Seltene Arten wachsen mitten in der Stadt
Auf den moorigen und feuchten Standorten kommen nach Angaben der Stadt seltene oder gefährdete Pflanzen vor. Genannt werden unter anderem die Kuckucks-Lichtnelke und das Breitblättrige Knabenkraut.
Das Breitblättrige Knabenkraut gehört zu den heimischen Orchideen. Solche Arten benötigen besondere Boden- und Wasserverhältnisse und verschwinden, wenn ihre Standorte entwässert, gedüngt oder nicht mehr gepflegt werden.
Die Feuchtwiesen sind deshalb nicht einfach ungenutzte Grünflächen. Sie bilden kleine Rückzugsräume für spezialisierte Pflanzen, Insekten und weitere Tiere.
Ohne Mahd würden Gehölze die Wiesen verdrängen
Eine Wiese bleibt nicht dauerhaft von allein eine Wiese. Ohne regelmäßige Nutzung oder Pflege wachsen zunächst kräftige Gräser und Stauden, später Büsche und Bäume.
Dieser natürliche Prozess würde die offenen Lebensräume allmählich verschwinden lassen. Lichtliebende Wiesenpflanzen könnten sich dann nicht mehr behaupten.
Flächen wie Adebors Näs werden deshalb einmal im Jahr gemäht. Das Schnittgut muss anschließend möglichst abtransportiert werden, damit sich keine zusätzliche Nährstoffschicht aufbaut.
Gewöhnliche Maschinen wären zu schwer
Nasse Moor- und Feuchtböden reagieren empfindlich auf schwere Technik. Räder können tiefe Spuren hinterlassen und den Boden verdichten.
Die neue Maschine verteilt ihr geringes Gewicht nach Angaben der Stadt über breite Stachelwalzen. Dadurch sinkt der Druck auf den Untergrund.
Die Technik soll auch dort arbeiten können, wo herkömmliche Traktoren stecken bleiben oder erhebliche Schäden verursachen würden.
Mahd wirkt auf den ersten Blick widersprüchlich
Manche Spaziergänger betrachten das Mähen geschützter Flächen kritisch. Tatsächlich können bei einem falschen Zeitpunkt Insekten, Amphibien oder brütende Tiere gefährdet werden.
Die Arbeiten müssen deshalb fachlich geplant und an die jeweilige Fläche angepasst werden. Teilflächen können zeitlich versetzt gemäht oder als Rückzugsbereiche stehengelassen werden.
Naturschutz bedeutet in einer über Jahrhunderte geprägten Kulturlandschaft nicht immer, sämtliche Flächen sich selbst zu überlassen. Einige besonders artenreiche Lebensräume sind gerade durch frühere extensive Nutzung entstanden.
Feuchtwiesen speichern Wasser
Feuchte Grünflächen besitzen nicht nur für einzelne Pflanzenarten Bedeutung. Sie können Wasser in der Landschaft zurückhalten und bei Starkregen Abflussspitzen bremsen.
In längeren Trockenperioden wirkt gespeichertes Wasser zudem kühlend auf die Umgebung. Werden Feuchtgebiete entwässert, verlieren sie diese Funktionen und können zusätzliche Treibhausgase freisetzen.
Schwerin sollte die Pflege deshalb mit dem Schutz des natürlichen Wasserhaushalts verbinden.
Öffentlichkeit braucht verständliche Hinweise
Während der Mahd können Wege zeitweise beeinträchtigt sein. Außerdem kann eine frisch gemähte Schutzfläche für Besucher zunächst weniger wertvoll aussehen.
Informationstafeln oder kurzfristige Hinweise vor Ort könnten erklären, weshalb die Arbeiten notwendig sind und welche Arten davon profitieren.
Das erhöht die Akzeptanz und verhindert, dass die Pflegemaßnahme fälschlich als gewöhnliches Mähen städtischer Rasenflächen verstanden wird.
Quellen
Landeshauptstadt Schwerin, „Geschützte Feuchtwiesen erhalten: Wiesen im Schweriner Stadtgebiet werden gemäht“, veröffentlicht am 16. Juli 2026
Landeshauptstadt Schwerin, Stadtanzeiger, Ausgabe 16/2026 vom 31. Juli 2026