreitenden Bus- und Bahnnetz gibt es nach wie vor Abstimmungsbedarf.
Kritik an der Vermarktung: Braucht das Gebirge ein neues Konzept?
Unter den Leistungsanbietern wächst zudem die Kritik an den Vermarktungsstrukturen der Region. Gefordert wird eine modernere und zielgruppengerechtere Ansprache, die sich nicht nur auf den klassischen Wandertourismus verlässt.
Um im harten Wettbewerb mit den benachbarten Mittelgebirgen wie dem Erzgebirge, der Sächsischen Schweiz oder dem Riesengebirge auf tschechischer Seite zu bestehen, müsse das Zittauer Gebirge wetterunabhängige Angebote für Familien ausbauen und das Marketing digitaler aufstellen. Auch eine engere Verknüpfung von Naturerlebnis, der Kulturstadt Zittau und grenzüberschreitenden Angeboten nach Böhmen und Polen gelte es mutiger voranzutreiben, so Stimmen aus der örtlichen Hotellerie.
Für die zweite Hälfte der Sommersaison und den bevorstehenden Herbesttourismus hoffen die Gastgeber nun auf stabiles Altweibersommer-Wetter und eine Erholung durch kurzfristige Herbstbuchungen.
Quellen & Datenbasis
- Branchenumfrage & Regionale Tourismusberichte: Rückmeldungen von Hotel- und Gastronomiebetrieben aus Zittau, Oybin und Jonsdorf zur Sommersaison (Juli 2026).