Am Mittwoch, dem 5. August 2026, wurde auf den ehemaligen Tagesanlagen des Tagebaus Jänschwalde eine neue Baumischsortieranlage offiziell in Betrieb genommen. Rund zwei Millionen Euro investierte SERO Lausitz nach Unternehmensangaben in die Technik.
Mit der Anlage will die LEAG ihr Geschäft mit der Aufbereitung und Wiederverwertung von Bau- und Gewerbeabfällen erweitern. Das Unternehmen kann nun auch Gewerbe- und Sperrmüll vollständig am Standort behandeln und sortieren.
Kapazität steigt auf bis zu 150.000 Tonnen
Im vergangenen Geschäftsjahr nahm SERO Lausitz rund 100.000 Tonnen Abfälle an und behandelte diese. Mit der neuen Anlage soll die mögliche Jahresleistung auf bis zu 150.000 Tonnen steigen.
Die maximale Durchsatzleistung liegt nach Unternehmensangaben bei bis zu 40 Tonnen pro Stunde. Durch die größere Kapazität sollen mehr verwertbare Bestandteile aus den angelieferten Materialien gewonnen und dem Wirtschaftskreislauf erneut zur Verfügung gestellt werden.
Zum Leistungsspektrum gehören unter anderem Baurestmassen, Böden, Gleisschotter sowie gemischte Gewerbe- und Sperrabfälle. Betonabfälle können beispielsweise in unterschiedliche Splittkörnungen zerlegt und anschließend wieder in der Baustoffindustrie eingesetzt werden.
Weniger Transporte durch Verarbeitung vor Ort
Bislang mussten grob vorsortierte Abfälle teilweise zu anderen Anlagen weitertransportiert werden. Mit der neuen Sortiertechnik können deutlich mehr Arbeitsschritte direkt im Sekundärrohstoffzentrum erledigt werden.
Dadurch sollen Transportwege verkürzt und zugleich die Qualität der zurückgewonnenen Materialien verbessert werden. LEAG-Vorstandschef Adi Roesch erklärte gegenüber dem rbb, dass der Anteil der wiederverwertbaren Bestandteile deutlich erhöht werden könne.
Am Ende des Sortierprozesses entstehen sowohl wiederverwertbare Rohstoffe als auch Ersatzbrennstoffe, die fossile Brennstoffe in bestimmten industriellen Anwendungen teilweise ersetzen können.
Anlage arbeitet vollständig in einer Halle
Die neue Sortieranlage befindet sich vollständig innerhalb einer Halle. Dadurch sollen Lärm und Staub gegenüber einer Verarbeitung im Freien reduziert werden.
Zusätzlich wurde ein System zur Staubniederhaltung installiert. Dabei wird Schaum statt ausschließlich Wasser eingesetzt. Der Schaum soll die Staubpartikel besser binden und länger festhalten.
Die geschlossene Verarbeitung ist besonders für die weitere industrielle Entwicklung des Standortes wichtig. Sie soll eine höhere Leistung ermöglichen, ohne dass die Belastungen für das Umfeld im gleichen Maße steigen.
21 Beschäftigte arbeiten bei SERO Lausitz
SERO Lausitz wurde vor rund zwei Jahren als Tochtergesellschaft der LEAG gegründet. Nach Unternehmensangaben arbeiten derzeit 21 Menschen für den Recyclingbetrieb.
Sie kümmern sich um die Annahme, Sortierung, Aufbereitung und fachgerechte Entsorgung unterschiedlicher Abfallarten. Materialien, die erneut genutzt werden können, werden als Sekundärrohstoffe in den Stoffkreislauf zurückgeführt.
Damit entsteht auf dem früheren Tagebaugelände ein neues industrielles Standbein, das auch nach dem Ende der Kohleförderung Wertschöpfung und Beschäftigung in der Region sichern soll.
Ehemalige Tagebaufläche erhält neue Aufgabe
Im Tagebau Jänschwalde wird seit Ende 2023 keine Braunkohle mehr gefördert. Der Rückbau der Bergbauanlagen läuft weiter. Anfang 2026 wurde unter anderem die große Förderbrücke des Tagebaus gesprengt.
Die früheren Tagesanlagen werden inzwischen als Industriepark Cottbus-Ost weiterentwickelt. Die neue Recyclinganlage gehört zu den Projekten, mit denen die vorhandenen Flächen und Teile der Infrastruktur wirtschaftlich weitergenutzt werden sollen.
Die LEAG plant für den Standort Jänschwalde darüber hinaus weitere Investitionen in erneuerbare Energien, Batteriespeicher und Netzinfrastruktur. Nach dem gesetzlich vorgesehenen Ende des Kraftwerksbetriebs im Jahr 2028 soll sich das Areal schrittweise zu einem neuen Energie- und Industriestandort entwickeln.
Kreislaufwirtschaft als Teil des Strukturwandels
Die neue Anlage ist zwar im Vergleich zu großen Energie- oder Industrieprojekten eine überschaubare Investition. Dennoch zeigt sie, wie ehemalige Bergbauflächen schrittweise neue wirtschaftliche Funktionen übernehmen können.
Statt Rohstoffe ausschließlich neu abzubauen, sollen Baustoffe, Metalle und andere verwertbare Bestandteile möglichst lange im Kreislauf gehalten werden. Das reduziert den Bedarf an neuen Rohstoffen und kann zugleich die Menge der endgültig zu entsorgenden Abfälle verringern.
Für die Lausitz ist das Projekt deshalb mehr als die Erweiterung eines Entsorgungsbetriebes. Es verbindet Kreislaufwirtschaft, Flächennachnutzung und den Erhalt industrieller Arbeitsplätze an einem Standort, der jahrzehntelang von der Braunkohle geprägt wurde.
Quellen
– LEAG: SERO Lausitz nimmt neue Baumischsortieranlage in Betrieb, veröffentlicht am 5. August 2026
– LEAG: Energiestandort Jänschwalde nimmt Kurs auf die Zukunft, veröffentlicht am 8. Dezember 2025