Ostseeküste Mecklenburg wird offiziell als Tourismusregion anerkannt
Neun Städte und Gemeinden an der mecklenburgischen Ostseeküste schließen sich offiziell zu einer gemeinsamen Tourismusregion zusammen. Die Anerkennungsurkunden werden am 23. Juli 2026 im Rathaus von Kühlungsborn übergeben. Der Zusammenschluss reicht von Rerik über Kühlungsborn und Bad Doberan bis nach Nienhagen und soll die touristische Infrastruktur, die Vermarktung und die Zusammenarbeit der Kommunen dauerhaft stärken.
Neun Kommunen bilden eine gemeinsame Region
Zur neuen Tourismusregion Ostseeküste Mecklenburg gehören die Städte Kühlungsborn, Rerik, Bad Doberan und Kröpelin sowie die Gemeinden Nienhagen, Börgerende-Rethwisch, Bastorf, Wittenbeck und Steffenshagen. Die Urkundenübergabe ist für Donnerstag, den 23. Juli 2026, um 15 Uhr im Rathaus von Kühlungsborn vorgesehen.
Die beteiligten Kommunen liegen überwiegend im Landkreis Rostock. Sie arbeiten bereits seit mehreren Jahren bei touristischen Angeboten und bei der Einführung einer gemeinsamen Gästekarte zusammen. Mit der offiziellen Anerkennung erhält diese Kooperation nun einen festen rechtlichen und organisatorischen Rahmen.
Das Land Mecklenburg-Vorpommern hatte das Prädikat „Tourismusregion“ im Jahr 2021 eingeführt. Damit sollen Kommunen unterstützt werden, die ihre touristische Entwicklung nicht mehr ausschließlich innerhalb einzelner Gemeindegrenzen organisieren wollen. Voraussetzung sind unter anderem eine leistungsfähige touristische Infrastruktur, gemeinsame Angebote und eine abgestimmte Vermarktung.
Die beteiligten Orte
Die neue Tourismusregion umfasst:
Ostseebad Kühlungsborn
Ostseebad Rerik
Bad Doberan mit Heiligendamm
Stadt Kröpelin
Ostseebad Nienhagen
Ostseebad Börgerende-Rethwisch
Gemeinde Bastorf
Tourismusort Wittenbeck
Tourismusort Steffenshagen
Die Region erstreckt sich damit entlang eines wichtigen Küstenabschnitts westlich und östlich von Kühlungsborn. Neben klassischen Ostseebädern gehören auch kleinere Gemeinden und küstennahe Orte im Binnenland dazu.
Gemeinsame Küsten Karte als zentrales Projekt
Ein wesentlicher Bestandteil der Zusammenarbeit ist die digitale Küsten Karte. Sie wurde bereits während eines Modellprojekts in den Jahren 2021 bis 2023 vorbereitet und anschließend in den neun beteiligten Orten eingeführt. Seit 2024 koordiniert der Verband Mecklenburgischer Ostseebäder den Betrieb der gemeinsamen Gästekartenplattform.
Mit der Karte können Urlauber touristische Leistungen über die Grenzen ihres jeweiligen Urlaubsortes hinaus nutzen. Dazu gehören nach Angaben des Verbandes unter anderem kostenfreie Strandzugänge, Vergünstigungen in Museen und bei Veranstaltungen sowie Rabatte bei angeschlossenen Partnern.
Die Karte soll damit verhindern, dass touristische Angebote an Gemeindegrenzen enden. Ein Gast, der beispielsweise in Bastorf oder Wittenbeck übernachtet, kann auch Angebote in Kühlungsborn, Bad Doberan oder Rerik nutzen.
Für Einheimische ist ebenfalls eine Einwohnerkarte vorgesehen. Sie soll ihnen ähnliche Vergünstigungen ermöglichen wie Urlaubern. Im Jahr 2026 können Einwohner teilweise noch ihre Personalausweise oder bereits vorhandene Strandkarten als Nachweis verwenden.
Angebote von 35 Partnern
Bereits Ende 2025 waren nach Angaben des Verbandes 35 Leistungspartner an die Küsten Karte angeschlossen. Dazu gehörten touristische Einrichtungen und Ausflugsziele aus verschiedenen Teilen Mecklenburg-Vorpommerns. Die Kommunen wollen das Netz der Partner weiter ausbauen.
Die gemeinsame Karte ist deshalb nicht nur ein Rabattinstrument. Sie soll auch Besucherströme lenken, Angebote miteinander verbinden und Gäste dazu bewegen, mehrere Orte innerhalb der Region zu besuchen.
