Ferien sorgen nicht automatisch für volle Häuser
In Sachsen laufen die Sommerferien, gleichzeitig haben auch Familien aus anderen Bundesländern Urlaub. Dennoch sind Unterkünfte in Zittau, Oybin und weiteren Orten des südlichen Landkreises kurzfristig verfügbar.
Die Sächsische Zeitung befragte stichprobenartig sieben Hoteliers im Landkreis Görlitz. Das Ergebnis fällt unterschiedlich aus, eine ausgesprochen gute oder euphorische Stimmung meldete jedoch keiner der befragten Betriebe.
Für Urlauber bedeutet das kurzfristige Auswahlmöglichkeiten. Für die Gastgeber ist es dagegen ein Warnsignal: Nicht belegte Zimmer können später kaum ausgeglichen werden, weil die Leistung immer an einen bestimmten Tag gebunden ist.
Hohe Kosten bleiben auch bei freien Zimmern bestehen
Hotels und Pensionen müssen Personal, Energie, Versicherungen, Wartung und Gebäudekosten unabhängig von der tatsächlichen Belegung finanzieren. Hinzu kommen höhere Preise für Lebensmittel, Reinigungsmittel und externe Dienstleistungen.
Bleiben Zimmer frei, sinken nicht nur die Einnahmen aus den Übernachtungen. Häufig fehlen zugleich Umsätze im Restaurant, beim Frühstück oder bei zusätzlichen Angeboten.
Betroffen ist deshalb nicht allein das jeweilige Hotel. Eine schwächere Auslastung kann sich auch auf Gaststätten, Einzelhändler, Freizeiteinrichtungen und touristische Verkehrsmittel auswirken.
Wetter und kurzfristige Buchungen erschweren die Planung
In deutschen Mittelgebirgsregionen hängt die Nachfrage stark von der Wettervorhersage ab. Viele Gäste buchen kurzfristiger als noch vor einigen Jahren. Für die Betriebe wird es dadurch schwieriger, Personal und Waren zuverlässig zu planen.
Das Zittauer Gebirge konkurriert zudem mit zahlreichen deutschen und ausländischen Reisezielen. Für Familien spielen neben Landschaft und Sehenswürdigkeiten auch Anreisekosten, Unterkunftspreise und Schlechtwetterangebote eine Rolle.
Welche Ursache im Sommer 2026 den größten Einfluss hat, lässt sich aus den bisher veröffentlichten Angaben nicht eindeutig bestimmen. Für eine belastbare Bilanz müssen die amtlichen Übernachtungszahlen der gesamten Saison abgewartet werden.
Gästetaxe erhöht Erwartungen an die Vermarktung
Die Diskussion um die Zittauer Gästetaxe erhält durch die schwächere Nachfrage neue Bedeutung. Wer von Besuchern zusätzliche Abgaben erhebt, muss nachvollziehbar darstellen, welche touristischen Leistungen damit finanziert werden.
Dazu gehören etwa eine gemeinsame Vermarktung, gepflegte Wege, Veranstaltungen, Gästekarten oder bessere Verbindungen zwischen Zittau und den Gebirgsorten.
Eine Abgabe allein schafft jedoch keine zusätzlichen Übernachtungen. Entscheidend bleibt, ob Gäste ein stimmiges Gesamtangebot vorfinden und die Region überregional sichtbar ist.
Saisonbilanz muss nach dem Sommer folgen
Die Stadt, die Tourismusverbände und die Betriebe sollten nach Abschluss der Ferien eine gemeinsame Bilanz vorlegen. Wichtig wären dabei die Zahl der Ankünfte, Übernachtungen, durchschnittliche Aufenthaltsdauer und Auslastung der verschiedenen Unterkunftsarten.
Auch Ferienwohnungen, Campingplätze und private Unterkünfte müssen berücksichtigt werden. Eine schwächere Hotelauslastung bedeutet nicht zwangsläufig, dass der Tourismus insgesamt im gleichen Umfang zurückgeht.
Sollte sich der negative Eindruck bestätigen, wäre eine offene Analyse notwendig. Dabei müssten Preise, Vermarktung, Veranstaltungen, Erreichbarkeit und die Qualität der touristischen Infrastruktur gleichermaßen betrachtet werden.
Quellen
Stadt Zittau, Informationen zu Tourismus, Veranstaltungen und Gästeservice, Stand 2. August 2026