Sinkender Absatz und steigende Kosten

Drei Brauereien weniger in einem Jahr: Thüringens Bierbranche schrumpft

Thüringens Brauereilandschaft wird kleiner. Innerhalb eines Jahres ist die Zahl der produzierenden Braustätten im Freistaat um mehr als sechs Prozent zurückgegangen.

Paul Berger | 4. August 2026 | 3 Minuten Lesezeit

In Thüringen wurden im Jahr 2025 noch 46 Braustätten betrieben. Das waren drei weniger als im Vorjahr. Hinter dem Rückgang stehen ein langfristig sinkender Bierkonsum und Produktionskosten, die insbesondere kleinere und mittelständische Betriebe zunehmend belasten.

Brauereien verlieren seit Jahren Absatz

Die Thüringer Brauereien und Bierlager setzten 2025 insgesamt rund zwei Millionen Hektoliter Bier ab. Mehr als 90 Prozent davon waren für den deutschen Markt bestimmt. Der Absatz im Freistaat sank gegenüber dem Vorjahr zwar weniger stark als im bundesweiten Durchschnitt, liegt aber deutlich unter früheren Werten.

Deutschlandweit wurden 2025 rund 7,8 Milliarden Liter Bier verkauft. Das waren sechs Prozent weniger als 2024 und der stärkste prozentuale Jahresrückgang seit Beginn der statistischen Erfassung im Jahr 1993. Gegenüber 2015 verringerte sich der Bierabsatz um fast 19 Prozent.

Hohe Kosten treffen kleinere Betriebe besonders

Neben dem veränderten Konsumverhalten kämpfen die Brauereien mit gestiegenen Kosten für Energie, Rohstoffe, Glasflaschen, Kronkorken, Personal und Transporte. Viele Betriebe können die höheren Ausgaben nur teilweise über ihre Verkaufspreise ausgleichen.

Besonders gefährdet sind kleinere regionale Brauereien und Gasthausbrauereien. Sie produzieren geringere Mengen, verfügen häufig über weniger finanzielle Reserven und können Preissteigerungen schwerer abfedern als große Brauereigruppen.

Auch die schwache Lage vieler Gaststätten belastet die Branche. Wenn Restaurants und Kneipen weniger Bier verkaufen oder schließen, verlieren regionale Brauereien wichtige Abnehmer.

Alkoholfreies Bier wächst – gleicht Verluste aber nicht aus

Hoffnung setzt die Branche auf alkoholfreie Biere und Biermischgetränke. Das Segment wächst seit Jahren und profitiert vom stärkeren Gesundheitsbewusstsein vieler Verbraucher.

Der Zuwachs reicht jedoch bislang nicht aus, um die Verluste beim klassischen Bier vollständig auszugleichen. Die amtliche Bierabsatzstatistik erfasst alkoholfreies Bier zudem nicht, weshalb sich dessen Entwicklung nur eingeschränkt mit dem Absatz alkoholhaltiger Sorten vergleichen lässt.

Auch der Landeshaushalt nimmt weniger Biersteuer ein

Der sinkende Absatz macht sich auch bei den Steuereinnahmen bemerkbar. Thüringen nahm 2025 rund 15,4 Millionen Euro Biersteuer ein. Nach Angaben des Landesamtes für Statistik war das der niedrigste Wert seit 15 Jahren.

Im Jahr 2010 lagen die Einnahmen noch bei rund 28 Millionen Euro. Die Entwicklung zeigt, wie stark der Biermarkt im Freistaat langfristig geschrumpft ist.

Ob sich die Zahl der Brauereien stabilisieren lässt, hängt vor allem von den Kosten, der Nachfrage in Handel und Gastronomie sowie der Fähigkeit der Betriebe ab, neue Produkte und Absatzwege zu entwickeln. Für Thüringens regionale Braukultur bedeutet jeder weitere Betrieb, der aufgibt, zugleich den Verlust eines Stücks wirtschaftlicher und handwerklicher Tradition.

Quellen

– Thüringer Landesamt für Statistik: Angaben zu Braustätten, Bierabsatz und Biersteuer im Jahr 2025, veröffentlicht am 27. Mai 2026

– Statistisches Bundesamt: „6,0 Prozent weniger Bier im Jahr 2025 abgesetzt“, veröffentlicht am 2. Februar 2026

– Thüringer Staatskanzlei / Deutsche Presse-Agentur: „Weniger Brauereien in Thüringen“, veröffentlicht am 4. August 2026

– Deutscher Brauer-Bund: Angaben zur wirtschaftlichen Lage und zum Bierabsatz der deutschen Brauereien