Warum die Anerkennung jetzt erfolgt
Die beteiligten Kommunen haben ihre Zusammenarbeit schrittweise aufgebaut. Ausgangspunkt war das Modellregionen-Projekt zwischen 2021 und 2023. In dieser Zeit wurden gemeinsame Strukturen entwickelt, Kurabgabesatzungen angenähert und die digitale Gästekarte vorbereitet.
Der Verband Mecklenburgischer Ostseebäder begleitete die Städte und Gemeinden bei diesem Prozess. Im Arbeitsplan für 2026 gehörte die offizielle Anerkennung ausdrücklich zu den wichtigsten Zielen. Weitere Schwerpunkte sind die Einführung der Einwohnerkarte, die Harmonisierung der Kurabgaben und der Ausbau der gemeinsamen Vermarktung.
Die Anerkennung durch das Wirtschafts- und Tourismusministerium bestätigt nun, dass die Region die erforderlichen Voraussetzungen erfüllt. Neben einer touristischen Infrastruktur müssen die Kommunen nachweisen, dass sie dauerhaft zusammenarbeiten und ein gemeinsames Marketing betreiben.
Was sich für die Kommunen verändert
Mit dem Status als Tourismusregion erhalten die beteiligten Orte zusätzliche Möglichkeiten, ihre touristischen Aufgaben gemeinsam zu organisieren und zu finanzieren. Anerkannte Tourismusregionen können unter bestimmten Voraussetzungen eine gästebezogene Kurabgabe einführen und deren Einnahmen für touristische Infrastruktur und gemeinsame Angebote verwenden.
Für die Kommunen kann das mehrere Vorteile bringen:
Sie müssen bestimmte Projekte nicht mehr jeweils allein planen. Digitale Angebote, Veranstaltungen, Informationssysteme oder Werbekampagnen können gemeinsam entwickelt und finanziert werden.
Kleinere Gemeinden profitieren dabei von der Bekanntheit größerer Ostseebäder wie Kühlungsborn, Rerik oder Heiligendamm. Zugleich können die größeren Orte ihren Gästen zusätzliche Ausflugsziele im Umland anbieten.
Auch die Vermarktung soll stärker gebündelt werden. Statt neun weitgehend getrennte Reiseziele zu präsentieren, kann die Region als zusammenhängender Erlebnisraum auftreten.
Bedeutung für Betriebe und Beschäftigte
Der Tourismus gehört zu den wichtigsten Wirtschaftszweigen Mecklenburg-Vorpommerns. Von einer besseren Zusammenarbeit profitieren nicht allein Hotels und Ferienwohnungsvermieter.
Auch Gastronomie, Einzelhandel, Ausflugsziele, kulturelle Einrichtungen, Verkehrsunternehmen und Handwerksbetriebe sind auf stabile Besucherzahlen angewiesen. Wenn Gäste mehrere Orte innerhalb einer Region nutzen, kann sich die touristische Wertschöpfung breiter verteilen.
Für kleinere Orte ist das besonders relevant. Sie verfügen häufig nicht über dieselben Werbebudgets oder Verwaltungsstrukturen wie große Seebäder. Durch gemeinsame Plattformen können sie ihre Angebote dennoch einem größeren Publikum präsentieren.
Der Zusammenschluss kann zudem helfen, Personal und Fachwissen besser einzusetzen. Touristische Digitalisierung, Datenpflege und Vermarktung verlangen inzwischen spezialisierte Mitarbeiter, die nicht jede kleine Gemeinde allein beschäftigen kann.
Die ostdeutsche Besonderheit
Viele touristisch geprägte Regionen in Ostdeutschland bestehen aus kleinen Städten und Gemeinden mit begrenzten Haushalten. Gleichzeitig müssen sie umfangreiche Infrastruktur für Besucher vorhalten: Strände, Promenaden, Parkplätze, öffentliche Toiletten, Radwege, Kurparks, Veranstaltungsorte und Touristinformationen.
Die Kosten entstehen vor Ort, während Gäste sich längst über Gemeindegrenzen hinweg bewegen. Eine gemeinsame Tourismusregion kann diese Lücke verringern.
Für Mecklenburg-Vorpommern kommt hinzu, dass der Wettbewerb zwischen den deutschen Küstenregionen, dem benachbarten Ausland und internationalen Urlaubszielen zunimmt. Einzelne Orte können ihre Sichtbarkeit nur schwer allein sichern.
Mit der Ostseeküste Mecklenburg besteht nun die vierte offiziell anerkannte Tourismusregion des Landes. Bereits zuvor waren die Insel Usedom mit Wolgast, Mönchgut-Granitz auf Rügen und die Mecklenburgische Schweiz anerkannt worden.
