Rettung aus der Luft für die Lausitzer Seen

Bei Badeunfällen zählt jede Minute. Ein Forschungsteam der Brandenburgischen Technischen Universität Cottbus-Senftenberg hat deshalb ein Verfahren entwickelt, mit dem autonome Drohnen Menschen in Not schneller finden und Rettungsmittel zu ihnen bringen sollen.

Die Wissenschaftler haben ein mathematisches Modell entwickelt, das geeignete Standorte für Drohnenstationen sowie möglichst schnelle und sichere Flugrouten berechnet. Die Ergebnisse wurden in der Fachzeitschrift „Optimization and Engineering“ veröffentlicht.

Das geplante System soll klassische Rettungskräfte nicht ersetzen, sondern deren Arbeit ergänzen. Bei einem Notruf könnten die Drohnen automatisch aus wetterfesten Stationen am Ufer starten und das gemeldete Einsatzgebiet anfliegen.

Mithilfe von Kameras und digitaler Bildverarbeitung sollen die Fluggeräte nach Menschen im Wasser suchen. Wird eine Person in Not erkannt, könnte die Drohne ein selbstaufblasendes Rettungsmittel abwerfen.

Drohnen starten aus Hangars am Seeufer

Grundlage des Projekts ist ein sogenanntes „Drone-in-a-Box“-System. Dabei werden mehrere unbemannte Flugsysteme in wetterfesten Hangars an geeigneten Stellen rund um die Seen bereitgehalten.

Geht bei einer Leitstelle ein Notruf ein, sollen die Fluggeräte selbstständig starten, den Einsatzort anfliegen und die Suche aus der Luft unterstützen. Das Rettungsmittel könnte die Zeit überbrücken, bis Rettungsschwimmer, Feuerwehr oder weitere Einsatzkräfte die betroffene Person erreichen.

Für den praktischen Einsatz mussten die Forschenden zwei zentrale Fragen beantworten: Wo sollten die Hangars stehen, damit eine möglichst große Wasserfläche abgedeckt wird? Und wie müssen die Flugrouten geplant werden, damit mehrere Drohnen koordiniert und ohne unnötige Umwege eingesetzt werden können?

Rund 940 mögliche Standorte untersucht

Das Forschungsteam übertrug die mathematischen Modelle auf die Lausitzer Seenlandschaft rund um Partwitz, Geierswalde, Sedlitz und Senftenberg. Die ehemaligen Tagebaue werden heute teilweise als Freizeit- und Badeseen genutzt.

In die Berechnungen flossen unter anderem historische Einsatzdaten der Regionalleitstellen Lausitz und Ostsachsen ein. Außerdem berücksichtigten die Wissenschaftler amtliche Rutschungsgefahrenzonen sowie offizielle Sperrzonen für unbemannte Flugsysteme.

Aus rund 940 möglichen Standorten ermittelte das Modell geeignete Positionen für die Drohnenhangars. Dabei wurden unter anderem die Akkulaufzeit, die Anflugzeit, die Kapazität der Stationen und die Größe der erreichbaren Wasserflächen berücksichtigt.

Wind und mögliche Kollisionen berücksichtigt

Ein zweites Modell berechnet die Flugbahnen der unbemannten Systeme. Dabei werden Windeinflüsse, Sperrzonen, das Beschleunigungsverhalten der Drohnen und die Vermeidung möglicher Kollisionen einbezogen.

Dadurch sollen mehrere Fluggeräte gleichzeitig ein größeres Suchgebiet kontrollieren können. Die Routen werden so geplant, dass die Drohnen möglichst koordiniert arbeiten und die betroffenen Wasserflächen ohne unnötige Umwege absuchen.

Die Wissenschaftler beschränkten sich nicht auf theoretische Berechnungen. Im Rahmen des Projekts wurden auch reale Prototypen erprobt. Dazu gehörten eine Wasserrettungsdrohne mit einer Rettungsboje sowie ein automatisiertes Hangarsystem.

Künstliche Intelligenz soll Menschen erkennen

Die veröffentlichte Arbeit ist der erste Teil einer zweiteiligen Publikationsreihe. Im zweiten Teil wollen die Forschenden mithilfe von Simulationen untersuchen, wie stark unterschiedliche Drohnenkonfigurationen die Reaktionszeiten bei realen Rettungseinsätzen verkürzen könnten.

Zusätzlich soll ein Verfahren auf Grundlage künstlicher Intelligenz vorgestellt werden. Dieses soll Menschen, die sich im Wasser in einer Notlage befinden, aus der Vogelperspektive erkennen.

Regulatorische Fragen zur Genehmigung der Drohneneinsätze sowie die Kosten und der Wartungsaufwand waren nicht Bestandteil der aktuellen Untersuchung. Diese Punkte sollen in weiteren Forschungsarbeiten behandelt werden.

Mehrere Partner am Forschungsprojekt beteiligt

Das Konzept entstand im Forschungsprojekt „RescueFly“. Daran waren neben der BTU Cottbus-Senftenberg unter anderem die Technische Universität Chemnitz, die Technische Universität Dresden, das Brandenburgische Institut für Gesellschaft und Sicherheit, die Droniq GmbH und die MINTMASTERS GmbH beteiligt.

Die Federführung lag bei der Björn-Steiger-Stiftung. Das Forschungsprojekt wurde über den mFUND des Bundesverkehrsministeriums gefördert.

Quellen

Brandenburgische Technische Universität Cottbus-Senftenberg: „Unbemannte Flugsysteme für mehr Sicherheit an Lausitzer Seen“, veröffentlicht am 5. August 2026.

Zell, Sascha Emanuel; Schneidereit, Toni; Fügenschuh, Armin; Breuß, Michael: „Autonomous Unmanned Aircraft Systems for Enhanced Search and Rescue of Drowning Swimmers: Location-Allocation Optimization and Flight Trajectory Planning“, erschienen 2026 in der Fachzeitschrift „Optimization and Engineering“.

Brandenburg / Senftenberg: Rettungsdrohnen für Lausitzer Seen entwickelt

Forschende der BTU Cottbus-Senftenberg haben ein mathematisches Modell für autonome Rettungsdrohnen entwickelt. Die Fluggeräte sollen Menschen in Seen schneller finden und selbstaufblasende Rettungsmittel abwerfen. Untersucht wurden Standorte und Flugrouten für Gewässer rund um Senftenberg.

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