Schwierige Mehrheitsverhältnisse
Neue Machtoption in Thüringen: Linke will mögliche Koalition mit CDU offen diskutierenDie Thüringer Linkspartei fordert eine ehrliche Debatte über künftige Regierungsbündnisse. Landesvorsitzende Katja Maurer hält dabei auch eine Koalition mit der CDU für diskutierbar.
Sebastian Krüger | 4. August 2026 | 3 Minuten Lesezeit
In Thüringen könnte sich eine neue politische Machtoption entwickeln. Die Co-Landesvorsitzende der Linken, Katja Maurer, verlangt, eine mögliche Koalition ihrer Partei mit der CDU bereits vor der nächsten Landtagswahl offen anzusprechen. Die Bürger müssten vor der Wahl wissen, welche Regierungsmodelle tatsächlich infrage kommen.
Maurer verlangt offene Debatte
Maurer erklärte, Parteien sollten im Wahlkampf sowohl mögliche Gemeinsamkeiten als auch unüberwindbare Unterschiede deutlich benennen. Eine solche Offenheit sei ehrlicher als eine Zusammenarbeit, die im politischen Alltag stattfinde, nach außen aber grundsätzlich ausgeschlossen werde.
Die Linke-Politikerin kritisiert damit insbesondere den Unvereinbarkeitsbeschluss der CDU. Dieser schließt eine Zusammenarbeit der Union sowohl mit der Linken als auch mit der AfD aus. Maurer bezeichnete den Beschluss angesichts der politischen Realität in Thüringen als nicht aufrichtig.
Landesregierung besitzt keine eigene Mehrheit
Hintergrund sind die ungewöhnlichen Mehrheitsverhältnisse im Thüringer Landtag. Die Landesregierung aus CDU, BSW und SPD verfügt nur über die Hälfte der Parlamentssitze und ist für Mehrheiten auf Stimmen aus der Opposition angewiesen.
Da die Regierungsparteien eine Zusammenarbeit mit der AfD ausschließen, kommt der Linken bei wichtigen Entscheidungen eine zentrale Rolle zu. Beim Doppelhaushalt für 2026 und 2027 benötigte die Regierung beispielsweise Unterstützung aus der Opposition. Zwischen den regierungstragenden Fraktionen und der Linken gibt es deshalb bereits einen regelmäßigen Austausch.
CDU hält offiziell an Abgrenzung fest
Eine formelle Koalition mit der Linken ist für die CDU bislang ausgeschlossen. Dennoch haben beide Seiten in Thüringen bei einzelnen Vorhaben miteinander verhandelt. Auch beim geplanten Entlastungsgesetz zeigte sich die CDU-Fraktion zuletzt offen für eine Annäherung an die Linke.
Die bisherige Zusammenarbeit beschränkt sich auf Sachfragen und notwendige parlamentarische Mehrheiten. Maurer möchte diese politische Realität nun bereits vor einer Wahl offen diskutieren lassen.
Linke will lieber mitregieren als nur tolerieren
Für die Linke wäre nach Maurers Vorstellung eine aktive Regierungsbeteiligung sinnvoller als eine bloße Duldung einer Minderheitsregierung. Eine Koalition müsste jedoch auf gemeinsamen politischen Zielen beruhen. Zugleich müssten Unterschiede zwischen CDU und Linken klar benannt werden.
Ob die Thüringer CDU zu einer solchen Debatte bereit wäre, ist offen. Der Unvereinbarkeitsbeschluss gilt weiterhin. Die schwierigen Mehrheitsverhältnisse könnten den Druck auf beide Parteien jedoch erhöhen, ihre bisherige Haltung spätestens vor der nächsten Landtagswahl genauer zu erklären.
Quellen
– Thüringer Staatskanzlei: „Linke-Chefin: Mögliche Koalition mit CDU offen kommunizieren“, veröffentlicht am 4. August 2026