Positionen und offene Fragen
Der Verband Mecklenburgischer Ostseebäder verbindet mit dem Zusammenschluss ein einheitlicheres Qualitätsniveau über Gemeinde- und Stadtgrenzen hinweg. Gäste erwarteten nicht nur in ihrem Übernachtungsort, sondern in der gesamten Urlaubsregion verlässliche touristische Leistungen, erklärte der Verband zur Anerkennung.
Die Kommunen verweisen zugleich auf die Erfahrungen aus dem Modellprojekt. Dort habe sich gezeigt, dass eine gemeinde- und ämterübergreifende Zusammenarbeit möglich sei.
Offen bleibt, wie weit die Kurabgabesatzungen der neun Orte künftig tatsächlich vereinheitlicht werden. Bislang besitzen Kommunen unterschiedliche Beitragshöhen, Befreiungsregeln und saisonale Regelungen.
Auch die Finanzierung gemeinsamer Projekte muss dauerhaft geklärt werden. Eine digitale Gästekarte verursacht laufende Kosten für Technik, Verwaltung, Betreuung und Partnergewinnung.
Eine weitere Aufgabe ist die Einbindung zusätzlicher Anbieter. Je größer das Netz aus Museen, Freizeiteinrichtungen, Verkehrsangeboten und Gastronomiebetrieben wird, desto attraktiver ist die Karte für Gäste und Einwohner.
Weitere Regionen könnten folgen
Der Verband Mecklenburgischer Ostseebäder prüft nach eigenen Angaben weitere regionale Zusammenschlüsse. Als mögliche künftige Tourismusregionen werden unter anderem Mecklenburgs Mitte, das Amt Rostocker Heide und das Schweriner Seenland genannt.
Darüber hinaus laufen Gespräche mit Gemeinden in Nordwestmecklenburg und im Binnenland des Landkreises Rostock über die Einführung digitaler Gästekarten.
Die Entwicklung zeigt, dass Mecklenburg-Vorpommern seine touristischen Strukturen zunehmend über Gemeindegrenzen hinweg ordnen will. Der klassische Wettbewerb einzelner Orte wird damit um eine stärkere regionale Zusammenarbeit ergänzt.
Wie es weitergeht
Nach der Urkundenübergabe beginnt die nächste Phase der Zusammenarbeit. Im Arbeitsplan für 2026 hat der Verband mehrere konkrete Aufgaben festgelegt.
Dazu gehören:
Ausbau der Küsten Karte
Gewinnung weiterer Leistungspartner
Einführung der Einwohnerkarte
stärkere Abstimmung der Kurabgabesatzungen
gemeinsame Marketingmaßnahmen
Weiterentwicklung der regionalen Organisationsstruktur
bessere Verknüpfung von Küstenorten und Hinterland
Zudem soll eine Lenkungsgruppe die weitere Entwicklung begleiten. Gemeinsam mit den kommunalen Gremien sollen Zuständigkeiten, Gebietskulisse und langfristige Organisationsformen genauer festgelegt werden.
Die Anerkennung der Ostseeküste Mecklenburg als Tourismusregion macht aus einer mehrjährigen Zusammenarbeit einen offiziellen regionalen Verbund. Neun Städte und Gemeinden bündeln künftig ihre touristischen Angebote, ihre Vermarktung und Teile ihrer Infrastruktur.
Für Urlauber bedeutet das einen leichteren Zugang zu Angeboten über Gemeindegrenzen hinweg. Einwohner sollen ebenfalls von der gemeinsamen Küsten Karte profitieren.
Für Kommunen und Unternehmen eröffnet der Zusammenschluss die Möglichkeit, Kosten, Fachwissen und Reichweite besser zu teilen. Entscheidend wird sein, ob die gemeinsamen Strukturen dauerhaft finanziert werden und ob sich weitere Betriebe und Einrichtungen beteiligen.
Quellen:
Ministerium für Wirtschaft, Infrastruktur, Tourismus und Arbeit Mecklenburg-Vorpommern: Terminhinweis zur Urkundenübergabe, veröffentlicht am 21. Juli 2026
Verband Mecklenburgischer Ostseebäder: Pressemitteilung zur Anerkennung der Tourismusregion, veröffentlicht am 24. März 2026
Verband Mecklenburgischer Ostseebäder: Arbeitsplan 2026
Verband Mecklenburgischer Ostseebäder: Präsentation zur Mitgliederversammlung vom 3. Dezember 2025