Stadt will ihr Profil schärfen
Kommunen konkurrieren um Einwohner, Fachkräfte, Unternehmen, Studierende und Touristen. Eine erkennbare Stadtmarke soll vermitteln, wofür ein Ort steht und weshalb Menschen dort leben, arbeiten oder zu Besuch kommen sollten.
Neubrandenburg besitzt mit seiner Stadtmauer, den vier historischen Toren, dem Tollensesee, der Konzertkirche und seiner regionalen Zentrumsfunktion mehrere bekannte Merkmale.
Eine moderne Stadtmarke darf sich jedoch nicht nur auf historische Wahrzeichen beschränken. Sie muss auch Alltag, Wirtschaft, Bildung und Lebensqualität glaubwürdig darstellen.
Einwohner sollen eigene Wahrnehmung einbringen
Die Umfrage richtet den Blick auf die Menschen, die Neubrandenburg täglich erleben.
Sie können beurteilen, welche Eigenschaften tatsächlich zur Stadt passen und welche Werbeaussagen künstlich oder übertrieben wirken würden.
Bürgerbeteiligung ist dabei sinnvoll, weil externe Agenturen zwar professionelle Gestaltung liefern, aber nicht automatisch die Erfahrungen aus Wohngebieten, Vereinen und Betrieben kennen.
Stadtmarketing ist mehr als ein neues Logo
Eine neue Marke wird häufig mit Farben, Schriftzügen und einem Logo verbunden. Diese sichtbaren Elemente sind jedoch nur ein Teil des Projektes.
Entscheidend ist, ob Verwaltung, Tourismus, Wirtschaftsförderung und Kultur künftig ein gemeinsames Bild vermitteln.
Ein modernes Erscheinungsbild kann keine Probleme bei Verkehr, Leerstand, Sauberkeit oder Verwaltungsleistungen verdecken. Eine Stadtmarke wirkt nur dann glaubwürdig, wenn die tatsächliche Entwicklung dazu passt.
Wirtschaft und Tourismus brauchen klare Botschaften
Unternehmen interessieren sich für Gewerbeflächen, Fachkräfte, Verkehrsanbindung und schnelle Entscheidungen der Verwaltung.
Touristen achten stärker auf Sehenswürdigkeiten, Veranstaltungen, Gastronomie und Naturerlebnisse. Einwohner wiederum bewerten Wohnungen, Schulen, Einkaufsmöglichkeiten und Freizeitangebote.
Eine gute Marke muss diese unterschiedlichen Erwartungen verbinden, ohne zu einer Sammlung beliebiger Werbesprüche zu werden.
Vier Tore bleiben starkes Erkennungszeichen
Die Bezeichnung „Vier-Tore-Stadt“ schafft bereits eine klare Verbindung zur historischen Stadtbefestigung.
Sie unterscheidet Neubrandenburg von anderen Städten und wird seit Jahren in der offiziellen Kommunikation verwendet.
Bei der Überarbeitung muss deshalb geprüft werden, ob dieses Profil gestärkt, ergänzt oder teilweise neu interpretiert werden soll. Ein vollständiger Bruch könnte vorhandene Bekanntheit verlieren.
Ergebnisse müssen veröffentlicht werden
Damit die Beteiligung glaubwürdig bleibt, sollte die Stadt nach Abschluss der Umfrage transparent darstellen, wie viele Menschen teilgenommen haben und welche Antworten besonders häufig genannt wurden.
Auch kritische Rückmeldungen dürfen nicht aus der Auswertung verschwinden. Gerade Schwächen zeigen, wo Anspruch und Wirklichkeit auseinanderliegen.
Wenn anschließend eine Agentur oder ein Gestaltungsteam beauftragt wird, sollten Kosten, Vergabeverfahren und Zeitplan öffentlich nachvollziehbar sein.
Neue Marke muss im Alltag funktionieren
Ein zukünftiges Erscheinungsbild wird auf Internetseiten, Broschüren, Fahrzeugen, Schildern und Veranstaltungen verwendet.
Es muss deshalb digital und gedruckt gut lesbar, barrierearm und einfach anwendbar sein. Eine komplizierte Gestaltung verursacht hohe Folgekosten und führt schnell zu uneinheitlichen Darstellungen.
Der Erfolg lässt sich später nicht allein daran messen, ob ein Logo modern aussieht. Wichtig ist, ob Neubrandenburg stärker wahrgenommen wird und die Menschen vor Ort sich darin wiederfinden.
Quellen
Vier-Tore-Stadt Neubrandenburg, „Neubrandenburg im Blick der Menschen: Stadt lädt zur großen Marken-Umfrage ein“, veröffentlicht am 23. Juli 2026
Vier-Tore-Stadt Neubrandenburg, Informationen zur Stadtmarke und Bürgerbeteiligung, Stand August 2026