Vor acht Jahren veränderte die Diagnose Epilepsie das Leben von Nathalie Schmolke grundlegend. Heute studiert die 22-Jährige Wirtschaftswissenschaften an der Universität Leipzig und trainiert für einen Marathon. Am 27. September 2026 will sie in Berlin die 42,195 Kilometer bewältigen – nicht nur für sich selbst, sondern als Charity-Läuferin für die Epilepsieforschung. Mehr als 1.700 Euro ihres selbst gesetzten Spendenziels von 2.000 Euro sind bereits zusammengekommen.

Diagnose kam mit 13 Jahren

Schmolke war 13 Jahre alt, als sich innerhalb kurzer Zeit mehrere Anfälle häuften.

Schließlich erhielt sie die Diagnose Epilepsie.

Bei ihr treten sogenannte tonisch-klonische Anfälle auf. Dabei kann der Körper zunächst versteifen, anschließend treten rhythmische Muskelzuckungen auf, und Betroffene verlieren das Bewusstsein.

In Schmolkes Fall waren die Anfälle nach ihren Angaben so schwer, dass sie teilweise mehrere Minuten anhielten und mit Notfallmedikamenten beendet werden mussten.

Damit veränderte sich auch ihr Alltag tiefgreifend.

Schule und Freizeit wurden komplizierter

Viele Dinge, die für andere Jugendliche selbstverständlich waren, wurden plötzlich mit Risiken verbunden.

Im Sportunterricht konnte Schmolke nur eingeschränkt teilnehmen. Wenn sie joggte, hatte der Lehrer nach ihrer Schilderung die notwendigen Notfallmedikamente dabei.

Auch außerhalb der Schule beeinflusste die Erkrankung ihr Leben.

Die Sorge, jederzeit einen Anfall bekommen zu können, begleitete viele alltägliche Situationen.

Hinzu kamen zahlreiche Arzttermine und die schwierige Suche nach einer geeigneten medikamentösen Behandlung.

Passendes Medikament wurde erst Jahre später gefunden

Epilepsie kann sich von Mensch zu Mensch sehr unterschiedlich zeigen.

Deshalb gibt es nicht für alle Betroffenen dieselbe medikamentöse Therapie.

Schmolke musste mehrere Präparate ausprobieren. Einige führten nach ihren Angaben zu erheblichen Nebenwirkungen.

Erst während eines mehrwöchigen Aufenthalts im Epilepsiezentrum Wachau im Jahr 2020 fanden Ärzte ein Medikament, mit dem ihre Anfälle schließlich kontrolliert werden konnten.

Seitdem ist sie nach eigener Aussage stabil.

Ausbildung und Studium trotz Erkrankung

Auch ihre berufliche Zukunft musste Schmolke neu planen.

Bestimmte Tätigkeiten können für Menschen mit Epilepsie problematisch sein, insbesondere wenn ein plötzlicher Bewusstseinsverlust zu erheblichen Gefahren führen könnte.

Nach dem Abitur entschied sie sich für ein Studium der Wirtschaftswissenschaften an der Universität Leipzig.

Ihre Prüfungen hat sie inzwischen abgeschlossen.

In ihrer Bachelorarbeit beschäftigt sie sich mit den gesundheitsökonomischen Folgen von Rückenschmerzen in Deutschland und mit Möglichkeiten der Prävention.

Danach möchte sie einen weiteren beruflichen Weg einschlagen und eine Ausbildung zur Physiotherapeutin beginnen.

Heute gehören lange Läufe zum Alltag

Was während ihrer Schulzeit noch mit besonderer Vorsicht verbunden war, ist heute ein wichtiger Teil ihres Lebens.

Schmolke trainiert regelmäßig für Langstrecken.

Ihr nächstes großes Ziel ist der Berlin-Marathon am 27. September.

Dort startet sie nicht nur als gewöhnliche Teilnehmerin, sondern als Charity-Läuferin.

Sie unterstützt das britische Epilepsy Research Institute UK, das Forschung zur Erkrankung finanziert.

Spendenziel fast erreicht

Bereits im Vorfeld des Marathons sammelt die Leipziger Studentin Spenden.

Ihr Ziel sind 2.000 Euro.

Zum Zeitpunkt der Veröffentlichung der Universitätsmeldung waren bereits mehr als 1.700 Euro zusammengekommen.

Für Schmolke ist die finanzielle Unterstützung der Forschung allerdings nur ein Teil ihrer Motivation.

Mindestens ebenso wichtig ist ihr die öffentliche Aufmerksamkeit für die Krankheit.

Epilepsie ist für Außenstehende oft unsichtbar

In Deutschland leben nach Angaben der Universität unter Berufung auf die Deutsche Hirnstiftung mehr als 640.000 Menschen mit Epilepsie.

Trotzdem herrscht vielerorts Unsicherheit darüber, wie bei einem Anfall richtig geholfen wird.

Schmolke möchte deshalb dazu beitragen, Berührungsängste abzubauen.

Bei einem epileptischen Anfall sollten gefährliche Gegenstände aus der unmittelbaren Umgebung entfernt und die Dauer des Anfalls beobachtet werden.

Bei einem schweren Anfall sollte der Notruf verständigt werden.

Von überholten Methoden wie dem Versuch, einer betroffenen Person Gegenstände in den Mund zu stecken, wird ausdrücklich abgeraten.

Offenheit kann im Ernstfall entscheidend sein

Schmolke wirbt deshalb dafür, dass Menschen mit Epilepsie ihr persönliches Umfeld über die Erkrankung informieren.

Freunde, Kollegen oder Familienmitglieder sollten wissen, was im Ernstfall zu tun ist.

Für die Studentin hat der Berlin-Marathon damit eine Bedeutung, die über den Sport hinausgeht.

Die 42 Kilometer werden für sie zum Mittel, Aufmerksamkeit für eine Krankheit zu schaffen, mit der sie selbst seit ihrer Jugend lebt.

Quellen

Universität Leipzig – „Studentin Nathalie Schmolke läuft Marathon für Epilepsie-Forschung“ vom 7. August 2026 [Universität Leipzig](https://www.uni-leipzig.de/newsdetail/artikel/studentin-nathalie-schmolke-laeuft-marathon-fuer-epilepsie-forschung-2026-08-07)

Deutsche Hirnstiftung – Angaben zur Zahl der Menschen mit Epilepsie in Deutschland, zitiert durch die Universität Leipzig

Epilepsy Research Institute UK – Forschungsarbeit und Charity-Programm