Unternehmen konkurrieren um weniger Schulabgänger

Der demografische Wandel verändert den Ausbildungsmarkt.

In vielen Branchen gibt es inzwischen mehr freie Stellen als geeignete Bewerber. Handwerk, Industrie, Pflege, Handel und Verwaltung werben deshalb zunehmend frühzeitig um Schüler.

Eine große Ausbildungsmesse ermöglicht den direkten Vergleich verschiedener Berufe.

Persönliche Gespräche ersetzen keine Broschüre

Jugendliche können an den Ständen Fragen zu Arbeitszeiten, Vergütung, Anforderungen und Übernahmechancen stellen.

Auch Eltern und Lehrer erhalten einen besseren Eindruck von den Betrieben. Persönliche Gespräche können Vorurteile abbauen und Berufe sichtbar machen, die im Schulalltag kaum vorkommen.

Besonders wertvoll sind praktische Vorführungen und kurze Mitmachangebote.

Regionale Ausbildung kann Abwanderung bremsen

Viele junge Menschen verlassen das Erzgebirge für Studium oder Arbeit.

Nicht jeder wird dauerhaft in der Region bleiben. Dennoch sollten Schüler wissen, welche beruflichen Möglichkeiten es unmittelbar vor Ort gibt.

Eine attraktive Ausbildung mit guter Vergütung und klarer Perspektive kann dazu beitragen, Fachkräfte in der Region zu halten.

Unternehmen müssen mehr als freie Stellen anbieten

Eine Messe allein löst den Fachkräftemangel nicht.

Betriebe müssen moderne Arbeitsbedingungen, verlässliche Ausbildungsqualität und Entwicklungsmöglichkeiten bieten. Jugendliche vergleichen Arbeitgeber inzwischen ebenso wie Unternehmen ihre Bewerber.

Schlechte Bezahlung oder fehlende Übernahmechancen lassen sich durch Werbegeschenke nicht ausgleichen.

Erreichbarkeit bleibt ein Problem

Ausbildungsplätze liegen nicht immer am Wohnort.

In ländlichen Gebieten können frühe Arbeitszeiten mit Bus- und Bahnfahrplänen kollidieren. Minderjährige Auszubildende besitzen häufig noch keinen Führerschein.

Unternehmen, Landkreis und Verkehrsverbünde sollten deshalb Mobilitätslösungen stärker in die Berufsorientierung einbeziehen.

Praktika sind der nächste wichtige Schritt

Ein Messegespräch vermittelt nur einen ersten Eindruck.

Schüler sollten anschließend die Möglichkeit erhalten, Betriebe bei Praktika oder Schnuppertagen kennenzulernen. Erst dort erleben sie tatsächliche Arbeitsabläufe und das Betriebsklima.

Unternehmen können zugleich prüfen, ob Bewerber zum Beruf passen.

Schulen müssen Berufsorientierung vorbereiten

Ein ungeplanter Messebesuch führt schnell dazu, dass Jugendliche lediglich Werbematerial sammeln.

Schulen sollten vorab Interessen, Fähigkeiten und mögliche Berufsfelder besprechen. Nach der Messe müssen Kontakte und Erkenntnisse ausgewertet werden.

So wird aus einem Veranstaltungstag ein sinnvoller Teil der Berufswahl.

Ausbildung ist Standortpolitik

Jeder nicht besetzte Ausbildungsplatz kann langfristig zu einem unbesetzten Arbeitsplatz werden.

Für das Erzgebirge ist die Fachkräftesicherung deshalb ebenso wichtig wie neue Gewerbeflächen oder Förderprogramme. Ohne qualifizierte Beschäftigte können Unternehmen keine zusätzlichen Aufträge annehmen oder ihre Nachfolge sichern.

Der MAKERZ DAY ist damit nicht nur eine Bildungsmesse, sondern ein wichtiger wirtschaftspolitischer Termin.

Quellen

Wirtschaftsförderung Erzgebirge GmbH, Informationen zum MAKERZ DAY und zur Ausbildungsmesse in Annaberg-Buchholz, Stand August 2026