Die Berliner Abgeordnetenhauswahl könnte am Ende nicht nur darüber entscheiden, welche Partei stärkste Kraft wird. Schon sechs Wochen vor dem Wahltag wird sichtbar, woran spätere Koalitionsgespräche scheitern könnten. Die Vergesellschaftung großer Wohnungskonzerne entwickelt sich zu einer roten Linie zwischen SPD und Linken.

SPD-Spitzenkandidat Steffen Krach hat deutlich gemacht, dass es mit seiner Partei keine Koalition geben soll, wenn die Linke die Vergesellschaftung großer Wohnungsunternehmen zur Bedingung eines Regierungsbündnisses macht. Die Debatte wird damit noch vor der Wahl von einer programmatischen Frage zu einer konkreten Machtfrage.

Volksentscheid von 2021 wirkt weiter

Ausgangspunkt ist der Berliner Volksentscheid „Deutsche Wohnen & Co enteignen“.

Damals sprach sich eine Mehrheit der Abstimmenden dafür aus, große private Wohnungsunternehmen zu vergesellschaften.

Seitdem wird darüber gestritten, ob und wie ein entsprechendes Gesetz rechtssicher umgesetzt werden könnte.

SPD setzt stärker auf Regulierung

Das aktuelle SPD-Wahlprogramm sieht umfangreiche Eingriffe in den Wohnungsmarkt vor, setzt aber stärker auf Regulierung.

Vorgesehen sind unter anderem eine verschärfte Bekämpfung von Mietwucher, strengere Regeln gegen Zweckentfremdung, eine Spezialeinheit für Wohnraumschutz und Begrenzungen bei den landeseigenen Wohnungsunternehmen.

Die Partei will damit stärker eingreifen, ohne zwingend große Bestände in öffentliches Eigentum zu überführen.

Linke benötigt Thema zur Profilierung

Für die Linke ist die Vergesellschaftung dagegen ein zentrales wohnungspolitisches Projekt.

Die Partei kann dabei auf die Zustimmung des Volksentscheids verweisen und fordert seit Jahren eine konkrete Umsetzung.

Das Thema eignet sich zugleich zur Abgrenzung von SPD und CDU.

Wohnungsmarkt bleibt zentrale Berliner Sorge

Hinter dem politischen Streit steht ein reales Problem.

Hohe Mieten, Wohnungsmangel und die Suche nach bezahlbaren Wohnungen gehören zu den Themen, die nahezu alle Berliner Parteien im Wahlkampf beschäftigen.

Die Antworten unterscheiden sich jedoch grundlegend: Neubau, stärkere Regulierung, kommunaler Ankauf und Vergesellschaftung stehen als unterschiedliche Modelle nebeneinander.

Koalitionsfrage wird immer komplizierter

Aktuelle Umfragen zeigen in Berlin ein stark fragmentiertes Parteiensystem.

Die Linke, CDU, AfD und Grünen liegen teilweise vergleichsweise nah beieinander, während die SPD deutlich schwächer als früher abschneidet. Eine aktuelle Civey-Erhebung sieht die Linke mit 21 Prozent vorn.

Dadurch könnte keine Partei ohne mehrere Partner regieren.

Je mehr rote Linien die Parteien bereits vor der Wahl formulieren, desto schwieriger könnte die Regierungsbildung nach dem 20. September werden.

Quellen

SPD Berlin: Wahlprogramm zur Abgeordnetenhauswahl 2026

Aktuelle Äußerungen von SPD-Spitzenkandidat Steffen Krach zur Vergesellschaftung

Civey: Berliner Wahlumfrage, veröffentlicht Anfang August 2026