Auf Usedom nähert sich ein verkehrspolitisches Experiment seiner ersten entscheidenden Zwischenbilanz. Seit Beginn des Sommers testet die Verkehrsgesellschaft Vorpommern-Greifswald mehrere neue Angebote auf der Insel. Besonders im Fokus stehen ein zusätzlicher Ortsverkehr in Zinnowitz und der flexible Rufbus ILSE. Die saisonale Testphase ist zunächst nur bis zum 31. August vorgesehen.
Damit fällt die Auswertung genau in eine Zeit, in der Usedom regelmäßig besonders stark belastet ist. Während der Sommerferien steigt die Zahl der Menschen auf der Insel erheblich. Straßen, Parkplätze und Ortsdurchfahrten geraten dann regelmäßig an ihre Belastungsgrenzen.
Der Landkreis und die Verkehrsgesellschaft versuchen deshalb, Wege anzubieten, die nicht zwangsläufig mit dem eigenen Auto zurückgelegt werden müssen.
ILSE verzeichnete schon im Frühjahr stark steigende Nachfrage
Besonders auffällig ist die Entwicklung des Rufbusses.
Im Januar wurden auf Usedom zunächst 293 Fahrtanmeldungen registriert. Bis April stieg diese Zahl auf 723. Aus 221 tatsächlich durchgeführten Touren mit 253 Fahrgästen im Januar wurden im April bereits 528 Fahrten mit 656 Fahrgästen. Bis Mitte Mai waren seit Jahresbeginn insgesamt 2.494 Fahrtanmeldungen und mehr als 2.300 beförderte Fahrgäste zusammengekommen.
Das Prinzip unterscheidet sich vom klassischen Linienbus: Fahrzeuge fahren dort, wo tatsächlich Nachfrage besteht, statt über viele Stunden feste Strecken mit teilweise geringer Auslastung bedienen zu müssen.
Für eine Insel mit stark schwankenden Besucherzahlen könnte dieses Modell langfristig besonders interessant sein.
Zinnowitz testet zusätzlichen Ortsverkehr mitten in der Hauptsaison
Parallel läuft seit dem 1. Juni ein befristeter zusätzlicher Ortsverkehr in Zinnowitz.
Die Verkehrsgesellschaft will damit Erfahrungen sammeln, wie sich der innerörtliche Verkehr eines stark frequentierten Ostseebades besser organisieren lässt. Auch dieses Angebot läuft zunächst nur bis Ende August.
Für Zinnowitz geht es dabei um mehr als Bequemlichkeit. Der Ort wird von der B111 durchschnitten, gleichzeitig treffen Urlauber, Einwohner, Lieferverkehr, Fahrräder und Fußgänger auf engem Raum aufeinander.
Ein funktionierender Ortsbus kann einen Teil dieser Wege vom Auto auf den öffentlichen Verkehr verlagern.
Entscheidung betrifft die gesamte Verkehrsstrategie der Insel
Die eigentliche Nachricht liegt deshalb nicht in einer zusätzlichen Busfahrt.
Ende August muss bewertet werden, ob die neuen Angebote so angenommen werden, dass sich eine Fortführung wirtschaftlich und verkehrspolitisch rechtfertigen lässt.
Sollte die Nachfrage im Sommer weiter gestiegen sein, könnte Usedom ein Modell entwickeln, das auch für andere Ferienregionen interessant ist: klassische Linien, saisonale Verbindungen und flexibel buchbare Rufbusse greifen ineinander.
Für eine Insel, die regelmäßig über Staus und überlastete Straßen diskutiert, könnte genau darin ein Teil der langfristigen Lösung liegen.
Quellen
Landkreis Vorpommern-Greifswald Verkehrsgesellschaft Vorpommern-Greifswald